MEISSEN (dpa-AFX) - Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen möchte sich in einem schwierigen Umfeld stabilisieren. Geschäftsführer Tillmann Blaschke wollte am Rande einer Hausmesse aber keine Prognose wagen, wann das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreibt. Angesichts der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten auch infolge der globalen Lage hält er einen Blick in die Glaskugel nicht für hilfreich.
Stärkung des Kerngeschäfts Porzellan
Die heute verfolgte Unternehmensstrategie konzentriere sich auf die Stärkung des Kerngeschäfts Porzellan, eine konsequente Markt- und Kundenorientierung, die Modernisierung und Verjüngung der Marke, die Entwicklung des Geschäfts im Internet und die Erschließung neuer Märkte, stellte Blaschke klar. Er war gerade von einer Geschäftsreise aus Indien zurückgekehrt und sieht Potenzial im indischen Markt. Auch die Golfregion soll erschlossen werden, sobald sich die kriegerischen Auseinandersetzungen beendet sind.
Hemmnisse für einen raschen Aufschwung
Das Hauptanliegen bestehe darin, die einmalige künstlerische Tradition weiterzuentwickeln und den Erhalt des kulturellen Erbes nach Möglichkeit durch wirtschaftlichen Erfolg zu finanzieren, betonte Blaschke. Als aktuelle Hemmnisse nannte er unter anderem die allgemeine Kaufkraftzurückhaltung in Deutschland, die US-Zölle und die starke Abwertung des japanischen Yen, der Meissen-Produkte in Japan verteuert. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine habe zudem den russischen Markt zusammenbrechen lassen.
Hohe Verluste nach früherem Kurswechsel
Blaschke ging auch auf die Schwierigkeiten der Vergangenheit ein. Sein Vorgänger Christian Kurtzke hatte 2009 einen Kurswechsel vollzogen. Er wollte die Manufaktur zu einem Luxuskonzern umbauen und ließ auch Schmuck, Kleidung sowie Accessoires herstellen. Das Konzept misslang gründlich. Bis 2019 häuften sich Verluste von 80 Millionen Euro an. Die Rückabwicklung von Geschäftsbeziehungen - Meissen hatte etwa eine Niederlassung in Mailand und einen langfristigen Mietvertrag mit dem Luxus-Kaufhaus Harrods in London abgeschlossen, kosteten viel Geld.
Der Freistaat Sachsen als alleiniger Gesellschafter subventionierte das Unternehmen in dieser Zeit mit 52 Millionen Euro. Doch auch danach ging es nicht steil aufwärts. Krisen wie die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg erschwerten den Aufschwung. Vielmehr wurden 12 Millionen Euro neue Verluste gemacht. Sachsen schoss in den Jahren 2023 und 2024 sechs Millionen Euro zu.
Manufaktur rechnet mit leichtem Umsatzwachstum
Aktuell hat die 1710 gegründete Manufaktur mit dem Markenzeichen der gekreuzten Schwerter 480 Mitarbeiter; im Zuge der Umstrukturierung wurden 200 Stellen abgebaut. Für dieses Jahr wird ein Umsatz von mehr als 33 Millionen Euro erwartet. Etwa die Hälfte davon wird im Ausland erzielt. In den vergangenen Jahren wurde ein jährliches Umsatzwachstum von etwa neun Prozent erwirtschaftet. Das sei in der Summe aber noch zu wenig, um die steigenden Kosten auszugleichen, erklärte Blaschke.
Berühmtes Rennpferd als Porzellanfigur
Blaschke und Art Director Liane Werner stellten zur Hausmesse neue Produkte vor. So schuf Plastiker Maximilian Hagstotz die Figur eines Rennpferds mit Jockey. Er ließ sich dabei vom berühmten US-amerikanischen Pferd Secretariat inspirieren, das Experten für das beste Rennpferd aller Zeiten halten. Meissen liefert für das Kenntucky-Derby seit etwa 20 Jahren den Siegerpokal.
Kooperation mit Designer Wolfgang Joop
Auch jenseits von Tisch und Tafel gibt es Neuentwicklungen, darunter Spielbretter für Schach, Mühle und Backgammon. Eine Kooperation verbindet die Manufaktur neuerdings auch mit dem Designer Wolfgang Joop, der für Meissen ein Produkt kreiert./jos/DP/zb
