WLADIWOSTOK (dpa-AFX) - Russland will nach Kremlangaben ungeachtet der von Deutschland angekündigten Schließung des Konsulats in Bonn am bisherigen Stand der diplomatischen Beziehungen festhalten. Moskau selbst werde nicht der Initiator sein von einer Herabstufung der diplomatischen Beziehungen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dem russischen Staatsfernsehen am Rande des Östlichen Wirtschaftsforums in Wladiwostok. Dagegen seien von deutscher Seite heute alle möglichen "absurden Schritte" zu erwarten.
Zuvor hieß es aus dem russischen Außenministerium, dass als Reaktion auf die deutschen Strafmaßnahmen nach dem Fund einer nicht gezündeten Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle auch eine Herabstufung der Beziehungen möglich sei. Gemeint wäre damit etwa der Abzug der jeweiligen Botschafter durch Moskau und Berlin.
Russland bestreitet, etwas mit der Drohne zu tun zu haben. Kremlsprecher Dmitri Peskow kritisierte erneut die von der Bundesregierung angedrohten Maßnahmen. Die Schließung etwa des Generalkonsulats in Bonn sei "absurd" mit Blick darauf, dass Deutschland keine Beweise präsentiert habe für eine Schuld Russlands.
Kreml: Ukrainer sprengen ungestraft deutsche Objekte
Peskow warf Kanzler Friedrich Merz (CDU) vor, ungeschickt und mit "quasi drastischen Schritten" gegen Russland innenpolitisch Punkte zu sammeln. "Das bewahrt ihn kaum vor seinem politischen Schicksal", sagte Peskow. Der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin kritisierte auch, dass nach den Sprengungen an den deutsch-russischen Ostsee-Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 zwar Ukrainer als Täterverdächtige gefasst worden seien. Es gebe auch Ermittlungen. Aber Strafmaßnahmen gegen die Ukraine gebe es keine.
"Bislang waren alle, die in den letzten Jahren etwas Deutsches in die Luft gesprengt haben, Ukrainer, die von den Deutschen selbst überführt wurden", sagte Peskow. "Haben sie etwa auch nur ein einziges Generalkonsulat der Ukraine bei sich vor dem Hintergrund des laufenden Gerichtsverfahrens geschlossen? Nein, das haben sie nicht. Haben sie etwa irgendwelche ukrainischen Kulturzentren geschlossen? Nein", sagte Peskow.
Deutschland ist wichtigster Unterstützer der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg, den Putin im Februar 2022 begonnen hatte./mau/DP/zb
