Köln (ots) -
Wenn eine Krise aus den Schlagzeilen verschwindet, endet der Überlebenskampf der Menschen vor Ort nicht. Für humanitäre Helfende beginnt dann häufig erst die lange Phase des Durchhaltens: wenn Kameras weiterziehen, internationale Aufmerksamkeit nachlässt und aus dem Ausnahmezustand ein Alltag wird. Am Welttag der humanitären Hilfe erinnert Islamic Relief Deutschland deshalb an diejenigen, die bleiben - und fordert mehr Schutz und Unterstützung für humanitäre Helfende, insbesondere für lokale Mitarbeitende und Freiwillige.
Humanitäre Arbeit wird dabei immer gefährlicher. Im Jahr 2026 wurden weltweit bereits 82 humanitäre Helfende getötet, 97 verletzt und 39 entführt. Zu den besonders gefährlichen Einsatzgebieten zählen der Gazastreifen, der Sudan, der Südsudan und die Demokratische Republik Kongo. Im Gazastreifen wurden im Jahr 2025 insgesamt 186 humanitäre Helfende getötet. Im Sudan stieg die Zahl der getöteten Helfenden 2025 zum fünften Mal in Folge und erreichte mit 71 Todesfällen einen neuen Höchststand.
Besonders betroffen sind lokale Mitarbeitende. Sie tragen die größte Last der Gewalt, arbeiten in ihren eigenen Gemeinden und sind häufig selbst von den Krisen betroffen. Im Jahr 2025 waren 99 Prozent der weltweit bei gewalttätigen Vorfällen getöteten humanitären Helfenden lokale Mitarbeitende.
"Als es anfing, wollten alle Zahlen und Fotos", sagt Nada Abdulhmeed Abo Taleb, Medien- und Kommunikationskoordinatorin bei Islamic Relief Jemen. "Die Anrufe haben inzwischen aufgehört. Die Not der Familien jedoch nicht. In diesem Jahr sind es mehr als im letzten."
Wenn eine Krise aus den Nachrichten verschwindet
Für viele Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, ist die schwierigste Zeit nicht unbedingt der Moment der akuten Notsituation. Gerade dann fließen häufig große Mengen an Hilfe und internationale Aufmerksamkeit in die betroffenen Gebiete. Schwer wird es, wenn diese Aufmerksamkeit nachlässt - im achten Monat, im dritten Jahr, wenn die Krise zum Alltag geworden ist.
"Die Leute fragen, ob es schwer ist, weiterzuarbeiten, wenn niemand zusieht", sagt Shihab Mohamedali, leitender Programmmanager von Islamic Relief Sudan. "Aber wir tun das nicht, um dabei gesehen zu werden. Das hier ist meine Heimat. Wenn ich gehe, wer macht dann morgen die Arbeit?"
Für Islamic Relief ist diese lokale Verankerung zentral. In Ländern wie Sudan, Jemen und in den Palästinensischen Gebieten leisten überwiegend nationale und lokale Mitarbeitende die humanitäre Arbeit. Sie sind in ihren Gemeinden verwurzelt, kennen die Bedürfnisse der Menschen und können Hilfe auch dann aufrechterhalten, wenn internationale Aufmerksamkeit längst weitergezogen ist.
"Ehrlich gesagt: Die Person, der wir eine Tüte Mehl überreichen, und unsere Kollegen - wir alle atmen denselben Staub ein und fliehen vor denselben Angriffen", erklärt Eman Al Madhoun, MEAL-Beauftragte bei Islamic Relief in Gaza. "Es gibt keinen sicheren Raum, in den sie sich am Ende ihrer Schicht zurückziehen können. Sie arbeiten nicht hinter den Fronten, sondern direkt an deren Vorderkante. In Gaza gibt es keine Fronten. Es kommt einfach darauf an, wo die nächste Bombe einschlägt."
Angriffe auf Helfende gefährden die gesamte humanitäre Hilfe
Angriffe auf humanitäre Helfende treffen nicht nur einzelne Menschen. Sie gefährden die Versorgung der gesamten Zivilbevölkerung. Wenn Mitarbeitende getötet, verletzt, entführt oder festgenommen werden oder humanitäre Einrichtungen nicht sicher erreicht werden können, wird es schwieriger, Menschen mit Nahrung, medizinischer Versorgung, Wasser, Schutz und anderen lebenswichtigen Hilfen zu erreichen.
