Gütersloh/Münster (ots) -
Der Miele-Unternehmer Reinhard Zinkann fordert angesichts der veränderten Rolle der USA ein verteidigungspolitisch stärkeres Europa. "Die,Pax Americana' ist Geschichte. Und wir Europäer müssen unseren Beitrag leisten", sagte Zinkann im Interview mit der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen". Europa müsse "als Europa gemeinsam verteidigungsfähig sein". An der grundsätzlichen Bündnistreue der USA zweifelt Zinkann dennoch nicht. Auf die Frage, ob er US-Präsident Donald Trump persönlich traue, sagte er: "Persönlich habe ich gewisse Zweifel an der Person. Dafür ist zu viel passiert, zu vieles war unberechenbar."
Zinkann ist Vorsitzender der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL), die den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens vergibt. In diesem Jahr wird die Nato ausgezeichnet. Generalsekretär Mark Rutte soll den Preis am 1. Oktober im Historischen Rathaus in Münster entgegennehmen, die Laudatio hält Bundeskanzler Friedrich Merz.
Die umstrittene Entscheidung verteidigte Zinkann ausdrücklich. Er sehe keinen Widerspruch darin, ein Militärbündnis mit einem Friedenspreis auszuzeichnen. Die Nato sei ein Verteidigungsbündnis und seit mehr als 75 Jahren "ein Garant für unsere demokratische, freiheitliche, marktwirtschaftliche Ordnung". Eine starke Verteidigung halte potenzielle Aggressoren von einem Angriff ab. Zugleich betonte Zinkann: "Krieg zerstört nur, er baut nie auf. Und am Ende zahlen die Menschen die Zeche.
"In Münster regt sich gegen die Auszeichnung der Nato Protest. Eine Initiative vergibt einen alternativen Friedenspreis an ein Netzwerk für Kriegsdienstverweigerer. Zinkann bezeichnete auch dies als legitimes Recht in einer liberalen Demokratie und bot den Kritikern einen offenen Dialog an. Ihn störten allerdings "zum Teil sehr einseitige Debatten", wenn Kriegsdienstverweigerer überhöht und Soldaten pauschal verurteilt würden. Zinkann verwies dabei auf seine eigene Zeit als Soldat: Bei seiner Vereidigung seien "Tomaten und Eier geflogen".
Sorge bereitet dem 66-Jährigen auch die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung. "Die Gesellschaft treibt auseinander, wird immer individualistischer", sagte Zinkann. Besonders problematisch sei, dass "die Mitte es offensichtlich nicht schafft, die Ränder wieder einzusammeln". Das mache ihm "sehr, sehr große Sorgen".
Dabei sieht der Miele-Gesellschafter einen engen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Stärke, gesellschaftlicher Stabilität und Frieden. Wirtschaftliche Schwäche, Armut und Hunger seien historisch häufig Treiber von Krieg und Unruhen gewesen. Falle Deutschland wirtschaftlich dauerhaft zurück und entstehe hohe Arbeitslosigkeit, führe dies zu Unruhe und zur Suche nach Feindbildern. "Dann wird die Debatte nicht rational, sondern emotional geführt."
Zinkann forderte deshalb weitere Reformen in Deutschland. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten unter anderem über Arbeitszeit sprechen, zudem seien Veränderungen bei den sozialen Sicherungssystemen und der Rente notwendig. Die von der Bundesregierung angestoßenen Reformen bezeichnete er als "einen Anfang", dem weitere Schritte folgen müssten.
Auch Unternehmen sieht Zinkann in der Verantwortung. Unternehmertum bedeute für ihn "persönliche Verantwortung", sagte der geschäftsführende Miele-Gesellschafter. Ziel sei es, Miele als unabhängiges Familienunternehmen zu sichern. Angesichts sich schnell verändernder Märkte und neuer Wettbewerber könne er allerdings nicht vorhersagen, welche Entscheidungen künftig notwendig würden.
