
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Kepler Cheuvreux hat seinen Daumen für die Deutsche Telekom gesenkt, wodurch die Aktie am Donnerstag stark unter Druck gerät. Das könnte jetzt das Ende des Aufwärtstrends bedeuten.
Darum gerät die Aktie der Deutschen Telekom jetzt stark unter Druck
Hinter den Anteilen der Deutschen Telekom liegt in den vergangenen 1,5 Jahren eine Berg- und Talfahrt. Trug die Aktie vor allem im vergangenen Jahr zur starken Vorstellung des Leitindex DAX bei, ist sie deutschen Basiswerten in diesem Jahr eher ein Klotz am Bein. Am Donnerstagnachmittag belaufen sich die seit dem Jahreswechsel erzielten Gewinne der Deutschen Telekom auf weniger als 2 Prozent.
Noch vor wenigen Wochen allerdings gestaltete sich die Ausgangslage deutlich kritischer, nachdem die Aktie auf ein Mehrjahrestief gefallen war und damit ein Verkaufssignal generiert hatte. Diesen Schock hat das Papier nach einer Erholungsrallye gut verdaut, doch aus dem Schneider ist die Deutsche Telekom damit noch nicht wieder. Es besteht die Möglichkeit, dass die jüngste Erholung nur ein korrektiver Aufwärtstrend in einem intakten Abwärtstrend war.
Analyst stuft auf "Halten" ab - sieht in der Telekom ein Opfer des "eigenen Erfolges"
Diese These gewinnt am Donnerstag deutlich an Fahrt, denn mit einem Minus von zeitweise 4 Prozent landet die Telekom-Aktie am Ende des deutschen Leitindex DAX. Gleich zwei negative Entwicklungen belasten den Aktienkurs.
Zum einen hat Florian Treisch, Analyst beim Research-Haus Kepler Cheureux seine Kaufempfehlung kassiert und die Aktie auf "Halten" abgestuft. Zudem hat er sein Kursziel von 35 auf 32 Euro gekürzt. Er bezeichnet die Telekom als "Opfer ihres eigenen Erfolges", nachdem die US-Tochter T-Mobile US unter verschärfte Beobachtung geraten sei. Deren Kurs purzelt schon seit Monaten ohne bislang erkennbare Bodenbildung - nicht zuletzt auch, weil SpaceX mit Starlink gerüchteweise den Einstieg ins Mobilfunkgeschäft erwägt. Da die Deutsche Telekom über eine Mehrheitsbeteiligung verfügt, belastet der Abwärtstrend der Tochter auch die eigene Aktie.
Laut Handelsblatt könnten auf das Unternehmen milliardenschwere Strafzahlungen zukommen
Vergrößert wird die Verunsicherung gegenüber den Anteilen der Bonner durch einen Bericht des Handelsblatts. Demnach könnte die Deutsche Telekom im Zusammenhang mit der 2020 erfolgten Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Sprint durch T-Mobile US vor milliardenschweren Strafzahlungen stehen.
Ein Gericht im US-Bundesstaat Delaware ermittelt wegen möglicher Pflichtverletzungen, im Raum steht eine Schadenssumme von 10,1 Milliarden US-Dollar. Niedrigere Schätzungen rechnet mit 3,6 Milliarden US-Dollar, welche Minderheitsaktionären entstanden sein könnten. Der Prozess soll im Oktober kommenden Jahres stattfinden.
Darüber hinaus belasten auch die steigenden Anleiherenditen die Entwicklung in der überdurchschnittlich stark verschuldeten Kommunikationsbranche. So verzeichnen beispielsweise auch die Anteile des französischen Mitbewerbers Orange hohe Verluste von -5,3 Prozent.

Neue Verluste könnten ein Ende des Erholungstrends bedeuten
Zeitpunkt und Höhe der tagesaktuellen Verluste kommen für die Telekom-Aktie denkbar ungelegen. Zwar hatte das Papier zuletzt einen Aufwärtstrendkanal etablieren und die wichtige 200-Tage-Linie überwinden können, die Position war aber noch nicht ausreichend gefestigt, um einen Ausbruchsversuch über den Widerstandsbereich bei 30 Euro herbeizuführen. Der dürfte für eine dauerhafte Trendwende kritisch sein.
Stattdessen drohen die Anteile jetzt, die 200-Tage-Linie sowie den Aufwärtstrend aufzugeben, was eine Konsolidierung bis mindestens zur 50-Tage-Linie bei gegenwärtig 27,13 Euro nach sich ziehen dürfte. Auch der zeitweise aufgegebene Unterstützungsbereich zwischen 26,00 und 26,50 Euro könnte noch einmal einem Test unterzogen werden. Hierfür spricht vor allem, dass sich die technischen Indikatoren trotz der jüngsten Erholung weiter eingetrübt haben.
Sie sprechen für einen mittelfristigen Abwärtstrend. Sollte es dabei tatsächlich zu einem weiteren Lower High im Bereich des aktuellen Tops um 29 Euro kommen, spräche das auch für das Anhalten des seit März 2025 herrschenden Abwärtstrends. Neue Mehrjahrestiefs könnten in diesem Szenario nur eine Frage der Zeit sein. Das zeigt, dass die jüngste Erholung keineswegs ein Befreiungsschlag für die Aktie war.
Fazit: Schwierige Ausgangslage zwischen schwachem Trend und attraktiver Bewertung
Die Anteile der Deutschen Telekom stehen am Donnerstag nach einem Downgrade und einem kritischen Bericht aus dem Handelsblatt unter hohem Verkaufsdruck. Sie landen mit einem Minus von rund 4 Prozent am Ende des deutschen Leitindex DAX. Für Anlegerinnen und Anleger ist das auch aus charttechnischer Perspektive keine gute Nachricht, da jetzt der mittel- und langfristige Abwärtstrend wieder aufgenommen werden könnte.
Aus einer Bewertungsperspektive muss sich die Aktie dagegen nichts vorwerfen lassen. Mit 14,0 für 2026 und 12,2 für 2027 stehen Gewinnvielfache deutlich unter dem 10-Jahres-Mittel von 17,8 zu Buche. Auch die Dividendenrendite von 3,9 Prozent (bzw. 4,4 Prozent für 2027) überzeugt und liefert Argumente für ein langfristiges Investment. Vor dem Aufstocken von Positionen sollte jedoch eine Bodenbildung abgewartet werden, Für zusätzliche Sicherheit sorgt ein Stopp unterhalb von 26 Euro, sollte es zu keinem vorzeitigen Ende der Verkäufe kommen. Dieses Szenario ist vor allem für anhaltend hohe Anleiherenditen wahrscheinlich, denn die Nettoverschuldung der Bonner liegt bei fast 135,0 Milliarden Euro, was hohe Zins- und Refinanzierungskosten bedeutet.
Gastautor: Max Gross
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.
Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