Islamic Relief Deutschland fordert deshalb von der internationalen Gemeinschaft konkrete Maßnahmen zum Schutz humanitärer Helfender und einen sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe. Alle Konfliktparteien müssen humanitäres Personal, Einrichtungen und Hilfsgüter schützen. Staaten müssen ihren Einfluss nutzen, um die Einhaltung des humanitären Völkerrechts durchzusetzen und Verantwortliche für Verstöße zur Rechenschaft zu ziehen.
"Angriffe auf diejenigen, die lebensrettende Hilfe leisten, sind immer auch Angriffe auf die Zivilbevölkerung, deren Überleben von ihnen abhängt", betont Islamic Relief Deutschland.
Mehr Schutz für diejenigen, die vor Ort bleiben und ein Ende der Straflosigkeit
Besonders gefährdet sind lokale Mitarbeitende und lokale Freiwillige, die 99 Prozent der weltweit bei gewalttätigen Vorfällen getöteten humanitären Helfenden ausmachen. Islamic Relief Deutschland fordert daher:
- Den Schutz humanitärer Helfender: Angriffe auf humanitäre Mitarbeitende und Einrichtungen dürfen nicht zur Normalität werden. Die Resolution 2730 des UN-Sicherheitsrats zum Schutz humanitären Personals muss vollständig umgesetzt werden.
- Ein Ende der Straflosigkeit: Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht müssen untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Angriffe auf Zivilpersonen, humanitäre Helfende und medizinisches Personal dürfen nicht folgenlos bleiben.
- Mehr Unterstützung für lokale Akteure: Lokale Mitarbeitende und Freiwillige brauchen bessere Sicherheitsmaßnahmen, Schulungen, Schutzausrüstung, Versicherungen und psychosoziale Unterstützung - ebenso wie Unterstützung für ihre Familien.
Humanitäre Hilfe wird nicht an den Wochen gemessen, in denen eine Krise im Rampenlicht steht. Sie zeigt sich in den Jahren danach - wenn die Kameras weitergezogen sind und Menschen trotzdem weiterhin Hilfe brauchen.
Die Welt wird immer zum nächsten Notfall weiterziehen. Die Menschen, die bleiben, sorgen dafür, dass vergessene Krisen nicht auch die Menschen vergessen lassen, die von ihnen betroffen sind.
Pressekontakt:
Sara Ahmed Martinez, Pressereferentin
Telefon: 01512 205 05 77
E-Mail: presse@islamicrelief.de
Original-Content von: Islamic Relief Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/50131/6336062
Wenn eine Krise aus den Schlagzeilen verschwindet, endet der Überlebenskampf der Menschen vor Ort nicht. Für humanitäre Helfende beginnt dann häufig erst die lange Phase des Durchhaltens: wenn Kameras weiterziehen, internationale Aufmerksamkeit nachlässt und aus dem Ausnahmezustand ein Alltag wird. Am Welttag der humanitären Hilfe erinnert Islamic Relief Deutschland deshalb an diejenigen, die bleiben - und fordert mehr Schutz und Unterstützung für humanitäre Helfende, insbesondere für lokale Mitarbeitende und Freiwillige.
Humanitäre Arbeit wird dabei immer gefährlicher. Im Jahr 2026 wurden weltweit bereits 82 humanitäre Helfende getötet, 97 verletzt und 39 entführt. Zu den besonders gefährlichen Einsatzgebieten zählen der Gazastreifen, der Sudan, der Südsudan und die Demokratische Republik Kongo. Im Gazastreifen wurden im Jahr 2025 insgesamt 186 humanitäre Helfende getötet. Im Sudan stieg die Zahl der getöteten Helfenden 2025 zum fünften Mal in Folge und erreichte mit 71 Todesfällen einen neuen Höchststand.
Besonders betroffen sind lokale Mitarbeitende. Sie tragen die größte Last der Gewalt, arbeiten in ihren eigenen Gemeinden und sind häufig selbst von den Krisen betroffen. Im Jahr 2025 waren 99 Prozent der weltweit bei gewalttätigen Vorfällen getöteten humanitären Helfenden lokale Mitarbeitende.
"Als es anfing, wollten alle Zahlen und Fotos", sagt Nada Abdulhmeed Abo Taleb, Medien- und Kommunikationskoordinatorin bei Islamic Relief Jemen. "Die Anrufe haben inzwischen aufgehört. Die Not der Familien jedoch nicht. In diesem Jahr sind es mehr als im letzten."
