Essen (ots) -
Die Freie Ärzteschaft (FÄ) kritisiert die jüngsten Aussagen des Bundesärztekammerpräsidenten Dr. Klaus Reinhardt in der "Berliner Morgenpost". Danach sollen Patienten generell zuerst zum Hausarzt gehen andernfalls mit längeren Wartezeiten rechnen müssen. Auch seine Aussage, dass Patienten häufig gar nicht beurteilen könnten, wo sie mit ihren Beschwerden am besten aufgehoben sind, geht nach Auffassung der Freien Ärzteschaft an der Realität vorbei.
Freie Arztwahl und Patientensouveränität erhalten
"Es ist absolut sinnvoll und richtig für viele Patienten, eine Hausärztin oder einen Hausarzt zu haben", stellt Wieland Dietrich, Vorsitzender der FÄ fest. "Warum aber ein Patient mit einem Fremdkörper im Auge, starkem Nasenbluten, Verdacht auf Knochenbruch oder einem akuten Hautausschlag nicht unmittelbar zum Organfacharzt gehen, sondern erst den aufwendigen Umweg über den Hausarzt machen soll, ist überhaupt nicht nachvollziehbar". Patienten seien meist durchaus in der Lage, zu beurteilen, wo ihnen gut geholfen werden könne. Nach Meinung Dietrichs wäre es grotesk, in Anbetracht Tausender fehlender Hausarztpraxen den oftmals überlasteten Hausärzten noch mehr Patienten zuzuführen, nur um diese dann weiter zu überweisen. Noch absurder seien Planungen im neuen Digitalgesetz, dass der Weg zum Arzt nur noch über digitale Hürden wie eine digitale Ersteinschätzungspflicht über die App der elektronischen Patientenakte gehen soll.
"Alle Umfragen zeigen, wie wichtig den Bürgern die freie Arztwahl ist. Dies ist übrigens auch ein Element des freien Arztberufs, dass es im Interesse der Patienten zu verteidigen gilt", ergänzt Dietrich.
Medizin nach Kassenlage in der gesetzlichen Krankenversicherung
"Mit dem diesjährigen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz hat die Politik endgültig beschlossen, in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eine Medizin nach Kassenlage zu schaffen, und nicht nach Abhängigkeit vom medizinischen Bedarf. Das ist die zwingende Folge der beschlossenen einnahmeorientierten Ausgabenpolitik, kritisiert der FÄ-Vorsitzende.
Bisher sei eine Medizin nach Kassenlage stets vehement angelehnt worden - von Bundesärztekammer, den Landesärztekammern, den Kassenärztlichen Vereinigungen und zahlreichen Verbänden. "Dass sich Ärztekammerpräsident Reinhardt hierzu im Kontext von Arztterminen und Primärversorgungssystem nicht klar ablehnend äußert, muss man wohl so verstehen, dass er sich dem Spardiktat von Staat und Kassen unterwirft. Er kritisiert zwar die Sparmaßnahmen, und kündigt ein reduziertes ärztliches Angebot an. Weiter kommt er aber nicht, denn er bleibt im GKV-System verfangen. Dessen Abrechnungssystem hat bereits sein Amtsvorgänger Prof. Montgomery 2011 bei einer Veranstaltung der Freien Ärzteschaft als 'in sich geschlossenes Wahnsystem' bezeichnet", kommentiert Dietrich.
Wo sitzen die wahren Kostentreiber im deutschen System?
Dabei sei es ärztliche Pflicht und Aufgabe, den Patienten stets bestmöglich zu behandeln. Das wäre in Deutschland auch weiterhin möglich, da 97 Prozent aller Krankheitsfälle von ambulanten Praxen behandelt werden, für nur 16 % der Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. "Die wahren Kostentreiber sind z.B. versicherungsfremde Leistungen, die der Staat tragen müsste", so Dietrich. Statt hier seine Verantwortung wahrzunehmen, entziehe die Politik jetzt der ambulanten Medizin das notwendige Geld und gefährde damit massiv die medizinische Behandlung der Bürger, so Dietrich.
Über den Tellerrand des prekären GKV-Systems blicken
"Wenn Gesetzgeber und Krankenkassen dem Vertragsarzt die Möglichkeit nehmen, gesetzlich Versicherte gut zu behandeln - und das tun sie inzwischen mit aller wirtschaftlichen Härte - dann ist es die Aufgabe der Bundesärztekammer, über den Tellerrand des GKV-Systems zu blicken. Ein System der gesetzlichen Krankenversicherung, in dem der Vertragsarzt längst keinen freien Beruf mehr ausübt. Angesichts von Medizin nach Kassenlage ist der Patient auf privatmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Termine hinzuweisen, fordert der Vorsitzende der Freien Ärzteschaft. Dieses Angebot gelte selbstverständlich für alle Patienten. Und auch die Ärztinnen und Ärzte seien von den Ärztekammern ausdrücklich dabei zu unterstützen, auf diese Weise eine Mangelmedizin nach Kassenlage zu verhindern - und zudem die Existenzen ihrer Praxen zu sichern.
Über die Freie Ärzteschaft e.V.
Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf als freien Beruf verteidigt. Er wurde 2004 gegründet und vertritt vorwiegend niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.
