
© Foto: Sergei Gussev auf Pexels
Beim Blick auf den Aktienkurs und den Chart von Nel sieht man, dass dieser wieder seit einigen Wochen nur eine Richtung zu kennen scheint: nach unten. Jetzt aber könnte der Wert an einer wichtigen Marke stehen. Der RSI nähert sich der 30er-Linie, jener Zone, in der Aktien oft als überverkauft gelten. Reicht das für eine Erholung? Oder rutscht die Aktie bei einem Fall unter 0,18 Euro noch tiefer ab? Wir schauen jetzt für Sie gerne genauer hin.
Auftragsschub trifft schwache Zahlen
Nel ASA hat zuletzt ein komisches Bild für Investoren und Anleger gezeigt. Der Auftragseingang schoss im zweiten Quartal um 224 Prozent nach oben, auf 230 Millionen norwegische Kronen. Der gesamte Auftragsbestand liegt inzwischen bei 1,2 Milliarden Kronen. Das klingt erstmal super, doch beim Umsatz sah es anders aus, denn dieser sank um 12 Prozent. Belastet wurde das Ergebnis zusätzlich durch eine Vergleichszahlung von 70 Millionen Kronen an den japanischen Partner Iwatani. Das EBITDA rutschte auf -155 Millionen Kronen. Immerhin: Mit 1,3 Milliarden Kronen in der Kasse hat Nel finanziell noch Luft - zumindest für ein paar weitere Quartale und es gibt ja auch Hoffnung. Diese trägt derzeit einen Namen: PA-Series. Die neue Elektrolyseur-Plattform soll die Kosten für schlüsselfertige Anlagen um bis zu 60 Prozent senken und den Platzbedarf deutlich verringern. Unterstützt wird der Ausbau durch eine EU-Förderung von 135 Millionen Euro für die Produktionslinie. Bis Ende 2026 will Nel die Fertigungskapazität am Standort Heroya auf 500 Megawatt hochfahren. Im Jahr 2027 soll sie sich nochmals verdoppeln. Parallel dazu sorgt aber auch der bevorstehende Führungswechsel für etwas Unruhe, denn CEO Hakon Volldal verlässt das Unternehmen. Das beunruhigende daran ist aber, dass ein Nachfolger noch nicht fest steht. Bleibt oder wird aus dem starken Auftragseingang tatsächlich ein stabiler Trend oder bleibt dies auch diesmal nur ein kurzes Strohfeuer?

Charttechnik
Der Kurs steht aktuell bei rund 0,19 Euro und damit fast 50 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro von Ende Mail. Auch der einfache, gleitende 200-Tage-Durchschnitt bei 0,214 Euro wurde demnach zuletzt klar unterschritten. Das bedeutet: Die Aktie ist langfristig wieder im Abwärtstrend angekommen. Spannend ist aktuell der RSI, der sich der Marke von 30 nähert. Derzeit liegt er bei 37 Punkten. Ab 30 ist gilt eine Aktie technisch oft als überverkauft und dies könnte dann ein erster Hinweis auf eine baldige Gegenbewegung sein. Bleibt der Kurs allerdings schwach und fällt nachhaltig unter 0,18 Euro, wäre das eher ein Zeichen von anhaltendem Abwärtsdruck. Dann wären tiefere Kurse im Bereich 0,12 - 0,15 denkbar.
Was tun?
Die fundamentale Lage bei Nel bleibt gemischt. Der starke Auftragseingang macht Hoffnung, doch der Umsatzrückgang und die Sonderbelastung durch den Iwatani-Vergleich zeigen, dass der Weg zur Profitabilität noch lang ist. Auch der bevorstehende CEO-Wechsel sorgt für zusätzliche Unsicherheit. Charttechnisch steht die Aktie vor einer Entscheidung, denn der nahende RSI-Wert um 30 spricht für eine mögliche Erholung, ein Rutsch unter 0,18 Euro würde dagegen weitere Schwäche signalisieren. Anleger könnten daher noch ein wenig abwarten, bis sich eine klare Richtung zeigt. Bis zum Quartalsbericht am 21. Oktober dauert es noch ein paar Wochen, aber auch diesen Termin sollte man im Blick behalten, da er zeigen dürfte, ob der Auftragsschub tatsächlich Bestand hat.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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