Das vollständige Interview lesen Sie hier: https://www.nw.de/nachrichten/zwischen_weser_und_rhein/24405208_Miele-Chef-Zinkann-Warum-die-Nato-den-Westfaelischen-Friedenspreis-verdient-hat.html
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Der Miele-Unternehmer Reinhard Zinkann fordert angesichts der veränderten Rolle der USA ein verteidigungspolitisch stärkeres Europa. "Die,Pax Americana' ist Geschichte. Und wir Europäer müssen unseren Beitrag leisten", sagte Zinkann im Interview mit der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen". Europa müsse "als Europa gemeinsam verteidigungsfähig sein". An der grundsätzlichen Bündnistreue der USA zweifelt Zinkann dennoch nicht. Auf die Frage, ob er US-Präsident Donald Trump persönlich traue, sagte er: "Persönlich habe ich gewisse Zweifel an der Person. Dafür ist zu viel passiert, zu vieles war unberechenbar."
Zinkann ist Vorsitzender der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL), die den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens vergibt. In diesem Jahr wird die Nato ausgezeichnet. Generalsekretär Mark Rutte soll den Preis am 1. Oktober im Historischen Rathaus in Münster entgegennehmen, die Laudatio hält Bundeskanzler Friedrich Merz.
Die umstrittene Entscheidung verteidigte Zinkann ausdrücklich. Er sehe keinen Widerspruch darin, ein Militärbündnis mit einem Friedenspreis auszuzeichnen. Die Nato sei ein Verteidigungsbündnis und seit mehr als 75 Jahren "ein Garant für unsere demokratische, freiheitliche, marktwirtschaftliche Ordnung". Eine starke Verteidigung halte potenzielle Aggressoren von einem Angriff ab. Zugleich betonte Zinkann: "Krieg zerstört nur, er baut nie auf. Und am Ende zahlen die Menschen die Zeche.
"In Münster regt sich gegen die Auszeichnung der Nato Protest. Eine Initiative vergibt einen alternativen Friedenspreis an ein Netzwerk für Kriegsdienstverweigerer. Zinkann bezeichnete auch dies als legitimes Recht in einer liberalen Demokratie und bot den Kritikern einen offenen Dialog an. Ihn störten allerdings "zum Teil sehr einseitige Debatten", wenn Kriegsdienstverweigerer überhöht und Soldaten pauschal verurteilt würden. Zinkann verwies dabei auf seine eigene Zeit als Soldat: Bei seiner Vereidigung seien "Tomaten und Eier geflogen".
Sorge bereitet dem 66-Jährigen auch die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung. "Die Gesellschaft treibt auseinander, wird immer individualistischer", sagte Zinkann. Besonders problematisch sei, dass "die Mitte es offensichtlich nicht schafft, die Ränder wieder einzusammeln". Das mache ihm "sehr, sehr große Sorgen".
Dabei sieht der Miele-Gesellschafter einen engen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Stärke, gesellschaftlicher Stabilität und Frieden. Wirtschaftliche Schwäche, Armut und Hunger seien historisch häufig Treiber von Krieg und Unruhen gewesen. Falle Deutschland wirtschaftlich dauerhaft zurück und entstehe hohe Arbeitslosigkeit, führe dies zu Unruhe und zur Suche nach Feindbildern. "Dann wird die Debatte nicht rational, sondern emotional geführt."
Zinkann forderte deshalb weitere Reformen in Deutschland. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten unter anderem über Arbeitszeit sprechen, zudem seien Veränderungen bei den sozialen Sicherungssystemen und der Rente notwendig. Die von der Bundesregierung angestoßenen Reformen bezeichnete er als "einen Anfang", dem weitere Schritte folgen müssten.
Auch Unternehmen sieht Zinkann in der Verantwortung. Unternehmertum bedeute für ihn "persönliche Verantwortung", sagte der geschäftsführende Miele-Gesellschafter. Ziel sei es, Miele als unabhängiges Familienunternehmen zu sichern. Angesichts sich schnell verändernder Märkte und neuer Wettbewerber könne er allerdings nicht vorhersagen, welche Entscheidungen künftig notwendig würden.
Das vollständige Interview lesen Sie hier: https://www.nw.de/nachrichten/zwischen_weser_und_rhein/24405208_Miele-Chef-Zinkann-Warum-die-Nato-den-Westfaelischen-Friedenspreis-verdient-hat.html
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