BERLIN (dpa-AFX) - Umgestürzte Bäume, beschädigte Oberleitungen, Stromausfall - während die Menschen in weiten Teilen Deutschlands noch unter schwüler Hitze ächzen, hat es in einigen Regionen bereits unwetterartige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Orkanböen gegeben.
In Thüringen wurde nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ein Ort durch eine "Superzelle" schwer verwüstet. Ob es sich um einen Tornado gehandelt hat, wird nun geprüft. Waren bisher vor allem der Norden und Osten betroffen, werden nun im Laufe des Tages kräftige Gewitter vor allem im Westen und Südwesten erwartet.
Baum stürzt auf Auto - Sieben Menschen in Hamburg verletzt
In Hamburg stürzte am frühen Vormittag bei einem Gewitter ein Baum auf ein Auto, in dem sich sieben Menschen befanden. Die vier Erwachsenen und drei Kinder mussten laut Feuerwehr von Rettungskräften aus dem Wagen befreit werden. Ein Mensch wurde mittelschwer verletzt, die anderen sechs kamen mit leichten Verletzungen davon. Ein Feuerwehrmann vor Ort sagte, die Großfamilie habe "sehr, sehr viel Glück" gehabt. Das Auto sei lediglich unter der Baumkrone eingeschlossen gewesen.
Bahnstrecken wegen umgestürzter Bäume in NRW gesperrt
In Nordrhein-Westfalen haben lokale Unwetter schon in der Nacht mehrere Züge ausgebremst. So mussten Fahrgäste bei Schwelm mehr als vier Stunden in einem ICE ausharren, weil ein Baum auf die Oberleitung gestürzt war. Nachdem der Baum entfernt worden war, wurde der Zug mit Hilfe einer Diesellok über den inzwischen stromlosen Streckenabschnitt gezogen, ehe er selbst wieder weiterfahren konnte.
Zudem mussten 53 Menschen aus einer S-Bahn zwischen Witten und Dortmund evakuiert werden, weil diese mit einem umgestürzten Baum kollidierte, wie die Feuerwehr mitteilte. Der Baum war wegen des Unwetters auf die Gleise gestürzt und beschädigte die Oberleitungen.
Die Bahnstrecke zwischen Mönchengladbach und Aachen ist wegen eines Unwetter-Oberleitungsschadens weiterhin gesperrt - laut einem Bahnsprecher voraussichtlich noch bis Mittwochabend.
Dort waren am Montagabend zwischen Rheydt und Lindern Bäume auf die Gleise gestürzt. Zwei Regionalzüge kamen zum Stehen. "Fahrgäste konnten die Züge mit Unterstützung der Rettungskräfte vor Ort sicher verlassen und ihre Reise anschließend mit Bussen fortsetzen", erklärte ein Bahnsprecher am Vormittag.
Unwetter im Weimarer Land - Stromversorgung kurz unterbrochen
Im südlichen Weimarer Land verursachte am Abend ein Unwetter bei Blankenhain schwere Schäden. Bäume stürzten um, Dächer wurden abgedeckt, Zufahrtsstraßen waren blockiert, wie es von der Rettungsleitstelle hieß. Das Dach einer Reithalle wurde teilweise abgedeckt und ein Spielplatz zerstört. Auch die Stromversorgung war wegen gekappter Stromkabel kurzzeitig unterbrochen.
Ursache war laut DWD eine sogenannte Superzelle, die über den Ort Thangelstedt hinwegzog. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) und der Tornadoexpertenverbund Torex gehen bislang davon aus, dass es sich um einen Downburst, also extreme Fallböen gehandelt hat, wie schon zuletzt bei Zerstörungen in der Sächsischen Schweiz bei Rathen.
"Dafür sprechen mehrere Gründe", teilte DWD-Meteorologe Felix Dietzsch auf Anfrage mit. "Zum einen waren die Bedingungen für das Auftreten von Tornados an beiden Tagen nicht sonderlich gut. Zum anderen gibt es in vorliegenden Radarbildern keinen Hinweis auf einen Tornado." Eine endgültige Bestätigung stehe aber noch aus.
Erneut Hitze von bis zu 38 Grad möglich
Im Laufe des Tages erwartet der DWD nun die nächste Runde unwetterartiger Gewitter. Das gilt vor allem für den Westen und den Südwesten Deutschlands. Insbesondere vom Schwarzwald aus könnten sich einige kräftige Gewitter mit erhöhtem Unwetterpotenzial entwickeln, so der Deutsche Wetterdienst. Hauptgefahr seien mögliche Überschwemmungen durch heftigen Starkregen, aber auch Hagel und schwere Sturm- oder orkanartige Böen.
Nach einem sehr heißen Dienstag mit teils kräftigen Gewittern ist ab Mittwoch ein wenig Linderung in Sicht. Dann würden die Temperaturen etwas nach unten gehen, sagt Meteorologe Felix Dietzsch vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. "Am Donnerstag werden dann nur noch etwa vom Oberrhein bis in die Lausitz die 30 Grad erreicht. Nördlich und südlich davon liegen die Werte meist zwischen 22 und 27 Grad. Dann werden auch die Nächte wieder deutlich angenehmer."
Vor dem Wetterumschwung soll es in vielen Regionen Deutschlands aber noch einmal richtig heiß werden. Der DWD rechnet verbreitet mit 30 bis 38 Grad, lokal sogar bis zu 39 Grad im Bereich von Südhessen bis nach Mainfranken. Etwas kühler ist es im Norden bei 27 bis 32 Grad. Am angenehmsten ist es direkt an der Küste, dort klettert das Quecksilber auf 25 bis 30 Grad./wn/DP/zb
