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Die Anteile des Windkraftanlagenherstellers Nordex geben auch am Mittwoch deutlich nach. Ohne rasche Gegenreaktion der Bullen drohen bald Jahrestiefs.
Neue Verluste zur Wochenmitte: Für Nordex wird die Luft langsam dünn!
Mit einem Plus von 34,4 Prozent in diesem Jahr und von +82,2 Prozent in den zurückliegenden 12 Monaten gehört die Nordex-Aktie gegenwärtig zu den erfolgreichsten Titeln am deutschen Aktienmarkt. Der rasant steigende Energiebedarf, die starken Auftragseingänge und verbesserte operative Margen haben zu dieser beachtlichen Performance beigetragen, die zeitweise sogar noch deutlich besser ausgefallen war. Doch seit Anfang Mai kämpft das Papier mit einer hartnäckigen Korrektur, die sich bereits in Kürze verschärfen könnte.
Trotz steigender Ölpreise, nachdem in der Frage um die Straße von Hormus noch immer keine dauerhafte Lösung in Sicht ist, tut sich Nordex aktuell schwer, neue Akzente zu setzen. Daran ist nicht zuletzt das von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche geplante Netzpaket schuld, das den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen könnte. Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Verbands für Wind-Energie, warnt vor einem faktischen Investitionsstopp. Zwar erhält Nordex inzwischen viele Aufträge auch aus dem Ausland, aber der deutsche Heimatmarkt ist unverändert der wichtigste für das Unternehmen.
Ohne Änderungen an den bislang bekannten Gesetzesinhalten, vor allem dem sogenannten Redispatch-Vorbehalt, oder neuen positiven Katalysatoren für die Aktienkursentwicklung droht Nordex auf weitere Schwierigkeiten zu stoßen, wie der Blick in den Chart zeigt.

Übergeordneter Aufwärtstrend gerät in Gefahr
Übergeordnet befindet sich die Aktie in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Die im April markierten 51,70 Euro bedeuteten den höchsten Stand der Aktie seit dem Platzen der Dotcom-Blase. Solche Mehrjahreshochs gelten in der technischen Analyse eigentlich als Kaufsignale. Doch die Rallye ist nicht nur ins Stocken, sondern auch in Gefahr geraten.
In den technischen Indikatoren RSI und MACD liegen auf mittelfristige Sicht bearishe Divergenzen vor - damit war das Mehrjahreshoch technisch nicht bestätigt. Gleichzeitig ist die Nordex-Aktie sowohl unter die Trendlinie des letzten, im September vergangenen Jahres gestarteten Aufwärtsimpulses sowie unter die 50-Tage-Linie gefallen, die sich zuletzt als hartnäckiger Widerstand entpuppt hat.
Für Schutz zur Unterseite sorgt aktuell die 200-Tage-Linie, doch deren Status als Unterstützung wird von den Verkäuferinnen und Verkäufern zunehmend herausgefordert - am Mittwoch büßte Nordex zeitweise um bis zu 3 Prozent ein. Trotz Verbesserungen und erster bullisher Divergenzen notieren die technischen Indikatoren unverändert schwach. Der RSI liegt im Schwäche-Bereich, während der MACD einen intakten Abwärtstrend anzeigt, auch wenn dieser zuletzt an Dynamik verloren hat.
Bearishes Szenario mit aktuell höherer Wahrscheinlichkeit
Für die weitere Kursentwicklung wird der Bereich um 38 Euro zur Schicksalsmarke. Hier verläuft nicht nur die 200-Tage-Linie, sondern auch eine horizontale Unterstützung. Werden diese aufgegeben, dürfte es zum Schluss der bei 35 Euro noch offenen Kurslücke kommen. Gleichzeitig würden sich die technischen Indikatoren dadurch weiter eintrüben, was eine rasche Erholung erschweren und weiteres Abwärtspotenzial bis 30 Euro freisetzen dürfte. Damit beträgt das aktuelle Verlustrisiko rund 25 Prozent.
Dieses bearishe Szenario ist gegenüber einem Ausbruch über die 50-Tage-Linie und damit einem neuen Kaufsignal angesichts der ausgeprägten Schwäche der technischen Indikatoren aktuell vorzuziehen. Wer mit einem Einstieg in den Windkraftanlagenhersteller liebäugelt, sollte sich daher noch etwas gedulden - vor allem mit Blick darauf, dass das Unterschreiten der 200-Tage-Linie auch den mehrjährigen Aufwärtstrend dauerhaft gefährden könnte. Prozyklisch agierende Anlegerinnen und Anleger warten hingegen einen überzeugenden Anstieg über die 50-Tage-Linie ab, wofür es aktuell jedoch keine Hinweise gibt.
Fazit: Kurzfristiger Abwärtsdruck, aber langfristige Chancen
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung zeichnet sich, anders als beim Chart eine Einstiegschance mit wachsenden Aufwärtschancen ab. Für 2026 liegt das KGVe bei 19,3, was gegenüber Mitbewerber Vestas (21,8) einen deutlichen Nachlass bedeutet. Auch für 2027 hat Nordex mit einem KGVe von 16,0 (ggü. 17,3) die Nase vorne - das ist für ein Unternehmen mit einem zweistelligen Umsatz- und Gewinnwachstum keineswegs zu teuer, zumal auch die Barmittelzuflüsse mit geschätzten Cashflow-Renditen von 6,2 und 7,6 Prozent überzeugen können.
Damit befindet sich die Nordex-Aktie aktuell in einem Spannungsfeld aus politischem und charttechnischem Gegenwind, aber gleichzeitig attraktiven Fundamentaldaten. Kurzfristig dürften erstere die Oberhand behalten, mittel- und langfristig sollte sich jedoch die fundamental attraktive Bewertung durchsetzen können. Daher heißt es für Anlegerinnen und Anleger aktuell, sich zu gedulden und entweder auf eine höhere Sicherheitsmarge oder neue prozyklische Entwicklungen zu warten.
Gastautor: Max Gross
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