NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Nach ihrem deutlichen Vortagesanstieg haben die Ölpreise am Donnerstag nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete zuletzt 89,47 US-Dollar. Das waren 1,40 Prozent weniger als am Vortag.
Die Lage im Nahen Osten bleibt aber weiter sehr angespannt. Nach einigen beschussfreien Nächten haben sich die USA und der Iran erneut einen militärischen Schlagabtausch geliefert. Als Antwort auf Irans "versuchten Überraschungsangriff" gegen die US-Truppen im Nahen Osten vom Mittwoch bombardierte das US-Militär in der Nacht wieder Ziele in der Islamischen Republik.
Um den Druck auf den Iran weiter zu verschärfen, verhängte die US-Regierung neue Sanktionen. Sie richten sich unter anderem gegen zwei Unternehmen, die nach ihren Angaben an einem von Irans Revolutionsgarden (IRGC) unterstützten Erpressungssystem rund um die Straße von Hormus beteiligt sind. Handelsschiffe würden zu einer obligatorischen "Versicherung" gezwungen, um die für den weltweiten Ölhandel zentrale Meerenge zu passieren, hieß es. "Die Vereinigten Staaten werden nicht zulassen, dass der Iran den globalen Handel als Geisel nimmt oder die internationale Schifffahrt nutzt, um den Terrorismus, die Aggression und die Unterdrückung durch die IRGC zu finanzieren", teilte US-Finanzminister Scott Bessent mit.
Am Mittwoch waren die Preise angesichts der jüngsten Eskalation deutlich gestiegen. Zuvor war der Preis drei Handelstage in Folge gefallen, nachdem er in der vergangenen Woche zeitweise auf über 100 Dollar je Barrel gestiegen war. Die USA und der Iran hatten ihre gegenseitigen Angriffe zeitweise gestoppt und damit den Rückgang ausgelöst.
"Die Märkte haben sich hinsichtlich der Hoffnungen auf einen Frieden voreilig gefreut, insbesondere angesichts der Forderung des Iran, im Rahmen eines möglichen Abkommens die Kontrolle über die Straße von Hormus zu halten", sagte Bart Melek, globaler Leiter der Rohstoffstrategie bei TD Securities. "Wir beobachten weiterhin rückläufige Liefermengen und eine weltweite Verknappung auf dem Energiemarkt."/jsl/he
