BERLIN (dpa-AFX) - Der Terrorismus-Experte Peter Neumann sieht Deutschland bei der Drohnenabwehr nicht gut aufgestellt. "Wir sprechen da seit Jahren drüber, und wirklich passiert ist eigentlich nichts", sagte der Experte vom King's College in London im ZDF-"Heute Journal" nach der Entdeckung einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen. "Da muss unglaublich viel geschehen: bei Systemen zur Drohnenabwehr, Drohnenerkennung, bei dem Kompetenzwirrwarr, das es nach wie vor gibt, bei der Schaffung eines einheitlichen rechtlichen Rahmens."
Falls tatsächlich Russland dahinterstecke, müsse Deutschland dann natürlich eine Botschaft senden. "Eine Botschaft, die nicht so eine Überreaktion ist, dass man dadurch in den Krieg hineingezogen wird, aber die eben auch nicht Schwäche signalisiert. Also gar nichts zu tun, das würde von (Präsident Wladimir) Putin so interpretiert, als wäre es möglich, so eine Art von Angriff zu machen und es passiert nichts", erklärte Neumann. Deutschland müsse genau den richtigen kommunikativen, strategischen Punkt finden. "Und das ist die große Herausforderung für die Bundesregierung. Denn sonst funktioniert die Abschreckung nicht."
Am Flughafen Leipzig/Halle war am späten Mittwochabend in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne entdeckt und von einem Mitarbeiter zum Absturz gebracht worden. Ein infolge der Sperrung kurz danach durchstartendes Flugzeug kollidierte mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt, möglicherweise einer zweiten Drohne. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einem hybriden Anschlagsszenario, das auf hochprofessionelle Täter zurückgeht. Er schließt "fremde Mächte" als Drahtzieher nicht aus./and/DP/he
