München (ots) -
Von der Macht der Archive und den Leerstellen der Erinnerung: Ausstellung und Symposium im Haus der Kunst ab 4. September 2026
Eine bezahlbare Wohnung ist für die meisten Menschen ein unerfüllbarer Traum und der Klimawandel mit Hitzewellen längst zum Albtraum geworden. In der Ausstellung "Memory Gap - Potentiale archivalischer Praxen in der Gegenwartskunst" setzen sich 17 Künstler*innen aus fünf Kontinenten im Haus der Kunst in München mit dem Zustand der Welt, Leerstellen der Erinnerung, Geschlechtergerechtigkeit und der Macht von Archiven auseinander. Digitalisierungsprozesse sind heute Teil des kollektiven Gedächtnisses, doch was davon wird sich in Archiven wiederfinden?
Am 4. September 2026 lädt der Künstler*innenverbund im Haus der Kunst um 18 Uhr zur Eröffnung ein (bis 19.9.). Zu sehen sind u.a. Arbeiten von weltweit bekannten Documenta-Künstler*innen wie Sanja Ivekovic, Zanele Muholi und Oliver Ressler, noch nie gezeigte Fotografien aus dem legendären Berliner Atelier Jacobi um 1930 und jungen Künstler*innen, deren Namen sich Kunstbegeisterte merken sollten.
Die ausgestellten Werke zeigen ein breites Spektrum methodischer Ansätze und Arbeitsweisen und entfalten vielfältige Potentiale archivalischer Praxen in der Gegenwartskunst. Dreidimensionale, skulpturale Objekte unterschiedlicher Materialität treten in Dialog mit Videoprojektionen, fotografischen Positionen, Zeichnung und Performancekunst.
Vom 5. bis 19. September 2026, täglich außer Dienstag von 10 bis 20 Uhr im Haus der Kunst. Weitere Infos: kuenstlerverbund-hausderkunst.de/
Kuratiert von Petra Gerschner
Symposium zur Ausstellung; PASSING TO THE FUTURE | Sa | 12. September | 13:00 - 18:00 Uhr | Auditorium HDK | Eintritt frei
Künstler*innen und Wissenschaftler*innen stellen im interdisziplinären Dialog Strategien und Methoden ihrer archivischen Arbeitsprozesse vor, verweisen auf "memory gaps" und diskutieren Fragen der Zukunftserinnerung. Mit Dr. Anke Hoffstadt, Béla Juttner, Zara Jakob Pfeiffer, Paula Pongratz, Dr. Attila Schlingmann, Joachim Seinfeld, Katrin Winkler u.a.
PRESSEMITTEILUNG (Langfassung)
MEMORY GAP - Potentiale archivalischer Praxen in der Gegenwartskunst
Eröffnung: Freitag, 4. September 2026, 18 Uhr mit Dr. Andrea Lissoni, Künstlerischer Direktor im Haus der Kunst und Petra Gerschner, Kuratorin der Ausstellung
Performance Béla Juttner | The Diva
Die Eröffnung wird simultan in Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt.
Ausstellung
Haus der Kunst | Südgalerie | Prinzregentenstr. 1 | 80538 München5. - 19. September 2026 | Mi - Mo | 10:00 - 20:00 Uhr | Di geschlossen
Künstler*innen
Zanny Begg & Oliver Ressler | Hsiao-Shu Chen | Anna Maria Eichlinger | Nicole Frenzel | Friederike & Uwe | Nausikaa Hacker | Regina Hellwig-Schmid | Sanja Ivekovic | Atelier Jacobi | Béla Juttner | Zanele Muholi | Paula Pongratz Walter Seidl | Joachim Seinfeld | Katrin Winkler
Zur Ausstellung MEMORY GAP
Die Faszination von Archiven als Wissensspeicher, Aufbewahrungsort von Dokumenten, Fotografien, Filmen und Artefakten sowie als Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung ist ungebrochen. Archive adressieren die Zukunft. Sie sind gesellschaftliches Gedächtnis, das die längste Zeit verschlossen und im Verborgenen bleibt. Die Ausstellung MEMORY GAP befragt die Auseinandersetzung mit archivischen Strategien und Methoden in künstlerischen Prozessen.
17 Künstler*innen aus fünf Kontinenten
Die ausgestellten Werke der 17 Künstler*innen aus fünf Kontinenten dekonstruieren etablierte Ordnungssysteme und recherchieren deren Botschaften. Sie identifizieren und durchleuchten missing links, erstellen neue Bedeutungszusammenhänge und entwickeln eigene historische wie biografische Erinnerungsmodelle.
