DJ KONJUNKTUR IM BLICK/Euroraum-Inflationsdruck nimmt im August zu
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Iran-Krieg und die damit verbundene Störung der Öl- und Gaslieferungen halten die Inflation in den Verbraucherländern hoch und die Zentralbanken in Alarmbereitschaft. Allerdings scheint die US-Notenbank die Sache etwas entspannter zu sehen als die Europäische Zentralbank (EZB): Während viele Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) abwarten wollen, ob aus dem Angebotsschock ein breit angelegter Inflationsdruck wird, ist die EZB mittlerweile auf dem Weg zu ihrer zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr. Eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte am 10. September ist voll eingepreist. Daran dürfte sich auch nichts ändern, wenn sich die Verbraucherpreise im August wie erwartet entwickelt haben sollten.
Wichtigster Termin der Woche ist der US-Arbeitsmarktbericht. Außerdem kommen Zinsentscheidungen aus Neuseeland und Kanada, chinesische Einkaufsmanagerindizes und die ISM-Indizes. Am Sonntag finden in Sachsen-Anhalt Landtagswahlen statt.
Inflationsdruck im Euroraum steigt im August
Die Inflation im Euroraum dürfte im August gestiegen sein. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte rechnen damit, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,3 gestiegen sind und um 3,3 (Juli: 2,9) Prozent über dem Niveau des Vormonats lagen. Für die Kernverbraucherpreise werden Raten von 0,3 und 2,5 (2,5) Prozent erwartet. Die Zahlen werden am Dienstag (11.00 Uhr) veröffentlicht.
Beeinflusst werden die Erwartungen noch von den deutschen Daten, die am Montag (14.00 Uhr) kommen. Volkswirte erwarten, dass der Harmonisierte Verbraucherpreisindex mit einer Jahresrate von 3,2 (Juli: 2,8) Prozent gestiegen ist. Spaniens HVPI-Teuerung hat auf 4,5 (3,9) Prozent zugelegt und Frankreichs auf 2,7 (2,4) Prozent.
Deutscher Auftragseingang sinkt im Juli
Der Auftragseingang der deutschen Industrie dürfte im Juli nach dem kräftigen Zuwachs Juni leicht gesunken sein. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte rechnen damit, dass die Bestellungen gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent zurückgegangen sind, nachdem sie im Juni um 3,1 Prozent angezogen hatten. Ein Augenmerk dürfte auf den Auftragseingängen ohne Großaufträge liegen, die - ungeachtet der jüngsten Jubelstimmung - drei Mal hintereinander gesunken waren.
US-Beschäftigung steigt im August um 58.000
Nach dem überraschenden Verlust von 23.000 Stellen im Juli rechnen Ökonomen für August mit einem Aufbau von 58.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft. Die Arbeitslosenquote dürfte von 4,1 auf 4,2 Prozent steigen, während das Lohnwachstum mit 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat moderat bleiben sollte. Ein solches Ergebnis würde die Einschätzung stützen, dass sich der Arbeitsmarkt geordnet abkühlt, ohne in eine tiefe Rezession abzugleiten.
Parallel sorgt die anstehende Benchmark-Revision des Bureau of Labor Statistics (BLS) für Diskussionsstoff. Erwartet wird eine Aufwärtskorrektur des Beschäftigungsstands (März 2026) um 100.000 bis 200.000 Stellen - getrieben vor allem durch den öffentlichen Sektor. Dies sollte jedoch nicht als plötzliche Stärke fehlinterpretiert werden: Einerseits basieren die Anpassungen auf teils stark nach unten revidierten Vorperioden, andererseits greifen methodische Modellanpassungen bei Unternehmensgründungen und -schließungen erst zeitversetzt. Die finale Überarbeitung folgt zudem erst Anfang 2027.
(Mitarbeit: Andreas Plecko)
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/apo/sha
(END) Dow Jones Newswires
August 28, 2026 09:57 ET (13:57 GMT)
Copyright (c) 2026 Dow Jones & Company, Inc.
