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Graphen wird seit seiner Entdeckung vor gut 20 Jahren als "Supermaterial" bezeichnet. Kaum ein anderer Werkstoff wurde mit ähnlich großen Erwartungen verbunden. Seine außergewöhnlichen mechanischen, elektrischen und chemischen Eigenschaften sollten Batterien leistungsfähiger, Verbundwerkstoffe leichter und industrielle Materialien widerstandsfähiger machen.
Der große kommerzielle Durchbruch ließ jedoch lange auf sich warten. Nach Ansicht von Nick O'Loughlin, Managing Director von Sparc Technologies (ISIN: AU0000115750), verändert sich die Situation inzwischen. In einem aktuellen Videointerview spricht der Unternehmenschef von einem Wendepunkt, den Sparc insbesondere während der vergangenen 12 bis 18 Monate beobachtet habe.
"Wir haben definitiv das Gefühl, dass wir in den vergangenen 12 bis 18 Monaten einen Wendepunkt erreicht haben", sagt O'Loughlin. Immer mehr Unternehmen würden graphenverstärkte Materialien kommerzialisieren - und genau diese Fortschritte sorgten wiederum für neues Interesse am gesamten Sektor.
Auf den ersten Graphen-Hype folgte die schwierige Realität
Die Ausgangslage klang zunächst geradezu ideal. Graphen besteht aus reinem Kohlenstoff, dessen Atome in einer zweidimensionalen hexagonalen Struktur angeordnet sind. Seine besonderen Eigenschaften machten den Werkstoff unmittelbar nach seiner Isolierung zu einem der bekanntesten neuen Materialien der vergangenen Jahrzehnte.
Doch zwischen einem außergewöhnlichen Material im Labor und einem industriell nutzbaren Produkt liegt ein großer Unterschied.
"Seit seiner Entdeckung wurde Graphen immer wieder als Supermaterial bezeichnet", sagt O'Loughlin. Gleichzeitig räumt er ein: "Es war aus verschiedenen Gründen ein schwieriges Material zu kommerzialisieren."
Der Sparc-Chef spricht sogar von mehreren "Hypezyklen", die der Markt seit der Entdeckung durchlaufen habe. Große Erwartungen trafen immer wieder auf die Schwierigkeiten industrieller Anwendung. Ein entscheidendes Problem: Graphen ist keineswegs immer dasselbe Material.
"Graphen ist keine Einheitslösung"
Genau diese Erkenntnis betrachtet O'Loughlin heute als einen wichtigen Grund dafür, warum die kommerzielle Nutzung Fortschritte macht.
"Graphen ist kein Material nach dem Prinzip 'One size fits all'", erklärt er. Vielmehr müsse das jeweilige Material "für die konkrete Endanwendung richtig verstanden, ausgewählt und charakterisiert werden".
Unter dem Begriff Graphen werden in der Industrie zahlreiche Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften angeboten. Herstellungsverfahren, Struktur und Qualität unterscheiden sich. Ein Material, das für eine bestimmte Anwendung funktioniert, muss deshalb nicht automatisch für eine andere geeignet sein.
Nach Einschätzung O'Loughlins hat die Branche in den vergangenen Jahren genau an diesem Punkt dazugelernt. "Die Herstellungsverfahren werden nicht nur vielfältiger, sondern auch besser und konsistenter", sagt er. Gleichzeitig hätten Unternehmen, die Graphen in industrielle Materialien integrieren, ein besseres Verständnis dafür entwickelt, welche Qualität sie für welche Aufgabe benötigen.
Damit verschiebt sich auch die Diskussion. Entscheidend ist nicht mehr allein, welche spektakulären Eigenschaften Graphen theoretisch besitzt. Entscheidend ist, welche Variante innerhalb eines konkreten Produkts zuverlässig funktioniert.
Warum Sparc selbst kein Graphen produziert
Diese Erkenntnis prägt auch das Geschäftsmodell von Sparc Technologies. Anders als verschiedene andere Unternehmen im Graphen-Sektor produziert Sparc das Ausgangsmaterial bewusst nicht selbst.
