DJ KONJUNKTUR IM BLICK/ZEW-Index und deutsche PMIs bleiben im Vorwärtsgang
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Man weiß derzeit nicht: Ist die Stimmung in Europa derzeit besser als die Lage in der Wirtschaft oder umgekehrt? Sicher ist: Die Lage ist besser als man im Winter zu Beginn des Iran-Kriegs gedacht hätte und die Stimmung ist besser, als man angesichts der Bedrohungen durch anhaltende Ölverknappung und Lieferkettenstörungen denken sollte. Bezüglich der Stimmung wird in der vor uns liegenden Woche der ZEW-Index neue Einblicke ermöglichen, bezüglich der Wirtschaftslage werden es die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) sein. Ansonsten stehen in der Woche das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das zweite Quartal und das Protokoll der FOMC-Sitzung vom 28./29. Juli an.
ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen im August
Die Erwartungen von Investoren für die Konjunktur in Deutschland dürften sich im August erneut etwas aufgehellt haben. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der Konjunkturerwartungen auf 30,0 (Juli: 26,3) Punkte gestiegen ist. Bereits zuvor hatte der ZEW-Index drei Mal in Folge zugelegt, seit Juni notiert er in positivem Terrain. Die Zahlen werden am Dienstag (11.00 Uhr) veröffentlicht.
Europas Einkaufsmanagerindizes im August uneinheitlich
Europas Einkaufsmanagerindizes (PMIs) dürften im August nach zuletzt zwei Anstiegen in Folge uneinheitlich tendiert haben. Von Dow Jones Newswires befragte rechnen damit, dass der im verarbeitenden Gewerbe des Euroraums erhobene PMI auf 51,6 (Juli: 51,9) Punkte gesunken ist und der Dienstleistungs-PMI bei 51,7 stagnierte. Die Indizes würden damit auf ein anhaltendes Wirtschaftswachstum hindeuten. Für Deutschland werden dagegen höhere PMI-Werte von 52,5 (52,2) und 50,2 (49,8) prognostiziert.
Eine gewisse Rolle haben bei dieser jüngsten Entwicklung die steigenden Lieferfristen gespielt, die nach der Logik der PMI-Umfragen als ein positives Konjunktursignal interpretiert werden - eigentlich aber Ausdruck von Lieferkettenstörungen sind. Die Daten kommen am Freitag ab 9.30 Uhr. Die Woche startet am Montag (1.50 Uhr) mit japanischen BIP-Daten.
Japans BIP-Wachstum im zweiten Quartal konstant
Die japanische Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal 2026 mit konstantem Tempo gewachsen sein. Ökonomen erwarten ein Wachstum des BIP von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal, nachdem bereits im ersten Quartal noch ein Plus von 0,5 Prozent zu Buche gestanden hatte. Belastet wird die Dynamik vor allem durch gestiegene Energie- und Rohstoffkosten infolge geopolitischer Spannungen sowie den anhaltenden Kaufkraftverlust der Verbraucher durch die von der Yen-Schwäche getriebene Inflation.
Zudem sorgen logistische Engpässe und die vorsorgliche Aufstockung von Vorräten für Druck auf die Unternehmen. Vor einem tieferen Einbruch schützen jedoch ein weiterhin robuster Arbeitsmarkt und solide Unternehmensinvestitionen, insbesondere in Halbleiter, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.
Fed legt Sitzungsprotokoll vor
Bei der Vorlage des Protokolls der FOMC-Sitzung vom 28. und 29. Juli erhoffen sich Anleger Einblicke in die inneren Spannungen des Rats. Im Zentrum dürfte die historische Uneinigkeit innerhalb des Rats stehen: Erstmals seit 2016 stimmten mit Beth Hammack (Cleveland), Lorie Logan (Dallas) und Neel Kashkari (Minneapolis) gleich drei Ratsmitglieder gegen das Mehrheitsvotum und plädierten für Zinserhöhung auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Das Protokoll dürfte offenlegen, wie die Abweichler ihre Sorgen begründen, insbesondere über die Inflation, die seit fünf Jahren über dem Zielwert von 2 Prozent verharrt. Insgesamt dürfte das Dokument das Bild einer Notenbank zeichnen, die an einem Wendepunkt steht und in einem zusehends politisierten und von Inflationstreibern geprägten Umfeld um den richtigen Kurs ringt.
Weitere Daten betreffen die US-Importpreise (Dienstag, 14.30 Uhr) und die US-Industrieproduktion (Dienstag, 15.15 Uhr), den Philly-Fed-Index (Donnerstag, 14.30 Uhr) sowie das Verbrauchervertrauen im Euroraum (Freitag, 16.00 Uhr). Am Donnerstag (3.00 Uhr) informiert die chinesische Zentralbank über die Referenzsätze für Unternehmenskredite.
Mitarbeit: Andreas Plecko
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/apo/kla
(END) Dow Jones Newswires
August 14, 2026 09:31 ET (13:31 GMT)
Copyright (c) 2026 Dow Jones & Company, Inc.
