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Der Goldpreis hat sich zuletzt zweistellig erholen können, doch statt auf eine Rallyefortsetzung zu setzen sollten Investoren erst einmal vorsichtig werden.
Gold stark erholt, doch voreilige Schlüsse sind fehl am Platz
Nach dem spektakulären Blow-Off-Top Ende Januar ging es für Edelmetalle angeführt von Gold über Wochen und Monate hinweg fast ausschließlich bergab. Selbst eskalierende geopolitische Spannungen wie der Iran-Krieg konnten das Sentiment gegenüber Gold nicht verbessern und zu einer Wiederbelebung der im vergangenen Jahr starken Anstiegsdynamik führen.
Im Bereich von 4.000 US-Dollar stieß das Edelmetall schließlich auf anhaltendes Kaufinteresse, wodurch es zu einer Bodenbildung kam. Das hat in den vergangenen drei Wochen für eine deutliche Erholung und zweistellige Kursgewinne gesorgt. Steigende Anleiherenditen, eigentlich Gegenwind für Gold und Silber konnten durch einen schwächeren US-Dollar wettgemacht werden - doch jetzt ist erst einmal wieder Vorsicht angesagt. Anlegerinnen und Anleger sollten nicht voreilig auf eine Fortsetzung der jüngsten Erholung wetten oder gar mit neuen Hochs rechnen.

Nach monatelanger Konsolidierung Bodenbildung und erste Kaufsignale, aber ...
Übergeordnet befindet sich Gold in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Dieser spiegelt anhaltende Notenbankkäufe, gewachsene geopolitische Risiken, das hohe Inflationsniveau und einen Interessenszunahme auch von privater Seite wider. Die erreichte im Januar einen Höhepunkt und führte schließlich zu einem Blow-Off-Top, welches eine mehrmonatige Korrektur eingeleitet hat.
Blow-Off-Tops stehen üblicherweise am Ende von (langen) Aufwärtstrends, das bedeutet, dass Gold über die kommenden Jahren hinweg sein Hoch bereits gesehen haben könnte. Zuletzt wurde diese These durch Notierungen unterhalb der gleitenden Durchschnitte sowie das Ende Juni erfolgte Death Cross unterstrichen. Allerdings gab es mit der jüngsten Erholung auch positive Entwicklungen.
Nach der Bodenbildung bei 4.000 US-Dollar konnte Gold zunächst über seine Abwärtstrendlinie und schließlich auch über die 50-Tage-Linie klettern, womit erste Kaufsignale ausgelöst wurden. Jetzt aber ist das Edelmetall am Widerstandsbereich um 4.500 US-Dollar angelangt, wo auch die 200-Tage-Linie verläuft.
... kurzfristig haben die Risiken jetzt stark zugenommen
Die könnte sich für die Bullen als zunächst nicht zu überwindende Herausforderung entpuppen, denn die zweistellige Kurserholung der vergangenen drei Wochen hat mit Blick auf den RSI viel Kraft gekostet, der zunächst überkauft war und jetzt kurzfristig erste bearishe Divergenzen liefert. Unterdessen zeigt der Trendstärkeindikator MACD einen intakten Erholungstrend an, doch das Momentum droht bereits wieder zu versiegen.
Ein Rücksetzer in Richtung 4.350 US-Dollar beziehungsweise zurück an die 50-Tage-Linie bei 4.164 US-Dollar ist daher aktuell wahrscheinlicher als ein direkter Ausbruch und ein Anstieg in Richtung 4.850/5.000 US-Dollar.
Dazu kommt ein weiteres Erschwernis, denn Anleiherenditen steigen immer weiter an. Zuletzt kletterten die Kupons für US-Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren auf über 5,3 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2004. Selbst für als sicher geltende Bundesanleihen verlangen Anleiheinvestoren immer höhere Renditen. Zuletzt kletterten die Zinsen für 10-jährige Anleihen auf den höchsten Stand seit 2011. Auf anderen Märkten, wie dem japanischen, sieht es ähnlich aus. Das ist Gift für zinslose Assets, wie Edelmetalle, die keine laufenden Erträge abwerfen. Zugleich bedeutet der steigende Ölpreis Rückenwind für den US-Dollar. Dessen den Anstieg der Anleiherenditen mildernde Einfluss könnte daher bald versiegen und zu einem Abwärtsdruck auf Gold führen.
Fazit: Gewinne mitnehmen oder auf einen günstigeren Einstieg warten
Edelmetalle, allen voran Gold, konnten sich in den zurückliegenden Wochen stark erholen und zweistellig zulegen. Daraus sollten Anlegerinnen und Anleger jedoch keine voreilige Schlüsse ziehen - weder in Bezug auf eine dauerhafte Trendwende noch auf eine kurzfristige Fortsetzung der Rallye. Mit Blick auf die technischen Indikatoren dürften die Käuferinnen und Käufer nach dem Erreichen eines wichtigen Widerstandsbereichs ihr Pulver zunächst verschossen haben, während der Gegenwind vom Anleihenmarkt zunimmt.
Wahrscheinlich ist daher ein Pullback in Richtung jüngst überwundener Widerstände wie der 50-Tage-Linie. Hält diese Verkaufsdruck stand, böte das eine neue Einstiegschance, ansonsten bleibt der Bereich um 4.000 US-Dollar pro Feinunze die Schicksalsmarke für das mittel- und langfristige Kursgeschehen.
Gastautor: Max Gross
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