DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Auf Anhieb verstehen, was das Finanzamt schreibt - daran haben Bund und Länder auf Initiative Nordrhein-Westfalens gearbeitet. Das Ergebnis: 730 Textbausteine, die in der täglichen Korrespondenz der Steuerverwaltungen mit den Bürgern zum Einsatz kommen, wurden unter wissenschaftlicher Begleitung in einfache Sprache umformuliert. Ab sofort sollen die Verbesserungen bundesweit umgesetzt werden, wie ein Sprecher des NRW-Finanzministeriums der Deutschen Presse Agentur in Düsseldorf ankündigte.
"Wer einen Brief vom Finanzamt öffnet, soll sofort verstehen, worum es geht und was zu tun ist", erläuterte NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) das Projekt. "Verständliche Sprache ist Voraussetzung dafür, dass Bürgerinnen und Bürger ihrem Staat vertrauen." Daher sei der Anspruch: klare Sätze, nachvollziehbare Erklärungen, ein freundlicher Ton.
Es geht auch einfach
Der Nutzen sei in einer Studie des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache mit mehr als 200 Teilnehmern überprüft worden. Eine Kostprobe: "Gemäß §§ 149, 150 AO in Verbindung mit § 25 Abs. 3 EStG ergibt sich für Sie eine Verpflichtung zur Abgabe der Einkommensteuererklärung", lautete das übliche Fachchinesisch. Gleicher Inhalt, halbe Länge: "Sie sind verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben."
Wenig überraschend bewerteten 90 Prozent der Befragten, die nach Angaben des Finanzministeriums alle keinen Bezug zur Finanzverwaltung hatten, die neuen Formulierungen als verständlicher und freundlicher. Von der klareren Sprache profitierten beide Seiten: Bürger sparen Zeit, die Finanzämter können Verfahren schneller abschließen.
Die Überarbeitung der Finanzamts-Post gehe weiter, kündigte das Düsseldorfer Ministerium an: "Bund und Länder haben vereinbart, neue Schreiben von Anfang an in verständlicher Sprache zu verfassen." NRW werde den Prozess weiter vorantreiben./beg/DP/zb
