
© Foto: Rafael Minguet Delgado auf Pexels (Symbolbild)
Bei TeamViewer tut sich gerade richtig was. Nach Monaten im Tal hat die Aktie zuletzt kräftig zugelegt, allein binnen vier Wochen ging es deutlich nach oben. Der Auslöser: bestätigte Jahresziele und ein Großkundengeschäft, das spürbar an Fahrt gewinnt. Gleich vier Analystenhäuser haben nach den Zahlen ihre Kursziele nach oben angepasst, die DZ Bank traut dem Papier sogar 9 Euro zu. Auch charttechnisch mehren sich die positiven Signale. Wir schauen uns an, was hinter der Rally steckt und wie realistisch der nächste Schub nach oben sein dürfte.
Großkunden ziehen das Geschäft nach oben
Bei TeamViewer geht der Umbau spürbar voran. Firmenchef Oliver Steil setzt konsequent auf die sogenannte Shift-Left-Strategie, bei der IT-Probleme künftig automatisiert und ohne menschliches Zutun gelöst werden sollen. Kernstück dabei ist die neue Plattform TeamViewer ONE, in die zunehmend auch die Technologie des Ende 2024 übernommenen Anbieters 1E einfließt. Genau dieses Zusammenspiel kommt am Markt gut an. Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, wohin die Reise geht. Zwar gab der Gesamtumsatz leicht nach, bei den Großkunden brummt es aber umso mehr. Der wiederkehrende Umsatz im Enterprise-Segment legte währungsbereinigt um 8,3 Prozent zu, bei Kunden mit einem Jahresvertragsvolumen von mehr als 200.000 Euro waren es sogar 11 Prozent. Auch die KI-Integration nimmt Fahrt auf, allein im Juni wurden über 500.000 Support-Sitzungen automatisiert abgewickelt. Am Markt kommt das an: Gleich vier Analystenhäuser hoben nach den Zahlen ihre Kursziele an, angeführt von der DZ Bank mit einem neuen Ziel von 9 Euro und einer klaren Kaufempfehlung. Auch Deutsche Bank, J.P. Morgan und Berenberg zeigten sich überwiegend zufrieden mit der Entwicklung im Großkundengeschäft. Für zusätzliche Fantasie sorgt das Geschäft rund um die AR-Lösung Frontline, die zunehmend mit KI-Workflows verzahnt wird. Referenzkunden wie DHL und Airbus setzen die Technologie bereits produktiv ein, etwa bei der Kommissionierung und Wartung, und berichten von spürbaren Zeitersparnissen. Der Umsatz aus solchen Projekten kommt zwar eher schrittweise, dafür aber mit steigenden Margen, weil Lizenzumsätze Jahr für Jahr wiederkehren. Genau diese Bausteine sind es, die dem Management Rückenwind für die angekündigte Wachstumsbeschleunigung im zweiten Halbjahr geben dürften.

Charttechnik
Der Chart sieht ansprechend aus. Die Aktie hat sich klar über ihren 200er SMA geschoben und dabei sogar ein Golden Cross ausgebildet. Das ist ein typisches Kaufsignal. Als nächstes Etappenziel rückt die Marke von 8 Euro in den Fokus, genau dort, wo im Oktober 2025 der Absturz seinen Anfang nahm. Der RSI notiert mit rund 72 zwar schon in überkauftem Terrain, bei einem derart starken Momentum muss das aber noch keine Bremse sein, solche Phasen können durchaus eine Weile anhalten. Es könnte als tatsächlich Richtung 9 Euro, wie es die DZ-Bank sieht, laufen.
Was tun?
Operativ macht TeamViewer Fortschritte, vor allem im margenstärkeren Großkundengeschäft, und die bestätigte Jahresprognose gibt zusätzlich Sicherheit. Charttechnisch untermauert das Golden Cross die Erholung, auch wenn der erhöhte RSI zu etwas Vorsicht mahnt und kurzfristige Rücksetzer jederzeit möglich sind. Wer an die Wachstumsstory im Enterprise-Geschäft glaubt, findet hier einen aussichtsreichen Titel, sollte die kommenden Quartalszahlen als Bestätigung aber im Blick behalten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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