BERLIN/MOSKAU (dpa-AFX) - Russlands Botschafter Sergej Netschajew hat die Anschuldigungen Deutschlands nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Halle/Leipzig als "absurd" zurückgewiesen. Berlin habe seine Vorwürfe nicht belegt, sie widersprächen auch dem gesunden Menschenverstand, sagte Netschajew einer Mitteilung der Botschaft zufolge. Er war zuvor ins Auswärtige Amt einbestellt worden.
Zuvor hatten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) Russland verantwortlich gemacht für den Drohnenvorfall und Strafmaßnahmen angekündigt. Wadephul sagte, dass etwa das russische Konsulat in Bonn geschlossen werden soll. Zudem werde der Vertrag für das Russische Haus in Berlin gekündigt.
Netschajew sagte, dass alle Mitarbeiter des Generalkonsulats in Bonn und des Russischen Hauses sowie ihre Familienangehörigen aufgefordert worden seien, das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland in kürzester Zeit zu verlassen. "Die deutsche Seite bezeichnete diese Schritte als eine "abgewogene und verhältnismäßige" Reaktion und äußerte die Erwartung, dass die russische Seite von Gegenmaßnahmen absehen werde", sagte Netschajew.
Botschafter: Deutschland trägt Verantwortung für Eskalation
Der Mitteilung zufolge erklärte der Botschafter, dass die von deutscher Seite angekündigten Maßnahmen "eine beispiellose Eskalation in den russisch-deutschen Beziehungen darstellen und nicht ohne Folgen bleiben werden". Allein die Bundesregierung trage dafür die Verantwortung. Netschajew bedauerte, "dass die deutschen Behörden ihren Kurs der systematischen Zerstörung des einst tragfähigen Fundaments der russisch-deutschen Zusammenarbeit fortsetzten".
Der Botschafter sprach zudem erneut von einer "hastig zusammengezimmerten Provokation am Flughafen in Leipzig". Der Fall diene "ausschließlich den Interessen des Kiewer Regimes, des militaristischen Flügels der europäischen politischen Klasse sowie der Großunternehmen des militärisch-industriellen Komplexes" - sie seien an einer weiteren Anheizung des Ukraine-Konflikts interessiert./mau/DP/he