Bezugnehmend auf den bestehenden Archivkosmos agieren die Künstler*innen der Ausstellung MEMORY GAP als Untersuchende, Sammelnde, Hinterfragende und Forschende. Mit ihren künstlerischen Interventionen unterlaufen und attackieren sie dabei die offizielle Lesart hegemonialer Narrative.
Zeugnisse dessen, was nicht gesagt wird
Archive beanspruchen Deutungsmacht. In ihnen spiegeln sich die Interessen und Machtverhältnisse sowie die Sammlungs- und Repräsentationsgeschichte, die der Genese eines jeden Archivs immanent sind. "Archive sind demnach auch Zeugnisse dessen, was nicht gesagt und erinnert wird, des Schweigens, Marginalisierens, der Lücke, des MEMORY GAPs", sagt Kuratorin Petra Gerschner.
So sind Fragen der Darstellung und der kollektiven Erinnerung stets auch Fragen gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse und Ausdruck realer Dominanzstrukturen. "Die Künstler*innen der Ausstellung entwickeln Modelle der Selbstermächtigung, um neue Perspektivierungen auf Geschichte auszuloten, von Archiven formierte Regelsysteme durch subversive Impulse oder poetische Eingriffe aufzubrechen und mit anarchivischen Inhalten zu füllen", so Gerschner.
Die ausgestellten Werke zeigen ein breites Spektrum methodischer Ansätze und Arbeitsweisen der Gegenwartskunst. Dreidimensionale, skulpturale Objekte unterschiedlicher Materialität entfalten ihr archivalisches Potential und treten in Dialog mit Videoprojektionen, fotografischen Positionen, Zeichnung und Performancekunst.
Archiv des Künstler*innenverbunds im Haus der Kunst
Auch ein Teil des Archivs des Künstler*innenverbund im Haus der Kunst e.V. (vormals Ausstellungsleitung München e.V.) findet im Rahmen der Ausstellung MEMORY GAP öffentliche Repräsentanz: Alle Ausstellungspublikationen von 1949 bis 2025 werden als Präsenzbibliothek erstmals den Besucher*innen zur Verfügung stehen. Über sieben Jahrzehnte führte das KV-Archiv einen Dornröschenschlaf im Haus der Kunst. Dieses Archiv dokumentiert die Ausstellungstätigkeit der Künstler*innenvereinigungen im Haus der Kunst von 1948 bis heute. Im Frühjahr 2026 wurde es an das Bayerische Hauptstaatsarchiv übergeben und kann nun für Forschungsfragen - vom Ausstellungswesen der Nachkriegszeit über Kunstmarkt- und Provenienzforschung bis zur Selbstorganisierung der Künstler*innen - wissenschaftlich bearbeitet werden.
Kuratiert von
Petra Gerschner
PRESSEMITTEILUNG zum
Symposium im Haus der Kunst am Samstag, 12.09.2026
PASSING TO THE FUTURE
Im Rahmen der Ausstellung MEMORY GAP im Haus der Kunst findet
am 12. September 2026 das Symposium PASSING TO THE FUTURE statt:
Künstler*innen und Wissenschaftler*innen stellen im interdisziplinären Dialog Strategien und Methoden ihrer archivischen Arbeitsprozesse vor, verweisen auf "memory gaps" und diskutieren Fragen der Zukunftserinnerung.
Der Historische Archäologe Attila Dézsi Schlingmann, der an der Uni Tübingen u.a. zu "utopischen Siedlungen" forscht, wird sein Ausgrabungsprojekt im Wendland vorstellen: Eine faszinierende Spurensuche an den Orten des Widerstandscamps der Anti-Atom-Bewegung gegen das atomare Endlager in Gorleben. Deutliche kulturelle Unterschiede bzgl. Ernährungs- und Müllverhalten zeigen seine dortigen Funde im Vergleich zum ausgegrabenen "Feldlager" der Polizei.
Die Wissenschaftlerin Anke Hoffstadt von der Hochschule Düsseldorf arbeitet u.a. zu widerständigen Erinnerungspraxen sowie Machtkritik in der Gedächtnisarbeit. Sie wird sich in ihrem Beitrag "Erinnern heißt Zuhören" der Frage widmen, welchen Stellenwert Wissen und Erinnern an rechte, rassistische und antisemitische Gewalt in gegenwärtigen Erzählungen einer postnationalsozialistischen, postmigrantischen Gesellschaft einnehmen (können).
