DJ MARKT-AUSBLICK/Korrekturrisiko an Börsen steigt
Von Manuel Priego Thimmel
DOW JONES--Die Aufwärtsbewegung an den Börsen ist ins Stocken geraten. Neben dem Wirrwarr im Nahen Osten und den hohen Energiepreisen sind die Anleihemärkte zunehmend zum Belastungsfaktor geworden. Die Renditen der Staatsanleihen sind in vielen Fällen auf Mehrdekadenhochs gestiegen. Hauptgrund dafür sind die ausufernden Staatsschulden, die Anlegern zunehmend Sorgen bereiten. Im Weißen Haus liegen offenbar die Nerven blank. Darauf deutet jedenfalls die jüngste Ankündigung des US-Finanzministerium, zukünftig verstärkt Rückkäufe von langlaufenden Treasurys durchzuführen, mit dem Ziel der Verflachung der Zinskuvre. Es darf bezweifelt werden, dass die Maßnahme von Erfolg gekrönt sein wird. Es wäre keine Überraschung, wenn schon bald Rufe nach Zentralbankunterstützung aufkämen.
Mit Blick auf die Ankündigung des US-Finanzministerium spricht die Deutsche Bank von einer sanften Form der finanziellen Repression. Die Rückkaufaktion sei im Ergebnis der "Operation Twist" der US-Notenbank sehr ähnlich. Das Finanzministerium müsse nun mehr kurzlaufende US-Staatsanleihen begeben, um die Finanzierung für die Rückkäufe der Langläufer zu stemmen. In dem Maße, wie dies die Finanzierungsbedingungen lockere, machte dies wohl eine ausgleichende Straffung durch die US-Notenbank erforderlich. Andernfalls stelle dies einen zusätzlichen negativen Belastungsfaktor für den Dollar dar. Und in der Tat, der Euro hat seit Ankündigung kräftig aufgewertet und geht nun bei rund 1,17 Dollar um - ein latenter Belastungsfaktor für Aktien.
Aktien verlieren durch hohe Marktzinsen an Attraktivität
Es gibt aber ein noch fundamentaleres Problem. Während die US-Notenbank theoretisch über unbegrenzte Liquidität verfügt, muss sich die US-Regierung am Markt refinanzieren. Und hier ist die Aufnahmefähigkeit begrenzt, auch weil durch die milliardenschweren KI-Investitionen der Hyperscaler Kapital abgezogen und mithin teuer wird. Die Ankündigung des Finanzministeriums drückte die Renditen an den Anleihemärkten denn auch nur kurzfristig, in der Zwischenzeit liegen sie sogar höher. Sollte sich der Renditeanstieg fortsetzen, könnte sich die US-Notenbank zu Interventionen gezwungen sehen. Das würde den Dollar schwächen, während Aktien und Gold davon profitieren sollten. Soweit sind wir aber noch nicht.
Höhere Marktzinsen machen nicht nur die Refinanzierung für Staaten, Unternehmen und Haushalte teurer, sie treten auch in Konkurrenz zur Aktienmarktrendite. Nach Einschätzung der Societe Generale wird es ab einem Renditeniveau von 5 Prozent bei 10-jährigen Treasurys eng für die Aktienmärkte. Aktuell rentieren 10-jährige Treasurys bei 4,70 Prozent. "Wir haben konsequent dafür argumentiert, dass die Anleiherenditen stärker steigen müssten, als die meisten erwarten, bevor sie eine Risk-Off-Bewegung an den Aktienmärkten auslösen", heißt es. 5 Prozent sei ein besserer Richtwert als der Marktkonsens von 4,50 Prozent. Dies würde die Risikoprämie in Richtung der 3 Prozent-Gefahrenzone drücken und Anleihen zyklisch attraktiver machen als Aktien.
Die USA versuchen es nun mit Sanktionen gegen den Iran
Derweil zeichnet sich keine Lösung im Iran-Krieg ab. Da militärisch die Möglichkeiten erschöpft erscheinen, versucht die US-Regierung nun mittels wirtschaftlicher Sanktionen, den Iran in die Knie zu zwingen. Die Erfolgsaussichten dürften - das zeigt die Vergangenheit - sehr gering sein. Derweil kontrolliert Teheran weiter die Straße von Hormus, Öl fließt kaum noch durch die Meerenge. Damit sind die Inflationsrisiken klar aufwärts gerichtet. Brent geht in der Zwischenzeit wieder bei 94 Dollar das Fass um. Damit rückt die für die Märkte wichtige psychologische Marke von 100 Dollar das Fass wieder in Sichtweite.
Ob die US-Notenbank auf der nächsten Sitzung im September die Zinsen anhebt, dürfte vor allem von der Preisentwicklung abhängen. Kommende Woche stehen die Daten zum Deflator der Konsumausgaben (PCE) im Juli an, dem nach Ansicht der US-Notenbank wichtigsten Inflationsmaß. "Auf Basis der bereits veröffentlichten Verbraucher- und Produzentenpreise, der Datengrundlage für den Großteil des PCE-Deflators, dürfte die wichtige Kernrate 0,23 Prozent gegen Vormonat betragen. Das wäre etwas zu hoch, denn das Inflationsziel von 2 Prozent ließe auf Monatsbasis nur 0,17 Prozent zu", so die Commerzbank. Spannend wird kommende Woche auch die Bekanntgabe des Ifo-Geschäftsklimaindex - dieser dürfte im August wieder gefallen sein.
Saisonalität spricht für Korrektur an Börsen
Ein Risiko für die Börsen stellt auch die nach wie vor sehr bullische Stimmung der Investoren dar. Die vielbeachtete August-Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern zeigt einen sehr hohen Optimismus der Anleger: Die Cash-Quote fiel von 3,6 Prozent auf extrem niedrige 3,5 Prozent, zugleich stieg die Aktienquote auf den höchsten Stand seit November 2021 mit einer netto Übergewichtung von 56 Prozent. "Zusammengefasst ergibt sich das folgende Stimmungsbild: Keine wirtschaftliche Bruchlandung, keine Zinserhöhung durch die US-Notenbank, keine Kürzungen bei den KI-Investitionen, kein Erdrutschsieg der Demokraten, keine Bären", heißt es zusammenfassend.
Auch die Saisonalität spricht für eine Korrektur an den Aktienmärkten. Der DAX gönnt sich laut der Commerzbank häufig von Mitte August bis Oktober eine Auszeit. Auch in diesem Jahr könnten die nicht enden wollenden Kriege im Iran und der Ukraine, die hohen Energiepreise, anhaltende Inflationssorgen, inflationskritische Notenbanken, hohe Anleiherenditen und die US-Zwischenwahlen den DAX im Herbst bremsen. Hinzu kommen politische Risiken in Form der US-Zwischenwahlen im November und zahlreicher Länderwahlen in Deutschland im September. "Mögliche DAX-Konsolidierungen von 5 bis 10 Prozent stufen wir jedoch weiterhin als Gelegenheiten ein, Positionen in deutschen Aktien nochmals leicht aufzustocken", heißt es.
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August 21, 2026 04:59 ET (08:59 GMT)
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