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Unaufhaltsam steigende Anleiherenditen sorgen für einen tiefroten Start in den September. Im DAX stemmt sich Merck gegen den Abverkauf. Die Outperformance könnte andauern.
DAX-Wert Merck stemmt sich gegen den globalen Abverkauf bei Aktien und Anleihen
Aus dem Ruder laufende Unternehmens- und Staatsschulden, anhaltend hohe Energiepreise sowie zögernde Notenbanken - am Anleihenmarkt wächst die Sorge vor einer außer Kontrolle geratenden Situation. Am Dienstag nimmt der seit Wochen anhaltende Abverkauf von Schuldtiteln an Fahrt auf und treibt die Realzinsen damit zum Teil auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten - mit den entsprechenden Folgen für die Aktienmärkte, welche mit zum Teil deutlichen Verlusten in den September starten, der ohnehin als einer der schwächsten Börsenmonate gilt.
Auch der deutsche Leitindex DAX hat am Dienstagvormittag zeitweise mehr als ein Prozent an Wert verloren, angeführt vom Softwaretitel SAP sowie der zinssensitiven Aktie von Vonovia. Gewinner gibt es hingegen nur wenige. Auffallend deutlich notiert mit Zugewinnen von knapp 2 Prozent der Darmstädter Spezialchemie- und Pharmakonzern Merck am oberen Ende der Kurstafel. Die Anteile profitieren von einer Kaufempfehlung der HSBC, welche ein Kursziel von 170 Euro festgesetzt hat.
Gegenüber dem Jahresauftakt hat Merck inzwischen 15 Prozent zugelegt, vergleichen mit dem Stand vor einem Jahr steht sogar ein Plus von 30 Prozent zu Buche. Die Aktie profitiert von der insgesamt guten Stimmung gegenüber der Pharmabranche. Der Blick sowohl auf den Chart als auch die Fundamentaldaten verrät außerdem, dass die Outperformance gegenüber dem DAX anhalten könnte und das von der HSBC genannte Kursziel mittelfristig zu erreichen ist:

Starker Erholungstrend, der nach einem kurzen Test anhalten dürfte
Gegenüber den auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie bei rund 225 Euro erzielten Allzeithochs befindet sich die Merck-Aktie in einem mehrjährigen Abwärtstrend, langfristig liegt jedoch ein Aufwärtstrend vor. Dieser konnte nach einem Test der bei 100 Euro verlaufenden Horizontalunterstützung im März wieder aufgenommen werden. Um mehr als 40 Prozent ging es für die Darmstädter seither nach oben.
In den vergangenen Wochen hat sich das Papier etwas festgefahren, nachdem es im Bereich von 148 Euro zu einem Doppeltop gekommen ist. Dadurch wurde die 50-Tage-Linie zwar zeitweise aufgegeben, doch im Bereich von 130 Euro zeigten sich bereits neue Käuferinnen und Käufer, womit dieser Unterstützungsbereich bestätigt und neben einer mittelfristigen auch eine kurzfristige Aufwärtstrendlinie etabliert werden konnte.
Attraktives Chance-Risiko-Verhältnis dank aussichtsreicher Ausgangslage
Die Kursgewinne vom Dienstagvormittag führen nun zu einer Rückeroberung der 50-Tage-Linie und damit auch dem Überwinden des Widerstandsbereichs bei 140 Euro. Unterstützt wird die Aktie dabei durch einen fortgesetzten Anstieg der technischen Indikatoren, deren parallel zur Aktienkursentwicklung verlaufende Aufwärtstrends für die Nachhaltigkeit der seit März laufenden Rallye sprechen. Während der Relative-Stärke-Index (RSI) im positiven Bereich angelangt ist, ohne dass die Aktie bereits überkauft wäre, konnte sich der MACD über die Nulllinie steigern, womit er einen neuen Aufwärtsimpuls der Aktie anzeigt.
Die hat Platz zunächst bis 148 Euro. Kann das Doppel-Top hier überwunden und mit dem höchsten Stand seit Januar 2025 ein neues Mehrjahreshoch und damit ein Kaufsignal geliefert werden, bestünde Luft bis in den nächstgelegenen Widerstandsbereich zwischen 160 und 165 Euro. Damit verfügt die Aktie ausgehend vom tagesaktuellen Stand über eine Upside von rund 15 Prozent. Zur Unterseite ist Merck gut abgesichert im Bereich von 130 Euro sowie durch die bei rund 126 Euro verlaufende 200-Tage-Linie.
Moderate Unternehmensbewertung mit Aufwärtspotenzial
Selbst nach den kräftigen Erholungsgewinnen der vergangenen Wochen bietet Merck eine attraktive Unternehmensbewertung. Das KGVe 2026 liegt bei 23,3, doch schon 2027 soll es auf 20,5 und damit deutlich unter das 10-Jahres-Mittel von 23,9 sinken. Dank einer moderaten Verschuldung mit einem Verschuldungsgrad, der gemessen am EBITDA im kommenden Jahr auf unter 1 sinken soll, verfügt Merck außerdem über ein attraktives EV/EBITDA-Verhältnis von 11,1 in 2026 und 10,2 in 2027. Das liegt unter dem Branchendurchschnitt von knapp 13.
Verbesserungsbedürftig ist dagegen noch die Cashflow-Rendite, die aktuell rund 4 Prozent beträgt. Trotzdem wird eine Dividendenerhöhung von 2,20 auf 2,35 Euro pro Anteilsschein erwartet, was einer Dividendenrendite von 1,7 Prozent entspricht. Das liegt über dem Branchendurchschnitt von 1,45 Prozent der Biotechnologie- und Pharmabranche. Insgesamt liegt damit ein attraktives Gesamtpaket vor.
Fazit: Kein Highflyer, aber grundsolide und mit Sicherheitsversprechen
Die Aktie von Merck hat in den vergangenen Jahren deutlich Federn lassen müssen, doch inzwischen zeigt der Trend wieder nach oben. Auch in diesem Jahr haben die Darmstädter eine zeitweise schmerzhafte Korrektur hinter sich lassen und sich zuletzt deutlich steigern können. Angetrieben wird das Papier von einem starken Branchentrend und zufriedenstellendem Unternehmenswachstum. Mit seiner Sparte Semiconductor Solutions profitiert das breit diversifizierte Unternehmen nicht zuletzt auch vom weltweiten KI- und Halbleiterboom.
Die relative Stärke vom Dienstag deutet in Kombination mit einem aussichtsreichen Chartbild und einer moderaten Unternehmensbewertung darauf hin, dass die Outperformance gegenüber dem deutschen Leitindex DAX anhalten könnte. Wer in unsicheren Zeit auf der Suche nach einem vergleichsweise sicheren Wert ist, könnte jetzt bei der Aktie von Merck fündig werden.
Gastautor: Max Gross
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