Zara Jakob Pfeiffer arbeitet zu Geschlechterverhältnissen und LGBTIQ*, feministischen Bewegungen und antifeministischen Diskursen sowie postkolonialer und postnationalsozialistischer Erinnerungskultur. Als Politikwissenschaftler*in spricht Pfeiffer auf dem Symposium über "Decolonice München. Gespenster/Ge/schichten" als postkoloniales Archiv.
Der Künstler Joachim Seinfeld stellt das Ausstellungsprojekt "Representations of Auschwitz" vor, an dem er 1995 in der Gedenkstätte mitgearbeitet hat, und spricht über seine Arbeit "Souvenir Photograph".
Die Künstler*innen Béla Juttner, Paula Pongratz und Katrin Winkler sprechen über ihre Arbeit und reflektieren die Potentiale archivalischer Praxen in der Gegenwartskunst.
Am Samstag, 12. September 2026 von 13 bis 18 Uhr, Auditorium Haus der Kunst (Eintritt frei).
15:00 Uhr Performance Béla Juttner | The Diva
Weitere Infos unter: kuenstlerverbund-hausderkunst.de/
Weitere Fotos unter:
https://www.kvhdk.de/ausstellungen/memory-gap/pressematerial-memory-gap.html
Hinweis: Die Fotos dürfen nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ausstellung MEMORY GAP und bei korrekter Angabe der Künstler*innen und Credits verwendet werden:
Zanny Begg & Oliver Ressler Aus dem Film Anubumin, 2017, HD-Video, 18 Min., Videostill © the artists
Hsiao-Shu Chen IMMOSCOUT, Wohn- und Lebensträume auf Keramiktafeln: Objekt, Nr. 2 und 3 © Hsiao-Shu Chen
Anna Maria Eichlinger Mein Familienschmuck, 1997, 9-teilige Arbeit, Schmuckschatulle Beton, gegossen Foto: © Erol Gurian
Nicole Frenzel Saints and Classics hangin' around, 2025/26, Zellgummi geschnitten, mehrteilig © Nicole Frenzel
Friederike & Uwe Schocschlum, 2007, 3-teiliges Objekt, Kunststoffmosaik/Fernsehgehäuse Memory, 2007 - 2011, 67-teilige Serie aus Kunststoffmosaik © Friederike & Uwe
Nausikaa Hacker Landschaften, 2022, 16 Rahmen, Asche mit Wasserglas auf Wischgaze © Nausikaa Hacker
Regina Hellwig-Schmid KofferGeschichten - KofferNotizen, 1996 - 2026 work in progress, Installation Koffer mit handgeschriebenen Schriftstücken, 12 Kohlezeichnungen auf altem Papier 30 x 40 cm © Regina Hellwig-Schmid
Sanja Ivekovic: Personal Cuts, 1982, Still aus der Videoarbeit von Sanja Ivekovic © Kontakt Sammlung, Wien
Atelier Jacobi Wohnung von Lee Parry: Garderobe, 1930, Baryt auf Karton © Atelier Jacobi, Photothek, ZI Zentralinstitut für Kunstgeschichte München
Béla Juttner The Diva 2.0, 2026, Detail aus der Installation zur Performance The Diva © Béla Juttner
Paula Pongratz HalbrohCDiamanten, 2025, CDs, CD-ROMs, DVDs, Epoxidharz, Freihand-Brillantschliff © Paula Pongratz
Walter Seidl SERENDIPITY, 1997-2022, 4 digitale Diainstallationen mit Sound, work in progress, das unterschiedliche Lebensabschnitte von US-amerikanischen Freund*innen des Künstlers zeigt, hier ein Bild aus der Serie D & S © Walter Seidl
Joachim Seinfeld Aus der Photoperformance Wenn Deutsche lustig sind, 2018 Köln 1915 - Gymnasiasten an Kaisers Geburtstag © the artist
Katrin Winkler you cannot trust the colors, 2021, 2 Kanal Video Installation, Videostill © Katrin Winkler
Foto zum Symposium: PASSING TO THE FUTURE
Attila Dézsi Schlingmann Was die Ausgrabungen im Wendland 2017 zutage gefördert haben. © Attila Dézsi Schlingmann
Pressekontakt:
Medienkontakt & Presseanfragen: Michael Backmund
michael.backmund@mnet-mail.de
Weitere Informationen & Pressematerial zum Download:
https://www.kuenstlerverbund-hausderkunst.de
instagram.com/kuenstlerverbund_hausderkunst/
Original-Content von: Künster*innenverbund im Haus der Kunst, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/183230/6342526
Von der Macht der Archive und den Leerstellen der Erinnerung: Ausstellung und Symposium im Haus der Kunst ab 4. September 2026
Eine bezahlbare Wohnung ist für die meisten Menschen ein unerfüllbarer Traum und der Klimawandel mit Hitzewellen längst zum Albtraum geworden. In der Ausstellung "Memory Gap - Potentiale archivalischer Praxen in der Gegenwartskunst" setzen sich 17 Künstler*innen aus fünf Kontinenten im Haus der Kunst in München mit dem Zustand der Welt, Leerstellen der Erinnerung, Geschlechtergerechtigkeit und der Macht von Archiven auseinander. Digitalisierungsprozesse sind heute Teil des kollektiven Gedächtnisses, doch was davon wird sich in Archiven wiederfinden?
