
© Foto: Jack Gardner auf Unsplash (Symbolbild)
Erst der steile Höhenflug, dann der harte Fall. Adidas hat damit nicht nur beim Kurs, sondern auch bei seinen Aktionären zuletzt für ordentlich Wirbel gesorgt. Von rund 130 Euro ging es rasant auf fast 190 Euro nach oben, jetzt steht der Kurs bei 151,50 Euro und damit wieder auf dem Boden der Tatsachen. Rekordumsätze durch die Fußball-WM, eine neue Kollektion mit K-Pop-Star Jennie, ein Wechsel an der Konzernspitze und einige Analysten, die trotz allem an höhere Kurse glauben. Doch der Chart könnte gerade ein anderes Signal aussenden. Reicht die Marke bei 150 Euro als letzte Bastion der Bullen, um die Bären zu schlagen?
Rekordumsatz trifft auf Margendruck
Adidas hat zuletzt ordentlich verkauft. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 13,3 Prozent auf 6,74 Milliarden Euro, angetrieben von der Fußball-WM und starken Verkäufen bei den Originals-Klassikern. Der Gewinn je Aktie fiel mit 2,02 Euro aber leicht niedriger aus als im Vorjahr. Höhere Marketingkosten fressen einen Teil des Wachstums auf. Umsatzrekorde allein reichen dem Markt offenbar nicht mehr und dazu kommen handfeste Themen aus der Chefetage. Birgit Kretschmer übernimmt zum Jahreswechsel den Posten als Finanzchefin von Harm Ohlmeyer, ein seit Monaten angekündigter Wechsel, der für Kontinuität sorgen soll. CEO Bjorn Gulden griff nach dem Kursrutsch selbst zu und kaufte Aktien im sechsstelligen Bereich. Das ist ein Vertrauenssignal, das viele Beobachter positiv werten. Parallel läuft das Aktienrückkaufprogramm munter weiter und allein im August wurden fast 400.000 eigene Papiere eingesammelt. Auf der Produktseite bleibt Adidas aktiv. Die neue Kollektion mit Sängerin Jennie startet heute weltweit, dazu laufen Kooperationen mit Kith und Toca Boca. Offen bleiben dagegen mögliche Rückerstattungen von US-Zöllen in Höhe von 250 bis 300 Millionen Dollar, ein Unsicherheitsfaktor, der die Stimmung zusätzlich dämpft und dessen Ausgang bislang niemand seriös vorhersagen kann.

Charttechnik
Der Chart zeigt derzeit ein eher unschönes Bild. Nach dem schnellen Anstieg von 130 auf fast 190 Euro kam die Korrektur genauso heftig zurück. Sowohl der 50er SMA als auch der 200er SMA wurden nach unten durchbrochen. Das ist eine Warnung für Investoren mit einem mittel- und langfristigen Horizont. Der RSI notiert mit einem 34er Wert schon fast im überverkauften Bereich, was zumindest eine technische Gegenbewegung nahelegt. Jetzt kommt es auf die Marke bei 150 Euro an. Hält dieses Niveau, könnte sich daraus eine Rebound-Chance ergeben, mit Potenzial in Richtung 170 bis 190 Euro. Rutscht der Kurs jedoch spürbar darunter, drohen weitere Verluste, denn dann fehlt eine wirklich starke Auffanglinie. Die Volatilität ist ohnehin hoch, größere Ausschläge in beide Richtungen sind daher gut möglich.
Was tun?
Fundamental läuft es solide bei der Marke mit den 3 Streifen. Der Umsatz wächst zweistellig, die Marke ist immer noch begehrt und Analysten trauen der Aktie im Schnitt ein Kursziel von rund 189 bis 200 Euro zu - also deutlich über dem aktuellen Niveau. Gleichzeitig bremst die US-Zollfrage und bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Charttechnisch sieht die Aktie angeschlagen aus, mit gebrochenen Durchschnittslinien und einer wohl letzten entscheidenden Unterstützung bei 150 Euro. Für einen Neueinstieg spricht die fast überverkaufte Lage, dagegen aber der fehlende klare Trend nach oben. Die nächsten Quartalszahlen am 29. Oktober dürften zeigen, ob sich Wachstum und Marge endlich wieder annähern.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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