
© Foto: Gerd Altmann auf Pixabay
Was für ein Abend für Palantir-Aktionäre. Die Datenanalyse-Schmiede von Alex Karp hat am Montagabend Zahlen vorgelegt, die selbst einige Optimisten überrascht haben dürften. Umsatz und Gewinn schießen weit über die Erwartungen der Analysten hinaus, und auch beim Ausblick legt das Management noch eine Schippe drauf. Die Börse reagiert prompt: Die Aktie springt nach Handelsschluss zweistellig nach oben. Doch wie geht es jetzt weiter, und was sagt der Chart dazu? Wir haben uns die Zahlen, die Technik und die jüngsten News genauer angeschaut.
Traumzahlen aus Denver
Palantir hat geliefert, und zwar mal richtig gut. Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um satte 93 Prozent auf knapp 1,94 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten im Schnitt nur mit 1,8 Milliarden gerechnet. Auch beim Gewinn lief es rund: Pro Aktie blieben 41 Cent hängen, deutlich mehr als die erwarteten rund 35 Cent. Vor einem Jahr waren es noch 13 bis 16 Cent. Damit hat sich das Tempo gegenüber dem Vorquartal sogar noch einmal beschleunigt, ein Beleg dafür, dass die Nachfrage nach der Plantir-Plattform ungebrochen ist.
Besonders das US-Geschäft brummt. Die Erlöse dort verdoppelten sich nahezu auf 1,57 Milliarden US-Dollar. Bei Firmenkunden in den USA ging es sogar um 149 Prozent nach oben, auf 764 Millionen US-Dollar. Das Geschäft mit Behörden legte um 90 Prozent zu. Firmenchef Karp nutzte die starken Zahlen prompt, um Palantir als Kontrollinstanz gegenüber großen KI-Anbietern wie OpenAI oder Anthropic zu positionieren. Kunden, so seine Botschaft, wollten die Hoheit über ihre Daten behalten. Passend dazu hatte Palantir kurz vor den Zahlen eine Kooperation mit Mercury Systems bekanntgegeben, um Fertigungsprozesse für US-Militärprogramme zu automatisieren. Auch beim Auftragsbestand zeigt sich die Stärke: Dieser hat sich im US-Geschäft mehr als verdoppelt und gibt dem Management Planungssicherheit bis weit ins Jahr 2027 hinein. Für das Gesamtjahr wagt das Management nun einen deutlich höheren Ausblick von bis zu 8,16 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Charttechnik
Charttechnisch tut sich einiges und zwar positives. Die Aktie hat sich über ihren 50-Tage-Durchschnitt zurückgekämpft, bzw. etabliert. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Die nächste Hürde wartet aber bei etwa 152,98 US-Dollar, dort verläuft der 200-Tage-Durchschnitt. Gelingt der Sprung darüber, wäre der Weg in Richtung der alten Hochs wieder frei und offen. Bis dahin bleibt aber Geduld gefragt, denn nach den herben Verlusten seit dem Rekordhoch braucht der Titel erst wieder das Vertrauen der Anleger, um nachhaltig Boden gutzumachen. Das könnte aber mit diesen Zahlen zum Großteil bei vielen wieder gelungen sein.
Was tun?
Die Zahlen sprechen für sich, Wachstum und Profitabilität stimmen. Fundamental bleibt Palantir aber auch nach den super Zahlen immer noch sportlich bewertet. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt weit über dem Branchenschnitt und für viele immer noch jenseits von Gut und Böse. Daher: Die Analystenschar ist entsprechend gespalten, die Kursziele reichen von deutlich unter bis weit über dem aktuellen Niveau. Wer von der langfristigen Story überzeugt ist, kann aber bei diesem bullishen Momentum zugreifen, sollte den 200er-SMA als Hindernis bzw. Warnschwelle aber im Blick behalten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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