Am 4. September 2026 lädt der Künstler*innenverbund im Haus der Kunst um 18 Uhr zur Eröffnung ein (bis 19.9.). Zu sehen sind u.a. Arbeiten von weltweit bekannten Documenta-Künstler*innen wie Sanja Ivekovic, Zanele Muholi und Oliver Ressler, noch nie gezeigte Fotografien aus dem legendären Berliner Atelier Jacobi um 1930 und jungen Künstler*innen, deren Namen sich Kunstbegeisterte merken sollten.
Die ausgestellten Werke zeigen ein breites Spektrum methodischer Ansätze und Arbeitsweisen und entfalten vielfältige Potentiale archivalischer Praxen in der Gegenwartskunst. Dreidimensionale, skulpturale Objekte unterschiedlicher Materialität treten in Dialog mit Videoprojektionen, fotografischen Positionen, Zeichnung und Performancekunst.
Vom 5. bis 19. September 2026, täglich außer Dienstag von 10 bis 20 Uhr im Haus der Kunst. Weitere Infos: kuenstlerverbund-hausderkunst.de/
Kuratiert von Petra Gerschner
Symposium zur Ausstellung; PASSING TO THE FUTURE | Sa | 12. September | 13:00 - 18:00 Uhr | Auditorium HDK | Eintritt frei
Künstler*innen und Wissenschaftler*innen stellen im interdisziplinären Dialog Strategien und Methoden ihrer archivischen Arbeitsprozesse vor, verweisen auf "memory gaps" und diskutieren Fragen der Zukunftserinnerung. Mit Dr. Anke Hoffstadt, Béla Juttner, Zara Jakob Pfeiffer, Paula Pongratz, Dr. Attila Schlingmann, Joachim Seinfeld, Katrin Winkler u.a.
PRESSEMITTEILUNG (Langfassung)
MEMORY GAP - Potentiale archivalischer Praxen in der Gegenwartskunst
Eröffnung: Freitag, 4. September 2026, 18 Uhr mit Dr. Andrea Lissoni, Künstlerischer Direktor im Haus der Kunst und Petra Gerschner, Kuratorin der Ausstellung
Performance Béla Juttner | The Diva
Die Eröffnung wird simultan in Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt.
Ausstellung
Haus der Kunst | Südgalerie | Prinzregentenstr. 1 | 80538 München5. - 19. September 2026 | Mi - Mo | 10:00 - 20:00 Uhr | Di geschlossen
Künstler*innen
Zanny Begg & Oliver Ressler | Hsiao-Shu Chen | Anna Maria Eichlinger | Nicole Frenzel | Friederike & Uwe | Nausikaa Hacker | Regina Hellwig-Schmid | Sanja Ivekovic | Atelier Jacobi | Béla Juttner | Zanele Muholi | Paula Pongratz Walter Seidl | Joachim Seinfeld | Katrin Winkler
Zur Ausstellung MEMORY GAP
Die Faszination von Archiven als Wissensspeicher, Aufbewahrungsort von Dokumenten, Fotografien, Filmen und Artefakten sowie als Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung ist ungebrochen. Archive adressieren die Zukunft. Sie sind gesellschaftliches Gedächtnis, das die längste Zeit verschlossen und im Verborgenen bleibt. Die Ausstellung MEMORY GAP befragt die Auseinandersetzung mit archivischen Strategien und Methoden in künstlerischen Prozessen.