"Sparc hat kein Graphen produziert und produziert auch heute kein Graphen selbst", erklärt O'Loughlin. Stattdessen arbeitet das Unternehmen mit unterschiedlichen Lieferquellen und integriert ausgewählte Materialien in industrielle Anwendungen.
Das wichtigste Beispiel ist ecosparc, Sparcs Graphen-Additiv für Schutzbeschichtungen. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Verbesserung des Korrosionsschutzes.
Die Entscheidung gegen eine eigene Graphenproduktion fiel laut O'Loughlin bereits bei der Gründung des Geschäftsbereichs. Der Grund folgt unmittelbar aus den Erfahrungen mit dem Material: Würde Sparc ausschließlich das eigene Graphen einsetzen, müsste dieses Material für sämtliche Anwendungen geeignet sein.
O'Loughlin sieht genau darin eine Einschränkung.
"Indem wir unabhängig und flexibel darin bleiben, woher wir unser Graphen beziehen, glauben wir, die besten Chancen zu haben, für jede Aufgabe das beste Material einzusetzen."
Korrosionsschutz benötigt anderes Graphen als leitfähige Beschichtungen
Wie wichtig diese Flexibilität sein kann, zeigt ein zweiter Anwendungsbereich von Sparc. Neben Schutzbeschichtungen arbeitet das Unternehmen auch an elektrostatisch ableitfähigen und elektrisch leitfähigen Beschichtungen.
Dort setzt Sparc nach Aussage des CEO teilweise andere Graphenquellen ein als bei ecosparc.
"Bei elektrostatischen und leitfähigen Beschichtungen arbeiten wir mit anderen Graphenquellen als bei Schutzbeschichtungen", sagt O'Loughlin.
Damit wird aus der Beschaffungsstrategie ein wesentlicher Teil des technologischen Ansatzes. Sparc will nicht ein vorhandenes Material möglichst vielen Anwendungen aufzwingen. Stattdessen beginnt die Entwicklung mit der gewünschten Funktion und sucht anschließend nach der passenden Graphenqualität.
"Am Ende kommt es darauf an, dass Graphen passend für die Aufgabe ausgewählt wird, die es erfüllen soll", fasst der CEO zusammen.
Der Graphen-Markt wird erwachsener
Genau darin könnte auch der von O'Loughlin beschriebene Wendepunkt liegen. Die erste Graphen-Euphorie wurde vor allem durch die außergewöhnlichen Eigenschaften des Materials getragen. Die aktuelle Phase wird dagegen zunehmend von industrieller Erfahrung geprägt.
Herstellungsprozesse werden konsistenter. Entwickler verstehen besser, welche Graphenvarianten für welche Anwendungen geeignet sind. Und aus wissenschaftlichen Projekten entstehen zunehmend konkrete Materialien und Produkte.
Für Sparc Technologies ist diese Entwicklung besonders relevant. Das Unternehmen setzt nicht darauf, selbst möglichst große Mengen Graphen zu produzieren. Sein Geschäftsmodell beginnt einen Schritt später: beim Auswahlprozess und bei der Frage, wie sich die jeweils passende Graphenqualität in ein bestehendes Industrieprodukt integrieren lässt.
Nach mehr als 20 Jahren Graphen-Forschung könnte genau diese pragmatische Herangehensweise eine entscheidende Veränderung des Marktes markieren. Oder, wie O'Loughlin es beschreibt: Die Branche lernt zunehmend, dass Graphen kein universelles Wundermittel ist. Erst wenn das richtige Material für die richtige Aufgabe ausgewählt wird, kann aus dem viel zitierten "Supermaterial" tatsächlich ein Industrieprodukt werden.
Quellen:
Interview zwischen der Dr. Reuter Investor Relations GmbH und Nick O'Loughling, dem CEO von Sparc Technologies.
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Sparc Technologies Limited
Land: Australien
ISIN: AU0000115750
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Enthaltene Werte: AU0000115750
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