ZÜRICH (dpa-AFX) - Der Schweizer Versicherer Zurich wächst und treibt seinen Gewinn weiter in die Höhe. Rückenwind erhält der Konzern vom Bauboom bei Datenzentren und Energieinfrastruktur sowie von Vorsorgeprodukten. Den nächsten Wachstumsschritt will Konzernchef Mario Greco mit der geplanten Übernahme des britischen Spezialversicherers Beazley machen.
An der Börse in Zürich wurden die Nachrichten dennoch mit Kursverlusten quittiert. Die Zurich-Aktie verlor bis zum Donnerstagnachmittag rund zweieinhalb Prozent und war damit größter Verlierer im Schweizer Leitindex SMI . Im bisherigen Jahresverlauf hat das Papier nun fast zwei Prozent eingebüßt.
Die Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 fielen erneut stark aus: Von einem Rekordniveau aus kletterte der Betriebsgewinn der Zurich um weitere 13 Prozent auf knapp 4,8 Milliarden US-Dollar (4,2 Mrd Euro). Der Reingewinn wuchs um 14 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.
Dazu trug besonders das beschleunigte Wachstum in lukrativen Geschäftsbereichen bei. So legte der Konzern in der Spezialversicherung um acht Prozent zu, im Geschäft mit mittelgroßen Unternehmen um sieben Prozent und beim Verkauf von Vorsorgeprodukten um zehn Prozent.
Der Bau von Datenzentren und Energieinfrastruktur sorgte für eine hohe Nachfrage nach Versicherungsschutz. Das Geschäft mit Bauversicherungen wuchs um 18 Prozent. Dieses Wachstum sei nicht nur auf Projekte in den USA zurückzuführen, sagte Konzernchef Greco. Zurich wachse in diesem Geschäft zunehmend auch in Europa und Lateinamerika.
In der Lebensversicherung entwickelte sich der Absatz von Vorsorgeprodukten ebenfalls erfreulich. Vor allem in Europa, Lateinamerika und Asien verzeichnete die Gruppe Zuwächse. Größere Firmen schließen etwa für ihre Beschäftigten Lebensversicherungen ab. Auch mit fondsgebundenen Produkten setzte der Konzern mehr um.
Mit Blick auf die bis zum Jahr 2027 gesetzten Ziele sieht Greco den Konzern auf Kurs. Zur Halbzeit des Strategiezyklus liege die Zurich bei allen Zielgrößen über Plan. So erreichte die bereinigte Eigenkapitalrendite 27,1 Prozent und lag damit deutlich über dem Zielwert von mindestens 23 Prozent.
In der nächsten Dreijahresperiode dürfte auch die geplante Übernahme von Beazley eine wichtige Rolle spielen. Mit dem britischen Versicherer will Zurich das hauseigene Spezialversicherungsgeschäft deutlich ausbauen und die eigene Position in Bereichen wie Cyber, Infrastruktur und erneuerbare Energien stärken.
Die ausstehenden behördlichen Genehmigungen erwartet Greco in den kommenden Monaten. Der Abschluss der rund 11 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme werde weiterhin für dieses Jahr angestrebt, sagte er.
In der Schweiz läuft gegen die Zurich Lebensversicherungs-Gesellschaft ein Verfahren der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht. Der Versicherer habe darauf mit "allen notwendigen Schritten" reagiert, betonte Greco. Das Management sei neu aufgestellt sowie die betroffenen Systeme überprüft und gezielt angepasst worden. Er hoffe, dass die Finma dies entsprechend würdige.
Das Verfahren richtet sich gegen die Schweizer Leben-Einheit der Zurich. Hintergrund sind mutmaßliche Verstöße gegen regulatorische Vorgaben im Geschäft mit der beruflichen Vorsorge über mehrere Jahre. Im Fokus steht die Zusammenarbeit mit der Sammelstiftung Vita, die vom Verfahren nicht direkt betroffen ist./mk/ra/AWP/stw/mis




