BERLIN (dpa-AFX) - Mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter steigt laut einer Studie die Zahl der über 66-Jährigen in fast allen Regionen Deutschlands deutlich an. Allerdings gibt es zwischen Ost und West auch unterschiedliche Trends, wie die Expertise des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung mit dem Titel "Nach den Babyboomern" ergab.
Bis 2039 erreichen demnach mehr als 13 Millionen Menschen das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren. Die Experten unterscheiden in der vom Institut am Mittwoch veröffentlichten Analyse im Auftrag der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zwischen den sogenannten aktiven Älteren im Alter zwischen 67 und 79 Jahren sowie Hochaltrigen ab 80 Jahren. Mit der Verrentung der Babyboomer wird die Zahl der aktiven Älteren zunächst deutlich zunehmen, um dann zurückzugehen, wenn diese Generation die Phase der Hochaltrigkeit erreicht. Bis 2030 dürften die aktiven Älteren vielerorts um ein Viertel bis ein Drittel gegenüber 2022 zunehmen.
Unterschiedliche Entwicklungen in Ost und West
Ostdeutschland nehme eine Vorreiterrolle ein, weil die Alterung hier bereits weit vorangeschritten sei, schreiben die Autoren. "Was viele westdeutsche Regionen noch erwartet, haben ostdeutsche Regionen in Teilen bereits erlebt", heißt es.
In vielen westdeutschen Kreisen werde die Zahl der aktiven Älteren bis 2045 weiter wachsen oder zumindest deutlich über dem derzeitigen Niveau bleiben. In zahlreichen ostdeutschen Kreisen hingegen würden 2045 voraussichtlich weniger Menschen zwischen 67 und 79 Jahren leben als noch 2022, da die nachrückenden Jahrgänge kleiner seien. Viele derjenigen, bis 2045 in den Ruhestand gehen, hätten den Osten in den Nachwendejahren verlassen, stellen die Autoren fest.
Was folgt daraus?
Die Autoren der Studie raten, die aktiven Älteren als Ressource zu verstehen für ziviles Engagement oder als Fachkräfte, wenn sie freiwillig über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten wollen. Der Höhepunkt der Verrentung der Babyboomer sei um das Jahr 2030 zu erwarten. "Die Zeit zum Handeln ist also jetzt", heißt es in der Analyse. Zugleich müsse vorausschauend für die Hochaltrigen geplant werden, etwa mit Blick Pflegekapazitäten, altersgerechten Wohnraum oder eine bedarfsgerechte Infrastruktur./shy/DP/stw
