GARCHING (dpa-AFX) - Die Deutsche Pfandbriefbank sieht ein Jahr nach ihrem Ausstieg aus dem US-Geschäft Licht am Ende des Tunnels. Der Abbau der Gewerbeimmobilien-Kredite aus den Vereinigten Staaten komme schneller voran als gedacht, erklärte Vorstandschef Kay Wolf am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalsbilanz in Garching bei München. Doch die schwankenden Zinsen hielten manche Investoren von neuen Deals in Europa ab. Trotzdem sieht Wolf die Pfandbriefbank auf dem Weg zu ihren Zielen für 2026 und darüber hinaus. An der Börse kamen die Neuigkeiten gut an.
Die Aktie der Pfandbriefbank gewann bis zum späten Vormittag mehr als zwei Prozent auf 3,596 Euro und gehörte damit zu den stärkeren Titeln im Kleinwerte-Index SDax . Im Vergleich zum Jahreswechsel steht damit aber immer noch ein Kursverlust von rund 15 Prozent zu Buche. In den vergangenen drei Jahren hat die Bank rund die Hälfte ihres Börsenwerts eingebüßt.
Wolf hatte die Führung des Instituts Anfang 2024 von dem langjährigen Vorstandschef Andreas Arndt übernommen. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich schon ab, dass die Bank in den USA mit herben Kreditausfällen zu kämpfen hatte. Arndt stellte das US-Geschäft auf den Prüfstand und entschied sich schließlich, das Institut ganz auf Europa auszurichten. Die Abschreibungen auf die Altlasten brockten der Pfandbriefbank im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von 284 Millionen Euro ein.
Jetzt aber komme die Trennung von den Altkrediten voran, sagte Wolf. Von etwa 900 Millionen Euro seien die US-Kreditbestände zur Jahresmitte auf rund 500 Millionen geschrumpft. Das Ziel, den Bestand bis Ende des Jahres auf 400 Millionen zu senken, werde daher voraussichtlich früher erreicht.
Weil auch das Neugeschäft anzieht, zeigte sich Wolf zuversichtlich, in diesem Jahr wie geplant einen Vorsteuergewinn von 30 bis 40 Millionen Euro zu erzielen. Die Zuversicht gelte auch für das Renditeziel, das er im Februar um ein Jahr auf 2028 verschoben hatte. Im ersten Halbjahr waren es 16 Millionen Euro.
Bis dahin sollen die Erträge der Bank um rund die Hälfte auf etwa 600 Millionen Euro steigen. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital der Bank soll dann acht Prozent erreichen. Im vergangenen Jahr hatte sie wegen des hohen Verlusts bei minus 10,6 Prozent gelegen.
Im zweiten Quartal verdiente der Gewerbeimmobilien-Finanzierer vor Steuern und unter dem Strich 10 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte die Bank einen Nettoverlust von 266 Millionen verbucht, weil der Abschied aus dem verlustreichen Geschäft in den USA mit hohen Abschreibungen auf Immobilienkredite einherging. Im zweiten Quartal schlug sich der Wegfall des US-Geschäfts erneut in den Zinseinnahmen nieder: Der Zinsüberschuss schrumpfte im Jahresvergleich von 104 auf 81 Millionen Euro. Allerdings fielen keine weiteren Risikokosten in den USA an. So legte die Bank insgesamt elf Millionen Euro für drohende Kreditausfälle zurück.
"Die Geschäftsentwicklung in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres zeigt, dass die Transformation der Bank auf einem guten Weg ist", sagte Wolf. "Unser Neugeschäft wächst weiter deutlich und profitabel."
Im ersten Halbjahr summierte sich das Neugeschäft in der Gewerbeimmobilien-Finanzierung auf 3,1 Milliarden Euro, 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Gesamtjahr sollen es weiterhin 7,5 bis 8,5 Milliarden Euro werden, und die operativen Erträge sollen 375 bis 425 Millionen Euro erreichen.
Der Aufschwung dürfte indes nicht linear verlaufen - auch wegen der schwankenden Zinsen. Wolf berichtete aus Gesprächen mit Kunden, die geplante Projekte möglicherweise verschieben wollen. "Der weitere Verlauf bleibt auch für den Gewerbeimmobilienmarkt daher schwer zu prognostizieren", sagte Wolf.
Der Manager möchte die Bank weg vom Schwerpunkt Büroimmobilien stärker auf die Finanzierung von Rechenzentren, Studentenwohnungen und Seniorenheimen ausrichten. Allerdings geht die Bank das Geschäft mit Rechenzentren bisher nur vorsichtig an, wie Wolf auf Nachfrage einräumte./stw/jsl/jha/




