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Die Adesso-Aktie steckt tief im Keller, keine Frage, doch es könnte sich schon bald eine Gegenwehr formieren, denn während der Kurs neue Tiefs markiert, zeigt der RSI ein anderes Bild und genau solche Divergenzen sind es, die Charttechniker aufhorchen lassen. Gleichzeitig baut ein Hedgefonds eine Short-Position auf. Das ist riskant und die Wette könnte zwar aufgehen, aber eben auch nicht. Denn sollte die Aktie nach oben drehen, könnte es für den oder die Shortseller eng werden. Wir schauen uns an, was für einen Rebound spricht und was Anleger jetzt wissen sollten.
Fundamentale Entwicklung
Operativ läuft es bei Adesso längst besser, als es der Aktienkurs vermuten lässt. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz auf gut 398 Millionen Euro, ein Plus von 13 Prozent. Noch fast beeindruckender ist, dass das EBITDA auf 27 Millionen Euro nach oben geschossen ist, deutlich mehr als im Vorjahr. Die Marge kratzt sogar an der 7-Prozent-Marke. Unterm Strich stand erstmals seit 2023 wieder ein Gewinn im Auftaktquartal und auch operativ tut sich was, da mit dem neuen "AI Hub" Adesso eine Plattform für europäische KI-Governance an den Start bringt. Dazu kommen frische Aufträge von der Bundesbank und von RWE. Der Vorstand hält trotz eingetrübtem Konjunkturausblick an seiner Jahresprognose fest, 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro Umsatz sollen es werden. Und die Dividende von 0,78 Euro wurde auf der Hauptversammlung bestätigt. Top News also!
Marktumfeld und Positionierung
Interessant wird es, wenn man sich anschaut, wer gerade wie positioniert ist. Ausgerechnet jetzt, wo die operativen Zahlen stimmen, hat der Hedgefonds WorldQuant erstmals eine meldepflichtige Short-Position bei Adesso aufgebaut. Ein ungewöhnlicher Zeitpunkt, denn die fundamentale Story spricht eigentlich eine andere Sprache. Solche Wetten auf fallende Kurse gelten am Markt zwar oft als Signal für anhaltende Skepsis, sie bergen aber auch ein eigenes Risiko, denn dreht der Kurs überraschend nach oben, müssen Shortseller ihre Positionen eindecken und kaufen genau dann Aktien zurück, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Das kann eine Aufwärtsbewegung noch zusätzlich befeuern und Adesso ist jetzt nicht gerade dafür bekannt, volumenstark gehandelt zu werden. Die kommenden Monate, allen voran der Halbjahresbericht im August, dürften zeigen, wer hier am Ende richtiglag.

Charttechnik
Charttechnisch sieht es interessant aus, da die Aktie gerade erst ein neues Jahrestief bei etwa 47 Euro gemacht hat. Der RSI aber macht dieses tiefere Tief nicht mit. Dies ist eine klassische bullische Divergenz. Sprich, der Abwärtsdruck lässt nach, auch wenn der Kurs das noch nicht zeigt. Mit einem RSI-Wert um die 28 gilt die Aktie zudem als leicht überverkauft. Gelingt jetzt ein Sprung über die Marke von etwa 55 Euro, könnte sich der Weg Richtung 60 - 65 Euro öffnen. Genau das dürfte den Shortsellern nicht schmecken, denn ein plötzlicher Ausbruch nach oben würde sie zum Eindecken zwingen und den Kurs zusätzlich beschleunigen.
Was tun?
Die Gemengelage ist ungewöhnlich und hochbrisant. Solide Zahlen, ein spannendes neues KI-Produkt, dazu eine charttechnische Divergenz, die für eine Bodenbildung spricht und mittendrin ein Hedgefonds, der auf fallende Kurse setzt. Genau diese Mischung kann kurzfristig für Nervosität sorgen, mittelfristig aber auch für deutliches Aufholpotenzial. Wer von der Story überzeugt ist, kann erste Positionen aufbauen, sollte sich das Risiko unterhalb des Jahrestiefs aber bewusst werden. Wer vorsichtiger ist, wartet den Ausbruch über die Widerstandszone ab, bevor er einsteigt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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