Wachsender Bedarf bei KI-Infrastruktur
Die Hotstocks der vergangenen Woche stammen aus den Sektoren Computer Hardware und Communication Equipment. Darüber hinaus haben sie gemeinsam, dass sie vom rasanten Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz profitieren. Auffällig ist dabei, dass es längst nicht mehr nur um die großen Entwickler von KI-Modellen oder die bekannten Chiphersteller geht. Die nächste Welle des KI-Booms erreicht zunehmend die Unternehmen, die im Hintergrund die notwendige Infrastruktur liefern: Server, Netzwerke und Speicher. Moderne KI-Anwendungen benötigen enorme Rechenleistung. Dafür werden immer mehr Hochleistungsserver mit speziellen KI-Beschleunigern gebaut. Doch die Rechner allein reichen nicht aus. Tausende Prozessoren müssen innerhalb eines Rechenzentrums mit höchster Geschwindigkeit miteinander kommunizieren. Damit steigt die Nachfrage nach leistungsfähiger Netzwerktechnik und schnellen Datenverbindungen. Gleichzeitig wachsen die Datenmengen explosionsartig - und damit der Bedarf an Flash-Speichern und SSDs. Genau diese drei Bereiche bilden inzwischen eine Art Rückgrat des KI-Booms: Rechenleistung, Datenverkehr und Datenspeicherung. Der gemeinsame Nenner der aktuellen Börsenstars ist deshalb der massive Investitionsschub der großen Cloud- und Technologiekonzerne. Sie bauen weltweit neue Rechenzentren und investieren dafür Hunderte Milliarden Dollar. Davon profitieren nicht nur die Hersteller der KI-Chips, sondern eine immer breitere Lieferkette. Vereinfacht gesagt: Je mehr KI-Modelle trainiert und betrieben werden, desto mehr Server werden benötigt; je mehr Server miteinander arbeiten, desto leistungsfähiger müssen die Netzwerke werden; und je mehr Daten verarbeitet werden, desto größer wird der Speicherbedarf. Für Anleger ist das interessant, weil man damit nicht unbedingt darauf wetten muss, welches KI-Modell oder welcher Anbieter am Ende gewinnt. Wer die Infrastruktur für den gesamten Markt liefert, kann auch dann profitieren, wenn sich die Kräfteverhältnisse bei der eigentlichen KI-Software noch mehrfach verändern. Allerdings ist die Geschichte nicht ohne Risiko. Die Börse hat den Trend längst entdeckt, und manche Kurse haben die Erwartungen an das zukünftige Wachstum bereits sehr weit vorweggenommen. Besonders der Speichermarkt ist zudem ausgesprochen zyklisch: Auf Engpässe und steigende Preise können irgendwann Überkapazitäten und fallende Margen folgen. Trotzdem zeigt die Entwicklung der vergangenen Woche einen wichtigen Trend: Der KI-Boom wird breiter. Aus einer Technologie-Story wird zunehmend ein gigantischer Infrastrukturzyklus. Die entscheidende Frage für Anleger lautet daher nicht mehr nur: "Wer baut die beste KI?" Sondern auch: "Wer verdient am Bau der Maschinen, Netzwerke und Speicher, auf denen die KI überhaupt laufen kann?"
Dell Technologies Inc. (DELL) - ISIN US2487524XXX

Dell geht auf Michael Dells 1984 gegründetes PC-Unternehmen zurück und entwickelte sich über Server und Unternehmens-IT zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern, wobei die Übernahme von EMC 2016 den Bereich Storage und Infrastruktur massiv erweiterte. Heute reicht das Portfolio von PCs und Workstations über Server, Storage und Netzwerktechnik bis hin zu kompletten KI-Infrastrukturlösungen, wobei insbesondere die AI-optimierten Server zum Wachstumsmotor geworden sind. Strategisch positioniert sich Dell als Anbieter einer möglichst vollständigen KI-Infrastruktur und baut dabei auch auf die enge Zusammenarbeit mit NVIDIA; für das Geschäftsjahr 2027 wurde die Erwartung für den Umsatz mit AI-Servern zuletzt auf rund 60 Milliarden USD angehoben. Entsprechend dynamisch entwickeln sich die Gewinne: Im Geschäftsjahr 2026 stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 113.5 Milliarden USD, während der operative Gewinn um 27 Prozent auf einen Rekordwert von 7.1 Milliarden USD zulegte; im ersten Quartal 2027 beschleunigte sich das Geschäft mit AI-Servern nochmals deutlich. Die Aktie konnte im vergangenen Haljahr 323 Prozent zulegen und befindet sich in einem Aufwärtstrend. Der weite Abstand zum 50er-EMA deutet allerdings auf eine überkaufte Situation hin.
Hewlett Packard Enterprise Co. (HPE) - ISIN US42824C1099

