Berlin (ots) -
Seit Jahren steht die Mehrheit der Landwirte unter Druck. Luft für Investitionen etwa in Humusaufbau und besseres Wasserspeichervermögen des Bodens oder gar für das Tierwohl haben nur wenige. Genau das wäre angesichts der Klimakrise und der Erwartungen der Gesellschaft an die Bauern nötig. Der Deutsche Bauernverband fordert aber unter Berufung auf die in Teilen der Republik dramatischen Ernteausfälle Hilfen, die nicht zielgenau sind. Denn die Einbußen treffen eben bei Weitem nicht alle; zudem haben etliche Landwirte Nebeneinkünfte, etwa als Dienstleister.
Für viele ist eine akute Liquiditätshilfe freilich dringend erforderlich, unabhängig von der aktuellen Erntemenge. Denn wie Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied richtig bemerkte: Seit Jahren sind die Erzeugerpreise für Getreide, Mais, Kartoffeln, Gemüse viel zu niedrig. Zugleich stiegen die Kosten für Treibstoff, Saatgut, Düngemittel, Pachtzins und Co. teils drastisch. Inklusive der Arbeitskosten wären viele Betriebe tief im Minus, gäbe es nicht die Direktzahlungen aus Brüssel. Trotz der Beihilfen schließen jedes Jahr 3000 Betriebe ihre Tore für immer.
Um zahlungsfähig zu bleiben, brauchen Landwirte in Not tatsächlich eine frühere Auszahlung der EU-Beihilfen. Ebenso kann ihnen mehr "Düngemittelhilfe" - von der EU wegen der enormen Inflation bei mineralischen Pflanzennährstoffen beschlossen - helfen. Gerade weil immer mehr Bauern keine Tiere mehr halten. Denn Viehwirtschaft war lange ein Minusgeschäft, wogegen sich momentan etwa mit der Rinderhaltung Geld verdienen lässt.
Was auffällt: Niemand im Bauernverband fordert Auflagen für Mineralölkonzerne, etwa unter Verweis auf die in den meisten Nachbarländern immer noch viel niedrigeren Spritpreise. Und bis heute verlangt die Organisation keine Mindestpreise für Ackerfrüchte, Obst und Gemüse. Das würde die Position der Bauern gegenüber Agrarhändlern, Molkereien und vor allem gegenüber dem Einzelhandelskartell der großen Discounter stärken. Sie alle sind die eigentlichen Profiteure der Agrarsubventionen. Doch Rukwied und Co. sitzen eben bei Landhandelskonzernen, Milch- und Fleischverarbeitern in Aufsichts- und Verwaltungsräten. Sie wollen also, dass die Produkte der Bauern, deren Interessen sie eigentlich vertreten sollten, billig bleiben.
Deshalb plädieren sie auch nicht für Klimaresilienzprogramme und entsprechende Investitionsbeihilfen. Wobei sich nicht für alles ausreichend vorsorgen lässt, so für die steigenden Durchschnittstemperaturen. Außerdem zeigt sich die Klimakrise nicht nur in Extremwetterereignissen, sondern auch in wachsendem Druck auf die Erträge durch einwandernde Schadinsekten. Zugleich bestehen Zielvorgaben bei der weiteren Reduzierung des Pestizideinsatzes. Damit werden die Landwirte ziemlich alleingelassen. Die Politik scheint lieber auf das langsame Ausbluten der heimischen Landwirtschaft zugunsten billiger Importe von Getreide, Gemüse und Fleisch zu setzen. Dem Klima ist damit nicht geholfen - im Gegenteil.
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Seit Jahren steht die Mehrheit der Landwirte unter Druck. Luft für Investitionen etwa in Humusaufbau und besseres Wasserspeichervermögen des Bodens oder gar für das Tierwohl haben nur wenige. Genau das wäre angesichts der Klimakrise und der Erwartungen der Gesellschaft an die Bauern nötig. Der Deutsche Bauernverband fordert aber unter Berufung auf die in Teilen der Republik dramatischen Ernteausfälle Hilfen, die nicht zielgenau sind. Denn die Einbußen treffen eben bei Weitem nicht alle; zudem haben etliche Landwirte Nebeneinkünfte, etwa als Dienstleister.
Für viele ist eine akute Liquiditätshilfe freilich dringend erforderlich, unabhängig von der aktuellen Erntemenge. Denn wie Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied richtig bemerkte: Seit Jahren sind die Erzeugerpreise für Getreide, Mais, Kartoffeln, Gemüse viel zu niedrig. Zugleich stiegen die Kosten für Treibstoff, Saatgut, Düngemittel, Pachtzins und Co. teils drastisch. Inklusive der Arbeitskosten wären viele Betriebe tief im Minus, gäbe es nicht die Direktzahlungen aus Brüssel. Trotz der Beihilfen schließen jedes Jahr 3000 Betriebe ihre Tore für immer.
Um zahlungsfähig zu bleiben, brauchen Landwirte in Not tatsächlich eine frühere Auszahlung der EU-Beihilfen. Ebenso kann ihnen mehr "Düngemittelhilfe" - von der EU wegen der enormen Inflation bei mineralischen Pflanzennährstoffen beschlossen - helfen. Gerade weil immer mehr Bauern keine Tiere mehr halten. Denn Viehwirtschaft war lange ein Minusgeschäft, wogegen sich momentan etwa mit der Rinderhaltung Geld verdienen lässt.
Was auffällt: Niemand im Bauernverband fordert Auflagen für Mineralölkonzerne, etwa unter Verweis auf die in den meisten Nachbarländern immer noch viel niedrigeren Spritpreise. Und bis heute verlangt die Organisation keine Mindestpreise für Ackerfrüchte, Obst und Gemüse. Das würde die Position der Bauern gegenüber Agrarhändlern, Molkereien und vor allem gegenüber dem Einzelhandelskartell der großen Discounter stärken. Sie alle sind die eigentlichen Profiteure der Agrarsubventionen. Doch Rukwied und Co. sitzen eben bei Landhandelskonzernen, Milch- und Fleischverarbeitern in Aufsichts- und Verwaltungsräten. Sie wollen also, dass die Produkte der Bauern, deren Interessen sie eigentlich vertreten sollten, billig bleiben.
Deshalb plädieren sie auch nicht für Klimaresilienzprogramme und entsprechende Investitionsbeihilfen. Wobei sich nicht für alles ausreichend vorsorgen lässt, so für die steigenden Durchschnittstemperaturen. Außerdem zeigt sich die Klimakrise nicht nur in Extremwetterereignissen, sondern auch in wachsendem Druck auf die Erträge durch einwandernde Schadinsekten. Zugleich bestehen Zielvorgaben bei der weiteren Reduzierung des Pestizideinsatzes. Damit werden die Landwirte ziemlich alleingelassen. Die Politik scheint lieber auf das langsame Ausbluten der heimischen Landwirtschaft zugunsten billiger Importe von Getreide, Gemüse und Fleisch zu setzen. Dem Klima ist damit nicht geholfen - im Gegenteil.
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