Frankfurt/Main (ots) -
- 2025: FuE-Etats der Chemie-/Pharmaindustrie liegen bei knapp 16 Milliarden Euro
- Unternehmen setzen bei künftigen FuE-Investitionen stärker auf das Ausland
- VCI: Bundesregierung muss bei Innovationspolitik strategisch handeln
Innovation bleibt für die chemisch-pharmazeutische Industrie der Schlüssel aus der Krise. Nach wie vor ist die Investitionsbereitschaft für Forschung und Entwicklung (FuE) hoch und die Unternehmen setzen auf eine starke Forschungsorientierung: 2025 lagen die FuE-Budgets der Branche bei knapp 16 Milliarden Euro. Drei Viertel der Unternehmen entwickeln neue Produkte und Verfahren. Rund 7 Prozent ihrer Umsätze investieren sie wieder in FuE. Das geht aus heute veröffentlichten Zahlen des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) hervor.
Für das laufende Jahr trüben sich die Pläne allerdings ein: Nach Angaben des VCI rechnen 29 Prozent der Chemie- und Pharmafirmen mit rückläufigen FuE-Ausgaben in Deutschland. Nur noch knapp jedes fünfte Unternehmen plant mit steigenden Budgets am heimischen Standort. Deutlich positiver dagegen fallen die Pläne für das Ausland aus: Hier prognostizieren 41 Prozent der befragten Firmen steigende Etats.
Thomas Wessel, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung, macht deutlich: "Die chemisch-pharmazeutische Industrie will sich aus der Krise herausinnovieren. Das Problem ist nicht der Wille, sondern der Standort Deutschland."
Während die Unternehmen ihren Innovationskurs fortsetzen, gerät der Standort immer stärker unter Druck. Viele Länder holen mit hoher Geschwindigkeit auf. Das zeigt sich beispielsweise an ihren wachsenden FuE-Budgets. Der Anteil der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie an den globalen FuE-Ausgaben geht dagegen von 6,5 Prozent (2010) auf 4,2 Prozent (2025) zurück.
Hinzu kommt, so der VCI, dass andere Länder Forschung, Entwicklung, Produktion und Standort längst als Einheit denken. Damit wird der globale Wettbewerb nicht nur härter, er stellt sich auch strategischer auf, beschreibt der Verband die Entwicklung im internationalen Wettstreit um die besten Bedingungen für Forschung, Entwicklung und Produktion der Standorte.
Besonders China verfolgt eine glasklare industrieorientierte Innovationsstrategie. Dieser Erfolg zeigt sich eindrucksvoll in Zahlen: Der Anteil an den weltweiten Patentanmeldungen in Chemie und Pharma hat sich 2010 bis 2024 nahezu vervierfacht. Damit liegt China nach den USA jetzt auf Rang 2 - vor Japan, Südkorea und Deutschland. "Der Transfer aus der Forschung bis zur Marktreife wird über mehrere Wege sichergestellt. Flankiert wird der ganze Prozess von einer offensiven Agenda zum Schutz geistigen Eigentums", erläutert Wessel den Trend Chinas.
Innovationsstandort braucht großen Wurf
Der VCI fordert daher, dass strategisches Denken in das politische Denken und Handeln integriert werden und das Tempo deutlich anziehen muss, um Forschungsideen zu kommerzialisieren und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhöhen. "Wettbewerb kennt keine Schonzeit", betont Wessel, und weiter: "Alle Anstrengungen der Unternehmen müssen auf politisch zukunftsfähige Rahmenbedingungen treffen. Es geht nicht um Korrekturen im Klein-Klein, sondern um eine Richtungsentscheidung für den Innovationsstandort Deutschland und den Willen zu grundlegenden Reformen. Es geht um den großen Wurf. Deutschland muss den Mut und den Willen haben, ein Land zu sein, das Innovationen ermöglicht, beschleunigt und willkommen heißt.
