BERLIN (dpa-AFX) - Die Linke erwartet nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt einen Kanzlerwechsel in Berlin. "Ich glaube, Friedrich Merz wird sich nicht halten können", sagte Parteichefin Ines Schwerdtner. Einen Rücktritt von Kanzler Merz (CDU) forderte sie selbst nicht. Auch ohne Merz würde die CDU-Politik fortgeführt, meinte sie. "Damit ist unser Problem nicht gelöst."
Schwerdtner gab der Politik der Bundesregierung eine Mitschuld am Wahlausgang in Sachsen-Anhalt. "Ich weiß nicht, ob sowohl CDU als auch SPD den letzten Schuss nicht gehört haben, weil wirklich die Menschen sind so frustriert mit dieser Bundesregierung", sagte Schwerdtner.
Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent gewonnen. Die CDU erreichte nur noch 17,2 Prozent. Die Linke verlor leicht und kam auf 8,6 Prozent. Das Ergebnis der eigenen Partei führten Schwerdtner und die Spitzenkandidatin Eva von Angern auf eine Leihstimmenkampagne zugunsten von SPD und Grünen zurück. Man habe Stimmen an andere demokratische Parteien abgeben müssen, ohne die AfD zu verkleinern.
Die Linke erwartet massive Folgen für ihre Mitglieder und Anhänger, für die Zivilgesellschaft und Minderheiten in Sachsen-Anhalt. Sie mache sich große Sorgen um die Sicherheit, sagte von Angern. In der Folge erwarte sie Abwanderung. "Es werden viele sein, die gehen, im Übrigen aus allen Bereichen", sagte die Linken-Politikerin aus Sachsen-Anhalt. "Also das werden Fachkräfte und Arbeitskräfte sein, die uns zukünftig auch fehlen, beziehungsweise Kinder, die uns in den Kitas und Schulen fehlen."
Schwerdtner sagte, die Linke wolle Schutzräume bieten, nicht nur für Migranten oder queere Menschen, auch Schulen, Kitas und die Kirchen stünden unter Druck. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden von einer AfD-Politik nicht profitieren. "Die Menschen werden aufwachen und erleben, was für ein Alptraum das ist mit der AfD", sagte Schwerdtner. "Und dann werden wir bereitstehen."/vsr/DP/stk