17 Künstler*innen aus fünf Kontinenten
Die ausgestellten Werke der 17 Künstler*innen aus fünf Kontinenten dekonstruieren etablierte Ordnungssysteme und recherchieren deren Botschaften. Sie identifizieren und durchleuchten missing links, erstellen neue Bedeutungszusammenhänge und entwickeln eigene historische wie biografische Erinnerungsmodelle.
Bezugnehmend auf den bestehenden Archivkosmos agieren die Künstler*innen der Ausstellung MEMORY GAP als Untersuchende, Sammelnde, Hinterfragende und Forschende. Mit ihren künstlerischen Interventionen unterlaufen und attackieren sie dabei die offizielle Lesart hegemonialer Narrative.
Zeugnisse dessen, was nicht gesagt wird
Archive beanspruchen Deutungsmacht. In ihnen spiegeln sich die Interessen und Machtverhältnisse sowie die Sammlungs- und Repräsentationsgeschichte, die der Genese eines jeden Archivs immanent sind. "Archive sind demnach auch Zeugnisse dessen, was nicht gesagt und erinnert wird, des Schweigens, Marginalisierens, der Lücke, des MEMORY GAPs", sagt Kuratorin Petra Gerschner.
So sind Fragen der Darstellung und der kollektiven Erinnerung stets auch Fragen gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse und Ausdruck realer Dominanzstrukturen. "Die Künstler*innen der Ausstellung entwickeln Modelle der Selbstermächtigung, um neue Perspektivierungen auf Geschichte auszuloten, von Archiven formierte Regelsysteme durch subversive Impulse oder poetische Eingriffe aufzubrechen und mit anarchivischen Inhalten zu füllen", so Gerschner.
Die ausgestellten Werke zeigen ein breites Spektrum methodischer Ansätze und Arbeitsweisen der Gegenwartskunst. Dreidimensionale, skulpturale Objekte unterschiedlicher Materialität entfalten ihr archivalisches Potential und treten in Dialog mit Videoprojektionen, fotografischen Positionen, Zeichnung und Performancekunst.
Archiv des Künstler*innenverbunds im Haus der Kunst
Auch ein Teil des Archivs des Künstler*innenverbund im Haus der Kunst e.V. (vormals Ausstellungsleitung München e.V.) findet im Rahmen der Ausstellung MEMORY GAP öffentliche Repräsentanz: Alle Ausstellungspublikationen von 1949 bis 2025 werden als Präsenzbibliothek erstmals den Besucher*innen zur Verfügung stehen. Über sieben Jahrzehnte führte das KV-Archiv einen Dornröschenschlaf im Haus der Kunst. Dieses Archiv dokumentiert die Ausstellungstätigkeit der Künstler*innenvereinigungen im Haus der Kunst von 1948 bis heute. Im Frühjahr 2026 wurde es an das Bayerische Hauptstaatsarchiv übergeben und kann nun für Forschungsfragen - vom Ausstellungswesen der Nachkriegszeit über Kunstmarkt- und Provenienzforschung bis zur Selbstorganisierung der Künstler*innen - wissenschaftlich bearbeitet werden.
Kuratiert von
Petra Gerschner
PRESSEMITTEILUNG zum
Symposium im Haus der Kunst am Samstag, 12.09.2026
PASSING TO THE FUTURE
Im Rahmen der Ausstellung MEMORY GAP im Haus der Kunst findet
am 12. September 2026 das Symposium PASSING TO THE FUTURE statt:
Künstler*innen und Wissenschaftler*innen stellen im interdisziplinären Dialog Strategien und Methoden ihrer archivischen Arbeitsprozesse vor, verweisen auf "memory gaps" und diskutieren Fragen der Zukunftserinnerung.
Der Historische Archäologe Attila Dézsi Schlingmann, der an der Uni Tübingen u.a. zu "utopischen Siedlungen" forscht, wird sein Ausgrabungsprojekt im Wendland vorstellen: Eine faszinierende Spurensuche an den Orten des Widerstandscamps der Anti-Atom-Bewegung gegen das atomare Endlager in Gorleben. Deutliche kulturelle Unterschiede bzgl. Ernährungs- und Müllverhalten zeigen seine dortigen Funde im Vergleich zum ausgegrabenen "Feldlager" der Polizei.
Die Wissenschaftlerin Anke Hoffstadt von der Hochschule Düsseldorf arbeitet u.a. zu widerständigen Erinnerungspraxen sowie Machtkritik in der Gedächtnisarbeit. Sie wird sich in ihrem Beitrag "Erinnern heißt Zuhören" der Frage widmen, welchen Stellenwert Wissen und Erinnern an rechte, rassistische und antisemitische Gewalt in gegenwärtigen Erzählungen einer postnationalsozialistischen, postmigrantischen Gesellschaft einnehmen (können).