Wenn eine Krise aus den Nachrichten verschwindet
Für viele Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, ist die schwierigste Zeit nicht unbedingt der Moment der akuten Notsituation. Gerade dann fließen häufig große Mengen an Hilfe und internationale Aufmerksamkeit in die betroffenen Gebiete. Schwer wird es, wenn diese Aufmerksamkeit nachlässt - im achten Monat, im dritten Jahr, wenn die Krise zum Alltag geworden ist.
"Die Leute fragen, ob es schwer ist, weiterzuarbeiten, wenn niemand zusieht", sagt Shihab Mohamedali, leitender Programmmanager von Islamic Relief Sudan. "Aber wir tun das nicht, um dabei gesehen zu werden. Das hier ist meine Heimat. Wenn ich gehe, wer macht dann morgen die Arbeit?"
Für Islamic Relief ist diese lokale Verankerung zentral. In Ländern wie Sudan, Jemen und in den Palästinensischen Gebieten leisten überwiegend nationale und lokale Mitarbeitende die humanitäre Arbeit. Sie sind in ihren Gemeinden verwurzelt, kennen die Bedürfnisse der Menschen und können Hilfe auch dann aufrechterhalten, wenn internationale Aufmerksamkeit längst weitergezogen ist.
"Ehrlich gesagt: Die Person, der wir eine Tüte Mehl überreichen, und unsere Kollegen - wir alle atmen denselben Staub ein und fliehen vor denselben Angriffen", erklärt Eman Al Madhoun, MEAL-Beauftragte bei Islamic Relief in Gaza. "Es gibt keinen sicheren Raum, in den sie sich am Ende ihrer Schicht zurückziehen können. Sie arbeiten nicht hinter den Fronten, sondern direkt an deren Vorderkante. In Gaza gibt es keine Fronten. Es kommt einfach darauf an, wo die nächste Bombe einschlägt."
Angriffe auf Helfende gefährden die gesamte humanitäre Hilfe
Angriffe auf humanitäre Helfende treffen nicht nur einzelne Menschen. Sie gefährden die Versorgung der gesamten Zivilbevölkerung. Wenn Mitarbeitende getötet, verletzt, entführt oder festgenommen werden oder humanitäre Einrichtungen nicht sicher erreicht werden können, wird es schwieriger, Menschen mit Nahrung, medizinischer Versorgung, Wasser, Schutz und anderen lebenswichtigen Hilfen zu erreichen.
Islamic Relief Deutschland fordert deshalb von der internationalen Gemeinschaft konkrete Maßnahmen zum Schutz humanitärer Helfender und einen sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe. Alle Konfliktparteien müssen humanitäres Personal, Einrichtungen und Hilfsgüter schützen. Staaten müssen ihren Einfluss nutzen, um die Einhaltung des humanitären Völkerrechts durchzusetzen und Verantwortliche für Verstöße zur Rechenschaft zu ziehen.
"Angriffe auf diejenigen, die lebensrettende Hilfe leisten, sind immer auch Angriffe auf die Zivilbevölkerung, deren Überleben von ihnen abhängt", betont Islamic Relief Deutschland.
Mehr Schutz für diejenigen, die vor Ort bleiben und ein Ende der Straflosigkeit
Besonders gefährdet sind lokale Mitarbeitende und lokale Freiwillige, die 99 Prozent der weltweit bei gewalttätigen Vorfällen getöteten humanitären Helfenden ausmachen. Islamic Relief Deutschland fordert daher:
- Den Schutz humanitärer Helfender: Angriffe auf humanitäre Mitarbeitende und Einrichtungen dürfen nicht zur Normalität werden. Die Resolution 2730 des UN-Sicherheitsrats zum Schutz humanitären Personals muss vollständig umgesetzt werden.
- Ein Ende der Straflosigkeit: Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht müssen untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Angriffe auf Zivilpersonen, humanitäre Helfende und medizinisches Personal dürfen nicht folgenlos bleiben.
- Mehr Unterstützung für lokale Akteure: Lokale Mitarbeitende und Freiwillige brauchen bessere Sicherheitsmaßnahmen, Schulungen, Schutzausrüstung, Versicherungen und psychosoziale Unterstützung - ebenso wie Unterstützung für ihre Familien.
Humanitäre Hilfe wird nicht an den Wochen gemessen, in denen eine Krise im Rampenlicht steht. Sie zeigt sich in den Jahren danach - wenn die Kameras weitergezogen sind und Menschen trotzdem weiterhin Hilfe brauchen.
Die Welt wird immer zum nächsten Notfall weiterziehen. Die Menschen, die bleiben, sorgen dafür, dass vergessene Krisen nicht auch die Menschen vergessen lassen, die von ihnen betroffen sind.
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