DJ DIW: Chinas Kredite oft nicht im Interesse afrikanischer Länder
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Chinesische Kredite für Afrika sind häufig teuer und widersprechen damit den volkswirtschaftlichen Interessen der Schuldner. Zudem fließen sie häufig an rohstoffreiche Staaten mit geringem Demokratisierungsgrad. Zu diesen zentralen Erkenntnissen kommt eine Analyse der Abteilung Weltwirtschaft am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), wie das Institut mitteilte. "Die chinesische Kreditvergabe an afrikanische Länder steht somit im Wettbewerb zur westlichen Entwicklungspolitik", erläuterte Studienautor Lorenz Meister.
Die Studie zeige, dass die chinesischen Kredite im Vergleich zu bi- oder multilateralen Krediten, wie sie etwa die Weltbank vergibt, teurer seien. Die Zinssätze liegen demnach im Durchschnitt bei 2,7 Prozent, bei multilateralen Gebern bei 0,9 Prozent, bei bilateralen, zumeist westlichen Gebern bei 1,4 Prozent. Zudem hätten chinesische Kredite im Schnitt kürzere Laufzeiten, seien stärker besichert, volatiler und flössen oft in überdimensionierte Prestigeprojekte, deren volkswirtschaftlicher Nutzen zweifelhaft sei. Da Umschuldungen bei chinesischen Krediten eher untypisch seien, führten Zahlungsausfälle oft zum Verlust der verlangten Sicherheiten oder zur erneuten Kreditaufnahme.
Vergeben würden die chinesischen Kredite oftmals an rohstoffreiche Länder, die nicht entschieden gegen Korruption vorgingen. "Es liegt nahe, dass China bei der Kreditvergabe das Ziel verfolgt, sich mit knappen Rohstoffen für seine stark wachsende Wirtschaft einzudecken", erklärte Studienautor Lukas Menkhoff. "Der Grad der Demokratisierung im Land spielt dabei offenbar keine Rolle." China punkte zudem damit, dass die Kredite nicht an wirtschaftspolitische Auflagen gekoppelt seien.
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June 28, 2023 05:17 ET (09:17 GMT)
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