Pressekontakt:
V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V.,
Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen, Tel.: 0201 68586090,
E-Mail: mail@freie-aerzteschaft.de, www.freie-aerzteschaft.de
Original-Content von: Freie Ärzteschaft e.V., übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/57691/6343222
Die Freie Ärzteschaft (FÄ) kritisiert die jüngsten Aussagen des Bundesärztekammerpräsidenten Dr. Klaus Reinhardt in der "Berliner Morgenpost". Danach sollen Patienten generell zuerst zum Hausarzt gehen andernfalls mit längeren Wartezeiten rechnen müssen. Auch seine Aussage, dass Patienten häufig gar nicht beurteilen könnten, wo sie mit ihren Beschwerden am besten aufgehoben sind, geht nach Auffassung der Freien Ärzteschaft an der Realität vorbei.
Freie Arztwahl und Patientensouveränität erhalten
"Es ist absolut sinnvoll und richtig für viele Patienten, eine Hausärztin oder einen Hausarzt zu haben", stellt Wieland Dietrich, Vorsitzender der FÄ fest. "Warum aber ein Patient mit einem Fremdkörper im Auge, starkem Nasenbluten, Verdacht auf Knochenbruch oder einem akuten Hautausschlag nicht unmittelbar zum Organfacharzt gehen, sondern erst den aufwendigen Umweg über den Hausarzt machen soll, ist überhaupt nicht nachvollziehbar". Patienten seien meist durchaus in der Lage, zu beurteilen, wo ihnen gut geholfen werden könne. Nach Meinung Dietrichs wäre es grotesk, in Anbetracht Tausender fehlender Hausarztpraxen den oftmals überlasteten Hausärzten noch mehr Patienten zuzuführen, nur um diese dann weiter zu überweisen. Noch absurder seien Planungen im neuen Digitalgesetz, dass der Weg zum Arzt nur noch über digitale Hürden wie eine digitale Ersteinschätzungspflicht über die App der elektronischen Patientenakte gehen soll.
"Alle Umfragen zeigen, wie wichtig den Bürgern die freie Arztwahl ist. Dies ist übrigens auch ein Element des freien Arztberufs, dass es im Interesse der Patienten zu verteidigen gilt", ergänzt Dietrich.
Medizin nach Kassenlage in der gesetzlichen Krankenversicherung
"Mit dem diesjährigen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz hat die Politik endgültig beschlossen, in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eine Medizin nach Kassenlage zu schaffen, und nicht nach Abhängigkeit vom medizinischen Bedarf. Das ist die zwingende Folge der beschlossenen einnahmeorientierten Ausgabenpolitik, kritisiert der FÄ-Vorsitzende.
Bisher sei eine Medizin nach Kassenlage stets vehement angelehnt worden - von Bundesärztekammer, den Landesärztekammern, den Kassenärztlichen Vereinigungen und zahlreichen Verbänden. "Dass sich Ärztekammerpräsident Reinhardt hierzu im Kontext von Arztterminen und Primärversorgungssystem nicht klar ablehnend äußert, muss man wohl so verstehen, dass er sich dem Spardiktat von Staat und Kassen unterwirft. Er kritisiert zwar die Sparmaßnahmen, und kündigt ein reduziertes ärztliches Angebot an. Weiter kommt er aber nicht, denn er bleibt im GKV-System verfangen. Dessen Abrechnungssystem hat bereits sein Amtsvorgänger Prof. Montgomery 2011 bei einer Veranstaltung der Freien Ärzteschaft als 'in sich geschlossenes Wahnsystem' bezeichnet", kommentiert Dietrich.
Wo sitzen die wahren Kostentreiber im deutschen System?
Dabei sei es ärztliche Pflicht und Aufgabe, den Patienten stets bestmöglich zu behandeln. Das wäre in Deutschland auch weiterhin möglich, da 97 Prozent aller Krankheitsfälle von ambulanten Praxen behandelt werden, für nur 16 % der Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. "Die wahren Kostentreiber sind z.B. versicherungsfremde Leistungen, die der Staat tragen müsste", so Dietrich. Statt hier seine Verantwortung wahrzunehmen, entziehe die Politik jetzt der ambulanten Medizin das notwendige Geld und gefährde damit massiv die medizinische Behandlung der Bürger, so Dietrich.
Über den Tellerrand des prekären GKV-Systems blicken
"Wenn Gesetzgeber und Krankenkassen dem Vertragsarzt die Möglichkeit nehmen, gesetzlich Versicherte gut zu behandeln - und das tun sie inzwischen mit aller wirtschaftlichen Härte - dann ist es die Aufgabe der Bundesärztekammer, über den Tellerrand des GKV-Systems zu blicken. Ein System der gesetzlichen Krankenversicherung, in dem der Vertragsarzt längst keinen freien Beruf mehr ausübt. Angesichts von Medizin nach Kassenlage ist der Patient auf privatmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Termine hinzuweisen, fordert der Vorsitzende der Freien Ärzteschaft. Dieses Angebot gelte selbstverständlich für alle Patienten. Und auch die Ärztinnen und Ärzte seien von den Ärztekammern ausdrücklich dabei zu unterstützen, auf diese Weise eine Mangelmedizin nach Kassenlage zu verhindern - und zudem die Existenzen ihrer Praxen zu sichern.
Über die Freie Ärzteschaft e.V.
Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf als freien Beruf verteidigt. Er wurde 2004 gegründet und vertritt vorwiegend niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.
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V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V.,
Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen, Tel.: 0201 68586090,
E-Mail: mail@freie-aerzteschaft.de, www.freie-aerzteschaft.de
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