FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Wegen eines neuen Gesetzes streben immer mehr Unternehmen ins Scale-Segment. Dazu kommt ein Index-Plus von 12 Prozent seit Jahresanfang. Allerdings gehen die Entwicklungen einzelner Werte weiter stark auseinander.
17. August 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Wechselwelle ins Scale-Segment - Hintergrund ist das Standortfördergesetz, das "Gesetz zur Förderung privater Investitionen und des Finanzstandorts". Das erleichtert den Segmentwechsel, immer mehr Unternehmen aus dem Regulierten Markt streben daher ins Scale-Segment oder sind dort schon angekommen.
Die Entwicklung kann sich ohnehin sehen lassen. Nach einem Vierjahreshoch von 1.756 Punkten liegt der Scale All Shares-Index am Montagmittag zwar wieder bei 1.540 Punkten. Seit Jahresanfang ergibt das allerdings immer noch ein Plus von 12 Prozent. Der DAX kommt hingegen nur auf knapp 8 Prozent, MDAX und SDAX auf knapp 5 und 7 Prozent.
"Beeindruckende Stärke"
"Der Scale All Share-Index zeigt nach einer volatilen Anfangsphase zuletzt eine beeindruckende Stärke und kletterte auf neue Höchststände, was das gestiegene Interesse der Anleger widerspiegelt", kommentiert die Quirin Bank. Sie bezeichnet Scale als "etabliertes Freiverkehrssegment für Auf- und Absteiger". Als eigentlichen Katalysator für den jüngsten Boom sieht auch sie das Standortfördergesetz. Dabei entwickle sich Scale keineswegs zu einem "Sammelbecken für Unternehmen, die sich tendenziell auf dem Rückzug von der Börse befinden". Mit den Börsengängen von Unternehmen wie Gabler, SMAG oder Pfisterer habe das Segment vielmehr bewiesen, dass es eine attraktive Plattform für ambitionierte, neue Emittenten sein könne.
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Bereits ins Scale-Segment gewechselt sind die Cenit AG (DE0005407100), ecotel communication (DE0005854343), FCR Immobilien (DE000A1YC913) und PEH Wertpapier AG (DE0006201403). Angekündigt haben den Wechsel Autozulieferer Paragon (DE0005558696), Spezialchemieunternehmen H+R KGAA (DE000A2E4T77) und Pharmaunternehmen FamiCord (DE000A0BL849), zuletzt außerdem Müller Die lila Logistik (DE0006214687), die Schweizer Electronic AG (DE0005156236), Gateway Real Estate (DE000A0JJTG7) und die InTiCa Systems SE (DE0005874846).
Ölpreisprofiteur Deutsche Rohstoff
Zu den Gewinner im Segment gehört weiter Deutsche Rohstoff (DE000A0XYG76). Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Kurs mehr als verdoppelt auf aktuell 91,60 Euro. Der Ölförderer profitiert vom hohen Ölpreis, auch operativ läuft es gut. Anfang des Monats hat das Unternehmen die Prognose für 2026 und 2027 hochgesetzt. Das Analysehaus First Berlin rät weiter zum Einstieg und hat das Kursziel aufgrund des erweiterten Bohrprogramms zuletzt auf 115 Euro angehoben. MWB Research stuft die Aktie ebenfalls auf "Buy" und traut ihr sogar 128 Euro zu.
2G: Kursplus von 67 Prozent
Insgesamt gut läuft es dieses Jahr auch für 2G Energy (DE000A0HL8N9) und Cantourage (DE000A3DSV01). Die 2G-Aktie kostet Ende 2025 35 Euro, jetzt sind es 58,50 Euro. Zuletzt meldete der Hersteller von Anlagen zur dezentralen Energieversorgung einen Rekordauftragseingang für das zweite Quartal. Bei Analysehäusern ist 2G beliebt: SMC-Research, First Berlin, Warburg Research und Metzler stufen die Aktie alle auf "Kaufen" bei Kurszielen zwischen 73 und 80 Euro.
Cantourage Kursverdopplung zugetraut
Der Anbieter von medizinischem Cannabis Cantourage wird aktuell zu 5,72 Euro gehandelt, Ende 2025 waren es 3,40 Euro. "Die Quartalszahlen unterstreichen den erfolgreichen strategischen Schwenk des Managements: Weg von reinem Volumengeschäft im Niedrigpreissegment, hin zu einer nachhaltig höheren Ergebnis- und Margenqualität", erklärt das Analysehaus Montega, rät zum Kauf und nennt ein Kursziel von 10 Euro. Auch First Berlin hält die aktuelle Bewertung für zu niedrig und empfiehlt den Einstieg, das Kursziel liegt bei 11 Euro. Begrüßt wird die Einführung von 'gramz.' als erstes Eigenprodukt für den deutschen Markt.
2G Energy bleibt vorne
Umsatzspitzenreiter im Scale-Segment war im Juli erneut 2G (67 Millionen Euro). Es folgten Pfisterer (45 Millionen Euro) und Deutsche Rohstoff (32 Millionen Euro). Auf Platz vier für den Juli steht Börsenneuling SMAG (32 Millionen Euro). Auch seit Jahresanfang gerechnet steht 2G vorne, dann kommen Deutsche Rohstoff und Mensch und Maschine.
Rüstungswerte zuletzt schwach
Volatil bis angeschlagen zeigen sich hingegen die Scale-Rüstungswerte, darunter die Gabler Group (DE000A421RZ9). Der Lübecker U-Boot-Zulieferer war im März zu 44 Euro an die Börse gegangen und zwischenzeitlich auf 36 Euro zurückgefallen. Aktuell wird Gabler zu 41 Euro gehandelt. Börsenneuling SMAG Mobile Antenna Masts (DE000A42FR12), Hersteller von Funkmastsystemen, wird mit aktuell bei 27,50 Euro deutlich unter dem Ausgabepreis von 46 Euro gehandelt. Steyr Motors (AT0000A3FW25) kostet nach einem kurzen Anstieg auf 41 Euro im Juli jetzt nur noch 28 Euro - der niedrigste Stand seit vergangenem November. Auslöser für den zwischenzeitlichen Kursanstieg: eine geplante Übernahme von Steyr durch den US-Drohnenkonzern Red Cat, die sich dann aber zerschlug. Am heutigen Montag hat Steyr nun seine Prognose für 2026 erheblich reduziert und die bisherigen Mittelfristziele zurückgenommen.
Ein altes Scale-Mitglied mit neuem Namen ist die Beteiligungsgesellschaft SCP Standard Capital Partners (DE000A12UPJ7), zuvor PAL Next. Darüber hinaus will Vermögensverwalter und -berater MPC Münchmeyer Petersen Capital (DE000A1TNWJ4) ab September MPC Oceanic heißen.
Von Anna-Maria Borse 17. August 2026, Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)