Zara Jakob Pfeiffer arbeitet zu Geschlechterverhältnissen und LGBTIQ*, feministischen Bewegungen und antifeministischen Diskursen sowie postkolonialer und postnationalsozialistischer Erinnerungskultur. Als Politikwissenschaftler*in spricht Pfeiffer auf dem Symposium über "Decolonice München. Gespenster/Ge/schichten" als postkoloniales Archiv.
Der Künstler Joachim Seinfeld stellt das Ausstellungsprojekt "Representations of Auschwitz" vor, an dem er 1995 in der Gedenkstätte mitgearbeitet hat, und spricht über seine Arbeit "Souvenir Photograph".
Die Künstler*innen Béla Juttner, Paula Pongratz und Katrin Winkler sprechen über ihre Arbeit und reflektieren die Potentiale archivalischer Praxen in der Gegenwartskunst.
Am Samstag, 12. September 2026 von 13 bis 18 Uhr, Auditorium Haus der Kunst (Eintritt frei).
15:00 Uhr Performance Béla Juttner | The Diva
Weitere Infos unter: kuenstlerverbund-hausderkunst.de/
Weitere Fotos unter:
https://www.kvhdk.de/ausstellungen/memory-gap/pressematerial-memory-gap.html
Hinweis: Die Fotos dürfen nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ausstellung MEMORY GAP und bei korrekter Angabe der Künstler*innen und Credits verwendet werden:
Zanny Begg & Oliver Ressler Aus dem Film Anubumin, 2017, HD-Video, 18 Min., Videostill © the artists
Hsiao-Shu Chen IMMOSCOUT, Wohn- und Lebensträume auf Keramiktafeln: Objekt, Nr. 2 und 3 © Hsiao-Shu Chen
Anna Maria Eichlinger Mein Familienschmuck, 1997, 9-teilige Arbeit, Schmuckschatulle Beton, gegossen Foto: © Erol Gurian
Nicole Frenzel Saints and Classics hangin' around, 2025/26, Zellgummi geschnitten, mehrteilig © Nicole Frenzel
Friederike & Uwe Schocschlum, 2007, 3-teiliges Objekt, Kunststoffmosaik/Fernsehgehäuse Memory, 2007 - 2011, 67-teilige Serie aus Kunststoffmosaik © Friederike & Uwe
Nausikaa Hacker Landschaften, 2022, 16 Rahmen, Asche mit Wasserglas auf Wischgaze © Nausikaa Hacker
Regina Hellwig-Schmid KofferGeschichten - KofferNotizen, 1996 - 2026 work in progress, Installation Koffer mit handgeschriebenen Schriftstücken, 12 Kohlezeichnungen auf altem Papier 30 x 40 cm © Regina Hellwig-Schmid
Sanja Ivekovic: Personal Cuts, 1982, Still aus der Videoarbeit von Sanja Ivekovic © Kontakt Sammlung, Wien
Atelier Jacobi Wohnung von Lee Parry: Garderobe, 1930, Baryt auf Karton © Atelier Jacobi, Photothek, ZI Zentralinstitut für Kunstgeschichte München
Béla Juttner The Diva 2.0, 2026, Detail aus der Installation zur Performance The Diva © Béla Juttner
Paula Pongratz HalbrohCDiamanten, 2025, CDs, CD-ROMs, DVDs, Epoxidharz, Freihand-Brillantschliff © Paula Pongratz
Walter Seidl SERENDIPITY, 1997-2022, 4 digitale Diainstallationen mit Sound, work in progress, das unterschiedliche Lebensabschnitte von US-amerikanischen Freund*innen des Künstlers zeigt, hier ein Bild aus der Serie D & S © Walter Seidl
Joachim Seinfeld Aus der Photoperformance Wenn Deutsche lustig sind, 2018 Köln 1915 - Gymnasiasten an Kaisers Geburtstag © the artist
Katrin Winkler you cannot trust the colors, 2021, 2 Kanal Video Installation, Videostill © Katrin Winkler
Foto zum Symposium: PASSING TO THE FUTURE
Attila Dézsi Schlingmann Was die Ausgrabungen im Wendland 2017 zutage gefördert haben. © Attila Dézsi Schlingmann
Pressekontakt:
Medienkontakt & Presseanfragen: Michael Backmund
michael.backmund@mnet-mail.de
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