
© Foto: Redaktion, mithilfe von KI erstellt
Bei der Deutschen Telekom wird gerade in den USA kräftig gespart, in Polen wird zugekauft, und in Deutschland läuft der Glasfaserausbau nach und nach weiter. Hinzu kommen beim Rosa-Riesen ein Aktienrückkaufprogramm und ein Ausblick, der zuletzt sogar nach oben korrigiert wurde. Das klingt erstmal gut und ausbaufähig, doch der Chart erzählt momentan sogar eine andere, viel spannendere Geschichte. Denn genau jetzt kämpft die Aktie an einer Kursmarke, die schon mehrfach zum Hindernis wurde und es vielleicht auch diesmal werden könnte. Wer wissen will, wohin die Reise als Nächstes geht, sollte jetzt weiterlesen.
Sparprogramm und Wachstumskurs
Bei T-Mobile US, der wichtigsten Wachstumssäule im Telekom-Konzern, wird gewerkelt und umgebaut. Seit Ende 2025 sind dort bereits über 4.600 Stellen weggefallen, weitere Filialschließungen sind für September bis November angekündigt. Der Grund dafür ist die Digitalstrategie "Retail Evolution", mit der die US-Tochter ihr Filialnetz verschlanken und stärker auf digitale Kanäle setzen will. Bis 2027 sollen dadurch rund 3 Milliarden US-Dollar eingespart werden. Während in den USA der Rotstift regiert, läuft in Deutschland und Europa eher das Gegenteil. Hier gilt: Ausbau statt Abbau. Die Telekom treibt den Glasfaserausbau in den verschiedensten Regionen voran und hat sich zusätzlich mit einem Milliardendeal in Polen verstärkt. Für rund eine Milliarde Euro übernimmt der Konzern die Breitbandanbieter Fiberhost und Inea von Macquarie Asset Management. Das ist ein Schritt, der die Marktposition von T-Mobile Polska deutlich stärken soll. Auch das Aktienrückkaufprogramm läuft munter weiter. Beispielswiese wurden allein zwischen dem 17. und 21. August gut 1,5 Millionen eigene Aktien zurückgekauft. Seit dem 10. August sind es bereits über 3 Millionen Stück. Nach den Halbjahreszahlen erhöhte die Telekom ihr Rückkaufziel für 2026 auf bis zu 3 Milliarden Euro und schraubte gleichzeitig die Cashflow-Prognose nach oben. Der Umsatz im zweiten Quartal kletterte um 4,4 Prozent auf knapp 30 Milliarden Euro, der Gewinn je Aktie gab allerdings leicht nach, von 0,54 auf 0,51 Euro. Nicht ganz unbeachtet blieb zuletzt auch eine Sicherheitslücke bei VoLTE-Anrufen, über die technische Gerätedaten unbeabsichtigt weitergegeben worden sein sollen. Genaue Ausmaße sind bislang nicht bekannt. Gleichzeitig bereitet sich der Konzern auf die Abschaltung des alten 2G-Netzes bis 2028 vor und treibt mit Nvidia den Aufbau einer KI-Gigafactory in Deutschland voran. Das ist ein Zukunftsfeld, das für den Konzern zunehmend an Bedeutung gewinnen könnte. Insgesamt alles sehr geschäftstüchtig bei der Telekom und reges Treiben an mehreren Fronten gleichzeitig.

Charttechnik
Die Charttechnik ist spannend: Die Telekom-Aktie beißt sich seit Wochen an dem 200er SMA quasi die Zähne aus. Diese wichtige Linie verläuft aktuell bei 28,63 Euro und genau dort ist die Aktie in den vergangenen Wochen schon mehrfach abgeprallt. Mal lag sie kurz drüber, dann wieder drunter. Nachhaltig geschafft hat sie dieses Marke aber nicht. Es ist ein Muster, das sich stets wiederholt. Schafft es der Titel, diese Hürde endlich zu überwinden, öffnet sich der Weg nach oben. Dann wäre eine Bewegung in Richtung 33 Euro durchaus realistisch. Scheitert die Aktie dagegen erneut an dieser Marke, sieht es weniger rosig aus. In diesem Fall droht ein Rücksetzer auf 24 bis 25 Euro. Kurzfristig hat sich die Stimmung zwar etwas aufgehellt, der Titel legte zuletzt zu und notierte bei um die 28,50 Euro. Auf Monatssicht steht ein Plus von etwas über 5 Prozent zu Buche. Der 200er SMA bleibt damit das Zünglein an der Waage. Hier könnte in den kommenden Tagen wohl eine Vorentscheidung fallen.
Was tun?
Der Umsatz wächst, die Cashflow-Prognose wurde erhöht, und mit dem Rückkaufprogramm sowie dem Zukauf in Polen zeigt die Telekom, dass es aufwärts geht. Dennoch zeigen aber der leicht gesunkene Gewinn je Aktie und die Sparmaßnahmen bei T-Mobile US, dass nicht alles rundläuft und vor allem der US-Wettbewerb bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Charttechnisch bleibt die Lage vorerst offen. Der 200er SMA bei 28,63 Euro ist die entscheidende Marke der kommenden Wochen. Erst ein nachhaltiger Sprung darüber würde neues Kurspotenzial in Richtung 33 Euro freisetzen. Scheitert der Ausbruch erneut, wäre ein Rückfall auf 24 bis 25 Euro nicht auszuschließen. Die anstehenden Termine, wie z. B. die Digital X am 8. September und die Quartalszahlen am 5. November könnten weitere wichtige Hinweise liefern, in welche Richtung sich die Aktie bewegt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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