Berlin (ots) -
Lotte, Paulin, Panama. Als fußballinteressierte Frau kenne ich sie, die Codeworte, durch die Betroffene von Gewalt in Stadien um Hilfe fragen können. Zwar sind die dortigen Fankurven eine Art Safe Space für männliche Familienmitglieder und Freunde, die dort plötzlich singen, weinen, Verletzlichkeit zeigen und Freundschaften fürs Leben schließen können. Zugleich sind sie aber auch ein Herd martialischer Männlichkeit, wo der gesellschaftlich vorhandene strukturelle Sexismus und sexualisierte Gewalt auf einen üppigen Nährboden fallen.
Das zeigt sich an Ultra-Gruppierungen, die bis heute noch mit Slogans wie "Keine Weiber in den ersten drei Reihen" werben, in Gesprächen über "Vorfälle" hinter vorgehaltener Hand in Fankurven, an Statistiken von Awareness-Teams und daran, dass jene Teams und eben erwähnte Codeworte überhaupt nötig sind. Und ja, natürlich gilt das auch für linke Ultras.
Deshalb kann der Umstand, dass es unter der Fangruppe Ultrà Sankt Pauli offenbar Übergriffe in den eigenen Reihen gegeben hat, keinen echten Fußballfan überraschen. Was allerdings positiv überrascht, ist der Umgang damit. Denn die Ultràs haben auf den ersten Blick vieles richtig gemacht. Sie sind eingeschritten, als sie von den Übergriffen erfahren haben. Sie haben Abstand zwischen Tätern und Betroffenen geschaffen. Sie haben sich in einen internen Aushandlungsprozess begeben, um die Strukturen zu ermitteln, die das übergriffige Verhalten ermöglicht haben, und um bessere Präventivmaßnahmen zu entwickeln. Außerdem haben sie in einem öffentlichen Statement Verantwortung für die Aufarbeitung der Taten übernommen.
Bleibt zu hoffen, dass die Veröffentlichung mit Einverständnis der Betroffenen passiert ist, dass sich die Ultràs auch in einen Arbeitsprozess mit den Tätern - wie sie sie nennen - begeben und dass die Veröffentlichung das lostritt, was sich die St. Pauli-Fans davon laut ihrem Statement erhoffen: eine breite und ehrliche Debatte über Grenzüberschreitungen und Gewalt in der Szene. Damit das Stadion irgendwann ein Safe Space für mehr als fragile Männlichkeit sein kann.
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Lotte, Paulin, Panama. Als fußballinteressierte Frau kenne ich sie, die Codeworte, durch die Betroffene von Gewalt in Stadien um Hilfe fragen können. Zwar sind die dortigen Fankurven eine Art Safe Space für männliche Familienmitglieder und Freunde, die dort plötzlich singen, weinen, Verletzlichkeit zeigen und Freundschaften fürs Leben schließen können. Zugleich sind sie aber auch ein Herd martialischer Männlichkeit, wo der gesellschaftlich vorhandene strukturelle Sexismus und sexualisierte Gewalt auf einen üppigen Nährboden fallen.
Das zeigt sich an Ultra-Gruppierungen, die bis heute noch mit Slogans wie "Keine Weiber in den ersten drei Reihen" werben, in Gesprächen über "Vorfälle" hinter vorgehaltener Hand in Fankurven, an Statistiken von Awareness-Teams und daran, dass jene Teams und eben erwähnte Codeworte überhaupt nötig sind. Und ja, natürlich gilt das auch für linke Ultras.
Deshalb kann der Umstand, dass es unter der Fangruppe Ultrà Sankt Pauli offenbar Übergriffe in den eigenen Reihen gegeben hat, keinen echten Fußballfan überraschen. Was allerdings positiv überrascht, ist der Umgang damit. Denn die Ultràs haben auf den ersten Blick vieles richtig gemacht. Sie sind eingeschritten, als sie von den Übergriffen erfahren haben. Sie haben Abstand zwischen Tätern und Betroffenen geschaffen. Sie haben sich in einen internen Aushandlungsprozess begeben, um die Strukturen zu ermitteln, die das übergriffige Verhalten ermöglicht haben, und um bessere Präventivmaßnahmen zu entwickeln. Außerdem haben sie in einem öffentlichen Statement Verantwortung für die Aufarbeitung der Taten übernommen.
Bleibt zu hoffen, dass die Veröffentlichung mit Einverständnis der Betroffenen passiert ist, dass sich die Ultràs auch in einen Arbeitsprozess mit den Tätern - wie sie sie nennen - begeben und dass die Veröffentlichung das lostritt, was sich die St. Pauli-Fans davon laut ihrem Statement erhoffen: eine breite und ehrliche Debatte über Grenzüberschreitungen und Gewalt in der Szene. Damit das Stadion irgendwann ein Safe Space für mehr als fragile Männlichkeit sein kann.
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