DJ EZB: Banken straffen Kreditstandards im 2Q weniger als erwartet
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Banken des Euroraums haben ihre Standards für Unternehmenskredite im zweiten Quartal deutlich weniger stark als erwartet gestrafft, wobei die Kreditnachfrage der Firmen entgegen den Erwartungen zunahm. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem aktuellen Quartalsbericht zur Kreditvergabe mitteilte, gab es 7 Prozent mehr Banken, die ihre Kreditstandards strafften als solche, die sie lockerten. Die Banken selbst hatten im April für das zweite Quartal aber deutlich strengere Standards (Saldo 19 Prozent) prognostiziert. Für das dritte Jahresviertel wird eine Straffung um 5 Prozent erwartet.
Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten nahm leicht zu (Saldo plus 3 Prozent). Erwartet worden war dagegen ein Rückgang (Saldo minus 10 Prozent). Die Prognose für das dritte Quartal ist positiv (Saldo 4 Prozent).
Das Ergebnis der US-Iran-Verhandlungen bleibt nach Aussage der EZB eine kontinuierliche Quelle der Unsicherheit, wobei die Banken ihre Einschätzungen im Zuge des Verhandlungsverlaufs anpassten. Die Institute blieben gegenüber Risiken weiterhin extrem aufmerksam und überwachten die Kreditrisiken vor allem in den am stärksten exponierten Sektoren intensiv. "Einige Banken berichteten für das zweite Quartal von einer zusätzlichen Verschärfung der Kreditstandards aufgrund geopolitischer Spannungen und der Entwicklungen am Energiemarkt", so die EZB.
Der Nettoanteil der Verschärfungen sei im Automobilbau und in energieintensiven Industrien weiterhin besonders ausgeprägt ausgefallen. Die wahrgenommenen Risiken für den Wirtschaftsausblick sowie eine geringere Risikotoleranz blieben die Hauptgründe für die strengeren Kreditstandards bei Unternehmen. Unter den größten Ländern des Euroraums meldeten die Banken in Deutschland, Spanien und Frankreich straffere Kreditstandards für Unternehmen, während sich die Standards in Italien lockerten.
Die Standards für Hauskredite wurden im zweiten Quartal gestrafft (Saldo 9 Prozent). Erwartet worden waren 8 Prozent. Für das dritte Quartal wird eine leichte Straffung (Saldo 2 Prozent) prognostiziert. Die Nachfrage nach solchen Krediten sank deutlich (Saldo minus 15 Prozent). Erwartet hatten die Institute aber einen noch deutlichen Nachfragerückgang (Saldo minus 20 Prozent). Für das dritte Quartal wird eine deutlich niedrigere Nachfrage (Saldo minus 12 Prozent) erwartet.
Die Standards für Konsumentenkredite wurden ebenfalls gestrafft (Saldo 12 Prozent), was fast genau den Erwartungen entsprach (Saldo minus 13 Prozent). Für das dritte Quartal wird abermals eine Straffung (Saldo 11 Prozent) erwartet. Die Nachfrage sank leicht (Saldo minus 2 Prozent), erwartet hatten die Banken einen deutlicheren Rückgang (Saldo minus 9 Prozent). Für das dritte Quartal wird eine unveränderte Nachfrage (Saldo 0 Prozent) prognostiziert.
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July 21, 2026 04:00 ET (08:00 GMT)
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