DJ MARKT-AUSBLICK/Nahostkrieg und Bilanzsaison sind für Überraschungen gut
DOW JONES--In der kommenden Woche dürfte es an den Börsen ähnlich turbulent zugehen wie in der gerade endenden. Ein Ende des Iran-Kriegs ist immer noch nicht in Sicht - er eskaliert sogar weiter. Die Ölpreise sind daraufhin auf den höchsten Stand seit etwa zwei Monaten gestiegen, was Inflations- und Zinserhöhungsängste befeuert. Und im Handelsstreit hat US-Präsident Donald Trump zum Ausklang dieser Woche wieder Öl ins Feuer gegossen, indem er neue Zölle von 10 bis 12 Prozent ankündigte - dieses Mal mit der Begründung, dass die betroffenen Länder nicht entschieden genug gegen Zwangsarbeit vorgingen. Die neuen Zölle sollen temporäre Abgaben von 10 Prozent ablösen, die am heutigen Freitag auslaufen und eingeführt worden waren, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA den Großteil anderer von Trump festgelegter Zölle für ungültig erklärt hatte.
Derweil setzen die USA und der Iran ihre wechselseitigen Angriffe fort. Der Konflikt hat sich nun auch ins Rote Meer ausgedehnt. Dort haben die vom Iran unterstützten jemenitischen Huthi-Rebellen saudi-arabische Tankschiffe angegriffen. Die Route durch das Rote Meer durch die Straße von Bab al-Mandab wird als alternativer Transportweg für Öl genutzt, nachdem die Straße von Hormus blockiert worden war. Doch nun hat der Iran gedroht, mit Hilfe der Huthi-Rebellen auch diesen Weg zu blockieren, wie die Commerzbank (Coba) anmerkt. Die Huthi haben bereits saudi-arabische Tankschiffe angegriffen und eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt. Sollte es Teheran gelingen, auch diese Route komplett zu schließen, würde sich die Angebotslücke von zuletzt 5,9 Millionen Barrel im schlimmsten Fall um bis zu 7,5 Millionen Barrel pro Tag erhöhen, schreibt die Coba. Die Folge wären weiter steigende Ölpreise.
Ein Highlight der kommenden Woche wird der Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch. Beobachter gehen mehrheitlich davon aus, dass die Fed den Leitzins unverändert lassen wird, nachdem der Inflationsdruck im Juni merklich nachgelassen hat. Die Inflationsrate liegt zwar noch deutlich über dem Fed-Zielwert, doch aufgrund "der niedrigeren Inflation und der ausgeglichenen Arbeitsmärkte gibt es für eine Zinserhöhung bei dieser Sitzung weniger überzeugende Argumente als beim vorherigen Treffen", heißt es von der DWS. Deren Chefvolkswirt Christian Scherrmann spricht von einer falkenhaften Zinspause in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit. Nach einer kurzen Phase der Entspannung dominierten wieder Aufwärtsrisiken bei Energiepreisen und Zöllen die Schlagzeilen. Neben der Fed entscheiden in der kommenden Woche die Bank of England am Donnerstag und die Bank of Japan am Freitag über ihren jeweiligen geldpolitischen Kurs. Auch diese beiden Zentralbanken dürften die Zinsen auf dem aktuellen Niveau bestätigen.
Konjunkturseitig stehen Daten zum Wirtschaftswachstum Deutschlands, der Eurozone und der USA im zweiten Quartal auf der Agenda. Hier dürfte der Iran-Krieg seine Spuren hinterlassen und das Wachstum gebremst haben, erwarten Volkswirte. Die Ökonomen der Coba schätzen, dass die US-Wirtschaft dabei noch am glimpflichsten davongekommen ist. Die USA seien Netto-Exporteur von Energie, und der Preis für Erdgas sei anders als im Euroraum nicht gestiegen, da die USA nicht auf Lieferungen aus der Region am Persischen Golf angewiesen seien. Und schließlich hätten die USA ein deutlich höheres Trendwachstum als der Euroraum. Sie könnten also etwas Gegenwind besser verkraften, ohne dass die Wirtschaft gleich stagniere oder gar schrumpfe.
In Deutschland wird gleich am Montag der ifo-Geschäftsklimaindex für Juli veröffentlicht. Im weiteren Wochenverlauf stehen Juli-Inflationsdaten aus Deutschland und der Eurozone sowie der PCE-Preisindex der persönlichen Konsumausgaben für Juni in den USA im Blick.
Daneben läuft die Bilanzsaison weltweit auf Hochtouren. In Deutschland werden allein aus dem DAX im Wochenverlauf Mercedes-Benz, die Deutsche Bank, die Porsche AG, Airbus, Adidas, BMW und MTU Zahlen vorlegen. In den USA gilt das Interesse besonders den Quartalsausweisen von Microsoft, Amazon und Apple. Amazon und Microsoft gelten als KI-Hyperscaler, die massiv in den Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) investieren. Allerdings können Hyperscaler diese gewaltigen Investitionen meist nicht mehr über den Cashflow der Unternehmen finanzieren, so dass sie den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen müssen. Wachsende Zweifel an der Tragfähigkeit dieser Ausgaben haben Aktien mit KI-Bezug in jüngster Zeit stark unter Druck gesetzt. Skeptiker dürften sich durch das Beispiel von Alphabet bestätigt sehen: Die Google-Mutter, ebenfalls ein Hyperscaler, hat am vergangenen Mittwoch erstmals seit ihrem Börsengang einen negativen Cashflow ausgewiesen.
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July 24, 2026 06:06 ET (10:06 GMT)
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