ABU DHABI/BERLIN (dpa-AFX) - Die Vereinigten Arabischen Emirate streben eine stärkere Zusammenarbeit mit Deutschland bei der Verteidigung an sowie im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI). Das sagte Anwar Gargasch, Berater des emiratischen Präsidenten Mohammed bin Sajid, vor einem Besuch des Staatschefs in Berlin. In den "sehr wichtigen" Beziehungen der beiden Länder sei jetzt der Moment, diese "auf die nächste Stufe" zu heben, sagte Gargasch der Deutschen Presse-Agentur.
"Können wir zusammenarbeiten, um beispielsweise Fähigkeiten bei der Drohnenabwehr aufzubauen?", sagte Gargasch. Die Kriege in der Ukraine und mit dem Iran hätten gezeigt, dass die Welt den Raketen und Drohnen von heute nicht ausreichend gewachsen sei. "Deutschland versteht, glaube ich, dass die bevorstehenden Aufgaben nicht unbedingt denen der Vergangenheit gleichen."
Auch an KI seien die Emirate "sehr interessiert", sagte Gargasch. Sein Land investiert ähnlich wie Nachbar Saudi-Arabien aggressiv in die Technologie.
Emiratischer Präsident zu Staatsbesuch in Berlin
Präsident Mohammed bin Sajid reist zu einem mehrtägigen Staatsbesuch nach Berlin, wo am Donnerstag unter anderem Treffen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geplant sind.
Im seit mehr als einem halben Jahr laufenden Iran-Krieg wurde der Golfstaat besonders stark angegriffen - Gargasch zufolge mit 3.000 iranischen Raketen und Drohnen. Die Mehrheit davon habe auf zivile Infrastruktur im Land gezielt, 97 Prozent seien abgefangen worden. Auch in Deutschland wird die Gefahr durch Drohnen und die mögliche Abwehr diskutiert im Kontext von hybriden Angriffen, für die die Bundesregierung Russland verantwortlich macht.
Unter hybriden Angriffen versteht man eine Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln. Dazu zählen auch Cyberattacken und Desinformationskampagnen.
Die Regeln für den Export bestimmter Rüstungsgüter hatte Deutschland im Zuge des Iran-Kriegs für die Emirate und weitere Golfstaaten sowie für die Ukraine im März bereits gelockert. Eigentlich gelten für sogenannte Drittländer, die nicht der Nato oder EU angehören, strenge Auflagen bei den Exporten.
Gargasch: "Müssen offener und pragmatischer werden"
"Die früheren Beschränkungen wurden jetzt von Ereignissen überholt", sagte Gargasch. Die Kriege und die Herausforderungen bei der Sicherheit und der Energie hätten gezeigt, "dass wir viel offener und pragmatischer in unserem Handeln werden müssen".
Zur Frage, wann und wie der Iran-Krieg enden könnte, sagte Gargasch: "Wir werden sehr lange mit einem instabilen Iran umgehen müssen" - nicht nur die Golfländer, sondern auch Europa. "Wir befinden uns in einer Phase, in der wir mit der Lage umgehen müssen, anstatt schnelle Lösungen zu erwarten."/jot/DP/zb