Das Reformpaket der Bundesregierung bezeichnet Wessel als ersten Anfang. Er drängt jedoch darauf, widersprüchliche Politik, beispielsweise durch das Gesundheits-Sparpaket, das den Pharmastandort massiv schwächt, zu korrigieren. Außerdem sind die Chemie- und Hightech-Agenda, die nationale Plattform Biotechnologie sowie die künftige Pharma- und Medizintechnikstrategie aufeinander abzustimmen und zu einer schlüssigen Innovationsstrategie zu verzahnen. Dafür muss die Chemieagenda 2045 die industriepolitischen Leitplanken setzen, damit die Potenziale von Chemie, Pharma und Biotechnologie in wettbewerbsfähige Wertschöpfung und Produktion überführt werden. "Es braucht eine ressortübergreifende Steuerung, eine verlässliche Finanzierung, die Einbettung in Sozial- und Wirtschaftsreformen sowie eine berechenbare Politik", unterstreicht Wessel.
Fotos der Pressekonferenz stehen ab circa 13:00 Uhr unter diesem Link zur Verfügung
https://vci.canto.de/b/VPIR9 (https://eur03.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fvci.canto.de%2Fb%2FVPIR9&data=05%7C02%7C%7C1ed7e4a97b144924177908def7b54390%7Cc7333dd826f044b4a568dd39525e5879%7C0%7C0%7C639220555057361197%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=TkOXK5J2%2BJawYscqm2BFIK%2FF41oejZnb1UdIoqKhZuE%3D&reserved=0)
Der VCI ist Europas größter Verband für Chemie, Pharma und Biotechnologie. Mit seinen 22 Fach- und 7 Landesverbänden repräsentiert er die Interessen von rund 2.000 Unternehmen - vom Global Player bis zum hoch spezialisierten Mittelständler. Mit 230 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 und rund 545.000 Beschäftigten in Deutschland zählt die Branche zu den stärksten Treibern für Innovation, Wohlstand und Zukunft. Für eine starke chemisch-pharmazeutische Industrie von heute und morgen ist der VCI in Deutschland, in Europa und weltweit aktiv.
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- 2025: FuE-Etats der Chemie-/Pharmaindustrie liegen bei knapp 16 Milliarden Euro
- Unternehmen setzen bei künftigen FuE-Investitionen stärker auf das Ausland
- VCI: Bundesregierung muss bei Innovationspolitik strategisch handeln
Innovation bleibt für die chemisch-pharmazeutische Industrie der Schlüssel aus der Krise. Nach wie vor ist die Investitionsbereitschaft für Forschung und Entwicklung (FuE) hoch und die Unternehmen setzen auf eine starke Forschungsorientierung: 2025 lagen die FuE-Budgets der Branche bei knapp 16 Milliarden Euro. Drei Viertel der Unternehmen entwickeln neue Produkte und Verfahren. Rund 7 Prozent ihrer Umsätze investieren sie wieder in FuE. Das geht aus heute veröffentlichten Zahlen des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) hervor.
Für das laufende Jahr trüben sich die Pläne allerdings ein: Nach Angaben des VCI rechnen 29 Prozent der Chemie- und Pharmafirmen mit rückläufigen FuE-Ausgaben in Deutschland. Nur noch knapp jedes fünfte Unternehmen plant mit steigenden Budgets am heimischen Standort. Deutlich positiver dagegen fallen die Pläne für das Ausland aus: Hier prognostizieren 41 Prozent der befragten Firmen steigende Etats.
Thomas Wessel, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung, macht deutlich: "Die chemisch-pharmazeutische Industrie will sich aus der Krise herausinnovieren. Das Problem ist nicht der Wille, sondern der Standort Deutschland."
Während die Unternehmen ihren Innovationskurs fortsetzen, gerät der Standort immer stärker unter Druck. Viele Länder holen mit hoher Geschwindigkeit auf. Das zeigt sich beispielsweise an ihren wachsenden FuE-Budgets. Der Anteil der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie an den globalen FuE-Ausgaben geht dagegen von 6,5 Prozent (2010) auf 4,2 Prozent (2025) zurück.
