DJ Scholz sieht keine Systemkrise im deutschen Wohnungsbausektor
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sieht trotz des jüngsten Einbruchs bei den Baugenehmigungen keine Systemkrise im Wohnungsbausektor. Er bekannte sich zudem trotz der zuletzt enttäuschenden Zahlen zum Ziel der Bundesregierung, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, denn bezahlbares Wohnen bleibe eine zentrale Frage der Zeit.
"Auch wenn die Zeiten gerade sehr stürmisch sind, was dieses Ziel betrifft: Wir lassen davon nicht ab, auch nicht angesichts der gestiegenen Zinsen", sagte Scholz auf dem Deutschen Sparkassentag in Hannover. Die Zinsen machten es zwar nicht leichter, das Ziel von 400.000 Wohnungen zu erreichen.
"Aber richtig ist auch: Was wir derzeit erleben ist eine abrupte Anpassung, aber keine Systemkrise", so Scholz. "Bauen ist grundsätzlich auch bei höheren Zinssätzen möglich." Das sei jahrzehntelang der Fall gewesen. Anfang der 70'er Jahre habe man in West- und Ostdeutschland zusammen über 800.000 Wohnungen gebaut. Und dies bei einem Zinsniveau, das damals um die 9 Prozent lag - doppelt so hoch wie heute, so der Kanzler.
Außerdem gebe es einige Stellschrauben, an denen Bund, Länder, Kommunen, Bauwirtschaft und Finanzinstitute gemeinsam ansetzen könnten, damit die Baukosten sinken. Scholz nannte in dem Zusammenhang mehr serielles und modulares Bauen und weniger Normen, die Kosten in die Höhe trieben. Wichtig seien zudem schnellere Planungen und Genehmigungen, digitale Bauanträge sowie mehr Bauland in den Kommunen.
Der Bund plane zudem, von 2022 bis 2026 die Rekordsumme von 14,5 Milliarden Euro an Fördermitteln für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen, wie Scholz sagte.
Gleichzeitig benötige man weiterhin private Investitionen sowie die Entwicklung geeigneter Flächen und die Sanierung von Immobilien. Hier spiele die Sparkasse mit der Finanzierung von Neubauten und Sozialwohnungen eine positive Rolle.
"Ja, das Zinsumfeld ist schwieriger geworden - was wir deshalb umso mehr brauchen, ist Beharrlichkeit und eben Vertrauen", sagte Scholz in seiner Rede.
Im März war bei den Baugenehmigungen in Deutschland der stärkste Einbruch seit 16 Jahren verzeichnet worden. Laut Statistischem Bundesamt wurde nur noch der Bau von 24.500 Wohnungen genehmigt, ein Minus von 29,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
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May 31, 2023 09:13 ET (13:13 GMT)
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