Berlin (ots) -
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) warnt davor, die Mindestreserve zur Verringerung der Verluste der Notenbanken im Euroraum zu erhöhen. Eine Verdopplung der unverzinsten Mindestreserve von derzeit 1 auf 2 Prozent würde die Zinsausgaben der Notenbanken zwar kurzfristig um rund vier Milliarden Euro jährlich verringern, die Ertragskraft der Banken aber im gleichen Umfang verringern. "Damit würde die Maßnahme der EZB die aktuelle Zielsetzung der Europäischen Kommission entgegenlaufen, die Wettbewerbsfähigkeit der Kreditwirtschaft zu stärken", warnt die Präsidentin des BVR, Marija Kolak. Zudem würde ein geldpolitisches Instrument so zur Entlastung der Notenbankbilanzen und für quasifiskalische Zwecke zweckentfremdet, was aus ordnungs- und geldpolitischer Sicht abzulehnen sei.
"Ziel der Geldpolitik ist die Gewährleistung von Preisstabilität, nicht die Deckung von finanziellen Defiziten der Notenbank. Die Mindestreserve ist als Instrument der Geldpolitik kein Reparaturwerkzeug für Notenbankbilanzen. Die heutigen Verluste der Notenbanken sind vor allem eine Spätfolge der außergewöhnlichen Geldpolitik der vergangenen Jahre. Es wäre der falsche Weg, diese Kosten nun über eine höhere unverzinste Mindestreserve dem Bankensystem aufzubürden", so die BVR-Präsidentin weiter.
Hintergrund der aktuellen Debatte sind die hohen Zinsausgaben der Notenbanken seit dem Ende der Niedrigzinsphase. Derzeit verzinsen die EZB und die 21 nationalen Zentralbanken des Euroraums Überschussliquidität von rund 2,12 Billionen Euro mit 2,25 Prozent. Daraus ergeben sich jährliche Zinsausgaben von etwa 48 Milliarden Euro. Würde die unverzinste Mindestreserve von 1 auf 2 Prozent erhöht, könnten die Notenbanken ihre Zinsausgaben nach Berechnungen des BVR um rund vier Milliarden Euro jährlich verringern. Zu diesem Ergebnis kommt der BVR in seiner aktuellen Analyse.
Bereits seit September 2023 wird die Mindestreserve der Banken nicht mehr verzinst. Eine Verdopplung des Mindestreservesatzes würde diese Belastung weiter erhöhen. Hohe Mindestreservesätze können nach Einschätzung des BVR zudem das Risiko von Wettbewerbsverzerrungen und einer Verlagerung von Einlagen an Finanzplätze außerhalb des Euroraums verstärken. Der sachgerechtere Weg zur Verringerung der Notenbankverluste liegt aus Sicht des BVR im weiteren strukturierten Abbau der Anleihebestände und damit perspektivisch auch der Überschussliquidität.
Die vollständige Analyse zur Mindestreserve ist in der aktuellen Ausgabe des "BVR Volkswirtschaft Kompakt" veröffentlicht.
Pressekontakt:
Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)
Melanie Schmergal, Abteilungsleiterin Kommunikation und
Öffentlichkeitsarbeit / Pressesprecherin
Telefon: (030) 20 21-13 00, presse@bvr.de, www.bvr.de
Original-Content von: BVR Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/40550/6338567
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) warnt davor, die Mindestreserve zur Verringerung der Verluste der Notenbanken im Euroraum zu erhöhen. Eine Verdopplung der unverzinsten Mindestreserve von derzeit 1 auf 2 Prozent würde die Zinsausgaben der Notenbanken zwar kurzfristig um rund vier Milliarden Euro jährlich verringern, die Ertragskraft der Banken aber im gleichen Umfang verringern. "Damit würde die Maßnahme der EZB die aktuelle Zielsetzung der Europäischen Kommission entgegenlaufen, die Wettbewerbsfähigkeit der Kreditwirtschaft zu stärken", warnt die Präsidentin des BVR, Marija Kolak. Zudem würde ein geldpolitisches Instrument so zur Entlastung der Notenbankbilanzen und für quasifiskalische Zwecke zweckentfremdet, was aus ordnungs- und geldpolitischer Sicht abzulehnen sei.
"Ziel der Geldpolitik ist die Gewährleistung von Preisstabilität, nicht die Deckung von finanziellen Defiziten der Notenbank. Die Mindestreserve ist als Instrument der Geldpolitik kein Reparaturwerkzeug für Notenbankbilanzen. Die heutigen Verluste der Notenbanken sind vor allem eine Spätfolge der außergewöhnlichen Geldpolitik der vergangenen Jahre. Es wäre der falsche Weg, diese Kosten nun über eine höhere unverzinste Mindestreserve dem Bankensystem aufzubürden", so die BVR-Präsidentin weiter.
Hintergrund der aktuellen Debatte sind die hohen Zinsausgaben der Notenbanken seit dem Ende der Niedrigzinsphase. Derzeit verzinsen die EZB und die 21 nationalen Zentralbanken des Euroraums Überschussliquidität von rund 2,12 Billionen Euro mit 2,25 Prozent. Daraus ergeben sich jährliche Zinsausgaben von etwa 48 Milliarden Euro. Würde die unverzinste Mindestreserve von 1 auf 2 Prozent erhöht, könnten die Notenbanken ihre Zinsausgaben nach Berechnungen des BVR um rund vier Milliarden Euro jährlich verringern. Zu diesem Ergebnis kommt der BVR in seiner aktuellen Analyse.
Bereits seit September 2023 wird die Mindestreserve der Banken nicht mehr verzinst. Eine Verdopplung des Mindestreservesatzes würde diese Belastung weiter erhöhen. Hohe Mindestreservesätze können nach Einschätzung des BVR zudem das Risiko von Wettbewerbsverzerrungen und einer Verlagerung von Einlagen an Finanzplätze außerhalb des Euroraums verstärken. Der sachgerechtere Weg zur Verringerung der Notenbankverluste liegt aus Sicht des BVR im weiteren strukturierten Abbau der Anleihebestände und damit perspektivisch auch der Überschussliquidität.
Die vollständige Analyse zur Mindestreserve ist in der aktuellen Ausgabe des "BVR Volkswirtschaft Kompakt" veröffentlicht.
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