STUTTGART (dpa-AFX) - "Stuttgarter Zeitung" zu Urteil/Gerhard Schröder:
"Ohne Zweifel haben ausscheidende Kanzler Aufgaben, von Reden bis Schirmherrschaften, die sich aus der vorherigen Tätigkeit als Regierungschef ergeben. Die Frage ist, wie lange man ernsthaft argumentieren kann, dass solche Aufgaben noch immer anfallen und direkt aus der Ex-Kanzlerschaft ableitbar sind. 17 Jahre erscheinen hier eindeutig zu lang. Und doch hat der Vorgang einen faden Beigeschmack. Im Mai 2022 stand Schröder unter massivem öffentlichen Druck wegen seiner engen Kontakte zu Wladimir Putin und seiner Verflechtungen mit dem Gazprom-Konzern. Das war der entscheidende Grund für den Beschluss. Die Lage erschien dem Bundestag nicht mehr akzeptabel - und zwar politisch. Nur hat man das nicht so gesagt, sondern sich hinter juristische Kniffe verschanzt. Es braucht für die Zukunft eine Regelung, die eben grundsätzlich und nicht in Ansehung der jeweiligen Person gilt."/DP/jha
