DJ MARKT-AUSBLICK/Berichtssaison als Stütze weg - Konjunktur legt zu
DOW JONES--Eine interessante Woche steht DAX & Co. bevor. Denn die üblichen Impulsgeber fallen langsam weg. Die Berichtssaison läuft aus und beim USA-Iran-Krieg scheint man sich auf einen Patt einzustellen. Die jüngsten Aussagen von US-Präsident Donald Trump, man habe eh nur "halbherzig" verhandelt, werden vom Markt als Mischung aus Resignation und Planlosigkeit aufgefasst. Mit Brent-Öl-Preisen um 90 Dollar bewegen sich die Märkte daher genau in der Mitte einer Handelsspanne von Preisausschlägen für eine gute oder eine schlechte Lösung des Konflikts.
An allen Märkten dominiert daher das Einpreisen von Sicherheitszuschlägen und Risikoprämien. Deutlich sichtbar wurde das nach den etwas entspannteren US-Inflationsdaten: Die Renditen der US-Staatsanleihen kamen auch danach kaum zurück. Mit 4,66 Prozent notieren die zehnjährigen US-Staatsanleihen weiter nur knapp unter Jahreshoch. Damit drücken die Märkte ihre Zweifel an der Kommunikationspolitik des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh aus.
Denn ohne die frühere "Forward Guidance" und gleichzeitig ohne ein bisheriges Zeichen, dass seinen Willen zur Inflationsbekämpfung unterstreicht, sind sich die Märkte selbst überlassen. Entsprechend steigen die Risikoaufschläge je länger die Laufzeit der Anleihen ist.
Bisher konnten sich Marktteilnehmer dem Thema entziehen, indem sie auf die sehr viel bessere Berichtssaison verwiesen. Ab kommender Woche fällt dies weg.
Starke Berichtssaison schwindet als Stütze - Konjunktur kommt
Dazu sei die jüngste Berichtssaison zwar deutlich besser ausgefallen als erwartet. In den USA erreichten Umsatz- und Gewinnwachstum im zweiten Quartal außergewöhnlich hohe Werte, auch Europa zeigte eine starke Ergebnisentwicklung. Gleichzeitig ist aber sichtbar geworden, dass der Aufschwung nicht aus einer breit angelegten Makrodynamik entstanden ist, sondern nur aus einzelnen Sektoren und Geschäftsmodellen stammte, betonen Ingo Koczwara und John Petersen, Portfoliomanager vom Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz.
Hier gibt es erste Hoffnungszeichen selbst für Deutschland, dass die Stimmung schlechter ist als die Lage. Konjunktur-Indikatoren wie der dritte Anstieg in Folge beim Sentix-Index deuteten im Wochenverlauf auf eine breite Verbesserung der Wirtschaftslage hin. Andere Beobachtungen wie beispielsweise der Anstieg der Frachtraten und des Transportvolumens auf der wichtigen Strecke Shanghai-New York bei der Container-Reederei Moeller-Maersk zeigen, dass sich die internationale Nachfrage zu beleben scheint.
Inflation wird schöngeredet - Fed drückt sich vor Zinserhöhung
Die offene Flanke bleibt aber die Entwicklung der Inflation: Besonders in den USA redet man sich die Lage schön, indem der Anstieg der Verbraucherpreise von 3,4 Prozent im Juli als "wie erwartet" hingestellt wird. Allerdings liegt dies nicht nur massiv über dem Inflationsziel der Fed von 2 Prozent, sondern enthält auch noch gar nicht die wichtigsten Preistreiber.
Denn Volkswirte wie von der Helaba weisen darauf hin, dass der Schwerpunkt der Datenerhebung in der vorderen Juli-Hälfte lag, und noch gar nicht den rapiden Anstieg der Benzinpreise in den USA enthielt. Die Helaba-Experten erwarten daher im August einen deutlichen Anstieg der US-Verbraucherpreise.
Sollte die US-Notenbank dann trotzdem die Zinsen nicht erhöhen, beispielsweise wegen der erwarteten Begründung, man reagiere "nicht nur auf einen einzigen Datenpunkt", könnte das Mißtrauen an den Märkten hochschnellen. Strategen erwarten gerade bei einer "Tatenlosigkeit" der Fed einen kräftigen Anstieg der langfristigen Zinsen.
Sehr wichtig dürfte daher am kommenden Mittwoch das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung vom 28. und 29. Juli werden. Die Märkte dürften jedem noch so kleinen Hinweis auf die Zinspolitik nachspüren. Dazu rücken wieder Konjunkturdaten in den Mittelpunkt. Höhepunkt sind am Freitag die neuen Einkaufsmanager-Indizes (PMI) rund um den Globus.
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August 14, 2026 05:42 ET (09:42 GMT)
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