
© Foto: Redaktion - Symbolbild mithilfe von KI generiert
Erst der große Jubel, dann der kalte Schauer. OHB holt sich einen Milliardenauftrag für das europäische Satellitenprojekt Iris2. Die Anleger feiern kurz, aber wirklich nur kurz, denn schon am nächsten Tag bricht die Aktie zweistellig ein und das an einem einzigen Tag. Wie geht sowas und warum? Wir schauen uns an, was wirklich hinter dem Kursrutsch steckt, was die Zahlen sagen und wie der Chart aussieht. Und wir verraten Ihnen, ob das jetzt nur sowas wie eine Art Finte ist, oder vielleicht der Start von etwas Größerem.
Ein Riesenauftrag
SES bestellt bei OHB 18 Satelliten für Iris2, knapp eine Milliarde Euro schwer. Eigentlich eine Traumnachricht für die Bremer. Die Aktie sprang zunächst nach oben, doch der Freudentaumel hielt nicht allzu lange. Schon am Folgetag ging es massiv runter, zeitweise deutlich über 10 Prozent. Man könnte sagen, dass das ein klassisches "Sell-the-News" war, bei dem Anleger die gute Nachricht nutzen, um noch mal schnell Kasse zu machen.
Ganz allein steht OHB mit seinem Problem des Kursrutsches aber nicht da. Z. B. wackelt der Rüstungssektor momentan auch gerade. Grund dafür sind unter anderem auch steigende Ölpreise, ausgelöst durch neue Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Wenn Energie teurer wird, werden Anleger bei ohnehin schon gut gelaufenen und relativ hoch bewerteten Branchen nervös und ziehen eher Gewinne ab, bzw. nehmen Gewinne mit, als noch länger zu warten.
Zahlen stimmen, Bewertung wackelt
Operativ läuft es bei OHB eigentlich ganz gut. Umsatz plus 11 Prozent auf 628 Millionen Euro im ersten Halbjahr, das bereinigte EBIT sogar plus 46 Prozent. Der Auftragsbestand ist so hoch wie nie. Klingt alles gut, aber der Kurs war in den vergangenen Monaten bis Mai 2026 so schnell gestiegen, dass die Fundamentaldaten kaum hinterherkamen. Vervielfacht binnen nicht mal 12 Monaten. Da war viel Fantasie eingepreist, die jetzt offenbar nach und nach korrigiert wird. Im Sommer hat sich OHB zusätzlich Kapital besorgt, über eine Kapitalerhöhung und eine aufgestockte Privatplatzierung, zusammen über eine Milliarde Euro. Die Eigenkapitalquote kletterte dadurch spürbar. Mitte August kam dann noch der Sprung in den SDAX dazu, OHB übernahm den Platz von Klöckner. Solche Dinge zeigen auch, dass das Unternehmen am Kapitalmarkt ernster genommen wird, als zuvor.

Charttechnik
Der RSI steht bei rund 30, das ist normalerweise genau an der Grenze zum überverkauften Bereich und wäre eher ein Kaufsignal. Gleichzeitig ist aber der 50er SMA dabei, von oben nach unten durch den 200er SMA zu schneiden. Das entspricht einem Todeskreuz und damit einem klassischen Verkaufssignal. Zwei Signale, die sich komplett widersprechen. Genau das macht die Lage gerade so knifflig für jeden, der jetzt einsteigen oder aussteigen will.
Was tun?
Ganz ehrlich, eine klare Aussage kann man hier nicht so einfach geben. Die operativen Zahlen sind solide, die Guidance wurde bestätigt, der Auftragsbestand ist rekordverdächtig. Das spricht für Substanz. Doch die Aktie war und ist vielleicht auch immer noch heiß gelaufen und der Chart sendet mit dem "Death Cross" und überverkauftem RSI widersprüchliche Signale. Vielleicht lichten die Q3-Zahlen am 12. November mehr vom derzeitigen Nebel, aber es ist auch noch relativ lang bis dahin. Reine Spekulation auf schnelle Erholung ist hier riskant. Vielleicht ist es doch besser, auf eindeutiger Signale zu warten und dann erst bei einer sich bietenden Gelegenheit zuzuschlagen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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