Hinzu kommt, so der VCI, dass andere Länder Forschung, Entwicklung, Produktion und Standort längst als Einheit denken. Damit wird der globale Wettbewerb nicht nur härter, er stellt sich auch strategischer auf, beschreibt der Verband die Entwicklung im internationalen Wettstreit um die besten Bedingungen für Forschung, Entwicklung und Produktion der Standorte.
Besonders China verfolgt eine glasklare industrieorientierte Innovationsstrategie. Dieser Erfolg zeigt sich eindrucksvoll in Zahlen: Der Anteil an den weltweiten Patentanmeldungen in Chemie und Pharma hat sich 2010 bis 2024 nahezu vervierfacht. Damit liegt China nach den USA jetzt auf Rang 2 - vor Japan, Südkorea und Deutschland. "Der Transfer aus der Forschung bis zur Marktreife wird über mehrere Wege sichergestellt. Flankiert wird der ganze Prozess von einer offensiven Agenda zum Schutz geistigen Eigentums", erläutert Wessel den Trend Chinas.
Innovationsstandort braucht großen Wurf
Der VCI fordert daher, dass strategisches Denken in das politische Denken und Handeln integriert werden und das Tempo deutlich anziehen muss, um Forschungsideen zu kommerzialisieren und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhöhen. "Wettbewerb kennt keine Schonzeit", betont Wessel, und weiter: "Alle Anstrengungen der Unternehmen müssen auf politisch zukunftsfähige Rahmenbedingungen treffen. Es geht nicht um Korrekturen im Klein-Klein, sondern um eine Richtungsentscheidung für den Innovationsstandort Deutschland und den Willen zu grundlegenden Reformen. Es geht um den großen Wurf. Deutschland muss den Mut und den Willen haben, ein Land zu sein, das Innovationen ermöglicht, beschleunigt und willkommen heißt.
Das Reformpaket der Bundesregierung bezeichnet Wessel als ersten Anfang. Er drängt jedoch darauf, widersprüchliche Politik, beispielsweise durch das Gesundheits-Sparpaket, das den Pharmastandort massiv schwächt, zu korrigieren. Außerdem sind die Chemie- und Hightech-Agenda, die nationale Plattform Biotechnologie sowie die künftige Pharma- und Medizintechnikstrategie aufeinander abzustimmen und zu einer schlüssigen Innovationsstrategie zu verzahnen. Dafür muss die Chemieagenda 2045 die industriepolitischen Leitplanken setzen, damit die Potenziale von Chemie, Pharma und Biotechnologie in wettbewerbsfähige Wertschöpfung und Produktion überführt werden. "Es braucht eine ressortübergreifende Steuerung, eine verlässliche Finanzierung, die Einbettung in Sozial- und Wirtschaftsreformen sowie eine berechenbare Politik", unterstreicht Wessel.
Fotos der Pressekonferenz stehen ab circa 13:00 Uhr unter diesem Link zur Verfügung
https://vci.canto.de/b/VPIR9 (https://eur03.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fvci.canto.de%2Fb%2FVPIR9&data=05%7C02%7C%7C1ed7e4a97b144924177908def7b54390%7Cc7333dd826f044b4a568dd39525e5879%7C0%7C0%7C639220555057361197%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=TkOXK5J2%2BJawYscqm2BFIK%2FF41oejZnb1UdIoqKhZuE%3D&reserved=0)
Der VCI ist Europas größter Verband für Chemie, Pharma und Biotechnologie. Mit seinen 22 Fach- und 7 Landesverbänden repräsentiert er die Interessen von rund 2.000 Unternehmen - vom Global Player bis zum hoch spezialisierten Mittelständler. Mit 230 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 und rund 545.000 Beschäftigten in Deutschland zählt die Branche zu den stärksten Treibern für Innovation, Wohlstand und Zukunft. Für eine starke chemisch-pharmazeutische Industrie von heute und morgen ist der VCI in Deutschland, in Europa und weltweit aktiv.
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