DJ MARKT-AUSBLICK/US-Verbraucherpreise Highlight der kommenden Börsenwoche
Von Michael Otto Denzin
Auf eine verkürzte, aber gleichwohl spannenden Handelswoche können sich Anleger in der kommenden Woche einstellen. Sie startet am Montag mit dem US-Feiertag Labor Day und bietet ihr Highlight am Freitag mit der Veröffentlichung neuer US-Verbraucherpreise.
Der Fokus liegt weiter auf der Entwicklung an den Anleihemärkten, vor dem Hintergrund der US-Rekordschulden. Alle Bewegungen dort dürften mit Argusaugen beobachtet werden.
Für etwas Entspannung bei den Marktzinsen sorgte zuletzt, dass Anleger an der Marke um 4,80 Prozent bei den 10-jährigen US-Anleihen wieder kauften. Das stoppte zunächst den zuvor gesehenen Renditeanstieg auf die teils höchsten Niveaus seit rund 20 Jahren.
Als dauerhaft gute Nachricht sollten Aktionäre das aber nicht unbedingt werten. Denn es zeigt, dass Anleihen mit den aktuell hohen und vor allem sicheren Renditen eine immer attraktivere Alternative zu Aktien sind. Mit einer erwarteten Durchschnittsrendite von über 5 Prozent wird das Risiko der volatilen Aktienanlage im S&P-500 für Anleger kaum noch ausgeglichen. Die Risikoprämie für das Halten von Aktien ist auf einem historisch niedrigen Niveau.
Nachdem US-Notenbankgouverneur Christopher Waller nun mit der Aussage aufwartete, eine Zinspause im September zu unterstützen, wenn die Inflationsdaten für August die jüngsten Fortschritte im Juni und im Juli bestätigen, richten sich die Blicke nun noch mehr auf US-Inflationsdaten. Die kommen eine Woche vor dem nächsten Zinsentscheid in den USA: Am Donnerstag werden die US-Erzeugerpreise berichtet, am Freitag die als wichtiger geltenden US-Verbraucherpreise. Nach dem Jahresplus im Juli von 3,4 Prozent bei den Verbraucherpreisen wird für August mit einem Anstieg auf 3,7 Prozent gerechnet. Und Analysten sehen durchaus das Risiko noch höherer Werte in Richtung 4 Prozent, weil in den Daten für August die jüngsten Höchstpreise für Benzin enthalten sein werden.
Weshalb Waller eine Entspannung bei den August-Daten für möglich hält, erschließt sich daher dem ein oder anderen Marktteilnehmer nicht. Sie warnen denn auch, nur das Bekenntnis zur Inflationseindämmung von Fed-Chef Kevin Warsh auf dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole habe zuletzt verhindert, dass die US-Renditen durch die Decke gehen. Sollte die Fed stattdessen am 16. September trotz hoher August-Inflation auf eine Zinserhöhung verzichten, dürften Investoren nochmals höhere Risikoprämien am langen Ende fordern und die 10-jährigen US-Bonds wohl über die 5-Prozent-Marke treiben.
Dass die EZB bereits am kommenden Donnerstag Zinsentscheidung fällt, gerät fast zur Nebensache, denn von ihr wird eine Zinserhöhung angesichts der zu hohen Inflation in der Eurozone fest erwartet. Interessanter dürfte der Inflationsausblick werden, verbunden mit der Frage, wie es mit einer möglichen weiteren Zinserhöhung im laufenden Jahr aussieht.
Für den DAX, der als besonders von der internationalen Konjunktur abhängig gilt, sind die US-Daten wichtiger als die EZB. Charttechniker sehen ihn um 26.000 Punkte mehr oder weniger im Niemandsland einer Seitwärtsbewegung. Weil die jüngsten Konjunkturdaten für Deutschland und Europa aber überraschend deutlich nach oben zeigen, und Fonds gleichzeitig noch untergewichtet sind, könnte eine Entspannung bei den US-Verbraucherpreisen den Startschuss zu einer Erleichterungsrally geben. Ein Ausbruch aus der Flaggen-Formation im Chart hätte dann locker Luft für 1.000 DAX-Punkte oder mehr nach oben.
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September 04, 2026 06:16 ET (10:16 GMT)
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