FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Staatsanleihen haben am Freitag nach Aussagen von US-Notenbankchef Kevin Warsh etwas nachgegeben. Der richtungweisende Euro-Bund-Future sank um 0,11 Prozent auf 123,60 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg 3,27 Prozent. Die Reaktionen an den europäischen Märkten war jedoch nicht so stark wie in den USA.
Mit ungewöhnlich deutlichen Worten zur hohen Inflation in den USA hat Fed-Chef Kevin Warsh Bereitschaft für eine straffere Geldpolitik signalisiert. "Wir müssen davon überzeugt sein, dass sich die Kerninflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit unserem Ziel annähert. Andernfalls haben wir noch einiges zu tun", sagte er laut Redemanuskript beim Notenbank-Treffen der Federal Reserve of Kansas City in Jackson Hole.
"Der Fed-Chef ist bereit, an der Zinsschraube zu drehen, falls die Inflationslage sich nicht zügig aufhellt", kommentierte Elmar Völker, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg. Warsh erhöhe so die Spannung vor der nächsten Zinssitzung, die Mitte-September anstehe. "Die US-Inflationsdaten für August, die wenige Tage vor diesem Termin veröffentlicht werden, bilden mutmaßlich das Zünglein an der Waage."
In wichtigen Ländern der Eurozone beschleunigte sich die Inflation im August unterdessen deutlich. Verantwortlich für den Anstieg der Inflationsraten in Frankreich und Spanien sind die zuletzt wieder gestiegenen Energiepreise. Die erneute Zuspitzung im Iran-Krieg hatte im August die Ölpreise nach oben getrieben.
Auch in der Eurozone insgesamt wird ein merklicher Anstieg der Inflationsrate erwartet. Auf die Anleihekurse wirkten sich die Zahlen aber kaum aus. Schließlich wird an den Finanzmärkten ganz überwiegend erwartet, dass die EZB ihre Leitzinsen im September anheben wird./jsl/mis