Die Wurzeln von HPE reichen bis zur legendären Gründung von Hewlett-Packard durch Bill Hewlett und Dave Packard in einer Palo-Alto-Garage im Jahr 1939 zurück; als eigenständiges Unternehmen entstand HPE allerdings erst 2015 durch die Aufspaltung von HP. Das heutige Portfolio konzentriert sich auf Unternehmens-IT und umfasst Server, Storage, Hybrid Cloud, Supercomputing, KI-Systeme sowie Netzwerktechnik und Security - Letzteres wurde durch die Übernahme von Juniper Networks nochmals erheblich verstärkt. Die Strategie zielt deshalb zunehmend auf eine integrierte Kombination aus KI, Netzwerk und Hybrid Cloud, wobei gerade die Vernetzung von Rechenzentren zu einem wichtigen Wachstumspfeiler geworden ist. Die Ertragsentwicklung zeigt bereits deutliche Spuren dieses Kurswechsels: Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Umsatz im Networking-Geschäft 2.7 Milliarden USD und lag damit 148.2 Prozent über dem Vorjahreswert, während HPE insgesamt von einer kräftigen Nachfrage nach KI- und Infrastrukturprodukten profitierte. Das Halbjahresplus liegt bei 164 Prozent. Nach dem Doppeltop bei 64 USD deutet sich zunächst ein Rückgang zum 20er-EMA, von wo sich neue Long Setups ergeben könnten.
Arista Networks Inc. (ANET) - ISIN US0404131XXX

Arista entstand aus Arastra, das 2004 gegründet wurde, und entwickelte sich ab 2008 mit dem eigenen Betriebssystem EOS und leistungsfähigen Ethernet-Switches zu einem Spezialisten für hochskalierbare Datacenter-Netzwerke; 2014 folgte der Börsengang. Das Unternehmen konzentriert sich wesentlich stärker als Dell oder HPE auf Netzwerke und Software - insbesondere Switches, Routing, CloudVision und Sicherheitslösungen für Cloud-Rechenzentren, Unternehmen und inzwischen auch große KI-Cluster. Im Zentrum der aktuellen Strategie steht die Beherrschung der immer höheren Bandbreiten- und Latenzanforderungen von Cloud Computing und KI, weshalb Arista neue Hochgeschwindigkeitsarchitekturen entwickelt und seine Position bei den großen Cloud- und KI-Anbietern ausbaut. Finanziell ist Arista dabei der auffälligste Wachstums- und Margenwert dieser vier Unternehmen: 2025 stieg der Umsatz um 28.6 Prozent auf 9.0 Milliarden US-Dollar und der GAAP-Gewinn um rund 23 Prozent auf 3.51 Milliarden USD, während im zweiten Quartal 2026 der Umsatz nochmals um 37.7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte und die operative GAAP-Marge 45.4 Prozent erreichte. In einem intakten Aufwärtstrend liegt das Halbjahresplus bei 42 Prozent. Der Kurs ist derzeit unterewegs Richtung 20er-EMA, wo wir auf neue Long Setups warten könnten.
SanDisk Corp. (SNDK) - ISIN US7960508882

SanDisk wurde 1988 als SunDisk gegründet und machte sich zunächst mit Flash-Speicherkarten, USB-Speichern und später SSDs einen Namen; nach der Übernahme durch Western Digital 2016 wurde das Flash-Geschäft 2025 wieder als eigenständige SanDisk Corporation abgespalten. Das Portfolio besteht heute im Kern aus NAND-Flash, SSDs und Speicherlösungen für Rechenzentren, PCs, mobile Geräte und andere datenintensive Anwendungen. Besonders stark setzt SanDisk inzwischen auf Enterprise- und Datacenter-Speicher, weil KI-Systeme enorme Mengen an Daten speichern und mit sehr hoher Geschwindigkeit verarbeiten müssen. Die Gewinnentwicklung ist entsprechend spektakulär, allerdings auch deutlich zyklischer als bei den drei anderen Unternehmen: Im dritten Quartal 2026 explodierte der Umsatz auf 5.95 Milliarden USD, ein Plus von 97 Prozent gegenüber dem Vorquartal, während der GAAP-Nettogewinn 3.62 Milliarden USD erreichte und der Datacenter-Umsatz sogar um 233 Prozent zulegte.
SanDisk wurde 2016 von Western Digital übernommen und war anschließend Teil des WDC-Konzerns, bevor Western Digital das Flash-Geschäft am 21. Februar 2025 wieder als eigenständiges Unternehmen abspaltete; WDC-Aktionäre erhielten dabei für jede gehaltene WDC-Aktie ein Drittel einer SNDK-Aktie, und seit dem 24. Februar 2025 wird SanDisk wieder eigenständig an der Nasdaq gehandelt. Nach der Abspaltung entwickelte sich die Aktie im Zuge des KI- und Speicherbooms ausgesprochen dynamisch, während Western Digital seine verbliebene Beteiligung schrittweise reduzierte - im Juni 2025 etwa durch die Abgabe von 21.3 Millionen SNDK-Aktien. Im vergangenen Halbjahr gab es ein Plus von 170 Prozent. Im Juli war das Wertpapier unter die gleitenden Durchschnitte gerutscht, konnte sich zuletzt aber wieder darüber etablieren.
Tagescharts vom 14.08.2026, Quelle: TWS
Autor: Thomas Canali
Veröffentlichungsdatum: 17.08.2026
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