REMSECK (dpa-AFX) - Die wochenlange Trockenheit und Hitze, aber auch anhaltende Probleme mit der Bürokratie machen den Alltag für viele Bauern in Baden-Württemberg aus Sicht des Bauernverbands zur Existenzfrage. "Die Dürre trifft unsere Landwirtschaft mit voller Wucht", sagte der Präsident des Landesbauernverbands Baden-Württemberg und des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied. "Auf vielen Betrieben fehlt seit Monaten das Wasser." Die jüngsten Regenfälle hätten die Lage nicht entspannt: "Zehn Zentimeter Niederschläge, da ist es weiter unten im Boden noch knochentrocken."
Vor allem bei Weizen, Raps und Sommergerste seien die Erträge gesunken, sagte Rukwied zur Bilanz der Bauern im Südwesten in Remseck bei Stuttgart. Auch Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben hätten unter dem wochenlangen Wassermangel gelitten. Insgesamt erwartet der Verband eine Getreideernte von 2,57 Millionen Tonnen. Beim Winterweizen wurden 67,2 Dezitonnen je Hektar geerntet - rund 8 Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre.
Einige Tiere früher zur Schlachtung
Besonders schwierig sei die Lage für Bauern mit Tieren. Auf Wiesen und Weiden wachse seit dem zweiten Schnitt kaum noch Futter nach, wie Rukwied sagte. Landesweit fehlen nach Angaben seines Verbands mindestens 30 bis 40 Prozent Futter, in manchen Gegenden sogar die Hälfte. Viele Betriebe verfüttern deshalb bereits Vorräte für den Winter, einige brächten ihre Tiere vorzeitig zum Schlachthof. Heu, Öhmd und Stroh sind laut Verband knapp und teils rund 50 Prozent teurer als im vergangenen Jahr.
Der Bauernverband begrüßte geplante Hilfen des Landes, er fordert vom Bund aber ein Sofortprogramm - unter anderem mit mehr Düngemittelhilfen, früheren Direktzahlungen und einer niedrigeren Dieselsteuer. Langfristig verlangt der Verband eine bessere Absicherung gegen Wetterextreme./mov/DP/he
