
© Foto: Sad Duck auf Pexels (Symbolbild)
Mercedes-Benz steckt tief in der Krise und auch am Aktienkurs ist das für Anleger schmerzhaft zu spüren. Nur wenige Euro trennen das Papier noch von einem neuen Mehrjahrestief. Der Trend zeigt derzeit deutlich nach unten, und auch charttechnisch mehren sich weitere Warnsignale. Gleichzeitig kämpft der Konzern an mehreren Fronten um sein Überlegen. Schwache Verkaufszahlen in China, ein drohendes US-Gesetz und gesenkte Kursziele von Analysten. Doch es gibt auch kleine Lichtblicke, wie etwa im Van-Geschäft. Lohnt sich jetzt der Einstieg, oder doch besser noch warten? Wir werfen einen Blick auf Zahlen, Chart und Ausblick.
China-Flaute und US-Risiko
Bei Mercedes-Benz brennt es an mehreren Ecken und Enden. In China, dem eigentlich wichtigsten Markt des Konzerns, laufen die Geschäfte alles andere als zufriedenstellend. Der Absatz brach im zweiten Quartal um rund 30 Prozent ein, auf unter 100.000 Fahrzeuge. Besonders bitter ist, dass die Produktion des Elektromodells CLA L inzwischen sogar gestoppt wurde, nachdem im Juni schlicht kein einziges Fahrzeug mehr verkauft, bzw. in China zugelassen wurde. Das muss man sich mal überlegen! Kein einziges Fahrzeug in einem ganzen Monat vom Elektromodell des CLA L! Das Management hat seine Jahresziele für China längst zurückgeschraubt.
Parallel dazu droht in den USA Ärger. Ein Gesetzesvorhaben im Senat könnte den Verkauf vernetzter Fahrzeuge einschränken, sollte der chinesische Anteilseigner-Anteil zu hoch liegen. Bei Mercedes sind es knapp 20 Prozent und das ist gefährlich nah an der geplanten Schwelle. Der Konzern setzt nun auf Lobbyarbeit, um diese Grenze anheben zu lassen.
Und auch bei der Nobelmarke Maybach hakt es. Wachstum ist dort vorerst kaum zu erwarten, vor allem weil die Nachfrage in China nachlässt. Auf aggressive Rabatte will das Management dabei bewusst verzichten, um die Marke nicht zu beschädigen. Das Ganze ist ein Balanceakt zwischen kurzfristigem Absatz und langfristigem Markenwert. Immerhin gibt es auch positive Signale, wenn auch nur im Van-Segment und bei den Finanzdienstleistungen. Dort läuft es laut Analysten besser als gedacht, die Marge im Autogeschäft dürfte im Rahmen der eigenen Prognose bleiben. Die Meinungen der Analysten gehen aber dabei deutlich auseinander, wie zuletzt gesenkte Kursziele zeigen.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart macht derzeit wenig Mut. Der Abwärtstrend hält nun schon seit Monaten an. Die Aktie notiert unter den beiden wichtigen SMAs (50er und 200er). Der Trend ist somit deutlich klar nach unten gerichtet. Damit rückt auch das 52-Wochen-Tief bei rund 42,64 Euro erneut bedrohlich nahe. Es ist quasi nur ein kleiner (Aus-)Rutscher weit entfernt und schon wäre ein neues Mehrjahrestief erreicht. Der RSI notiert bei etwa 35 und nähert sich damit der überverkauften Zone. Das kann kurzfristig für eine technische Gegenbewegung sprechen, ändert aber nichts am übergeordneten, klar abwärtsgerichteten Trend.
Was tun?
Die Lage bleibt schwierig, denn die China-Schwäche und das drohende US-Gesetz belasten, während operative Lichtblicke wie das Van-Geschäft nur bedingt Entlastung bringen. Analysten sind gespalten: Goldman sieht Mercedes bei 65 Euro mit weiterhin Potenzial, ODDO BHF bleibt mit 35 Euro klar skeptisch. Die niedrige Bewertung mit einem KGV im einstelligen Bereich wirkt zwar günstig, spiegelt aber auch die Unsicherheit wider. Nicht umsonst ist der Kurs schon seit Monaten unter Druck, obwohl der DAX Nahe an seinem Hoch notiert. Bis zu den Q2-Zahlen am 28. Juli dürfte die Aktie noch hin- und hergerissen sein. Wenn dann die Zahlen raus sind, dürfte sich eventuell wieder einen Richtung etablieren, die vielleicht auch wieder ein paar Wochen anhält. Anleger sollten die Marke am Mehrjahrestief im Blick behalten und auf die kommenden Geschäftszahlen sowie neue Entwicklungen in China und den USA achten, bevor sie eine Entscheidung treffen. Die Seitenlinie derzeit ist sicherlich nicht verkehrt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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