
© Foto: Redaktion - Symbolbild mithilfe von KI generiert
Erst der Höhenflug, dann die Ernüchterung. Die TKMS-Aktie war im August auf Rekordkurs, Anleger träumten schon von 120 oder gar 130 Euro. Doch daraus wurde nichts. Der Kurs kippte, die Euphorie verflog, und inzwischen hängt das Papier unterhalb von wichtigen Kursmarken. Reicht die Stabilisierung zuletzt aus, oder wartet weiter unten noch ein tieferer Boden? Wir schauen auf Chart, Zahlen und Nachrichtenlage und schauen, worauf es jetzt ankommt.
Vom Höhenflug in die Korrektur
Mitte August ging es für TKMS steil nach oben. Die Aktie kletterte auf über 108 Euro, ein neues Rekordhoch. Kein Wunder. Auch die neuen Zahlen fielen richtig gut aus, der Umsatz legte um fast ein Fünftel zu, das Ergebnis zog ebenfalls kräftig an. Bernstein Research traute dem Kieler Werftkonzern sogar ein Kursziel von 125 Euro zu. Viele Anleger rechneten fest mit dem Sprung über die 120 Euro-Marke. Doch dann kam der Dämpfer. Der gesamte Rüstungssektor geriet unter Druck, Zweifel an den hohen Bewertungen machten die Runde. Auch TKMS blieb davon nicht verschont. Der Kurs bröckelte Stück für Stück, bis er inzwischen deutlich unter dem August-Hoch steht. Dabei bleibt die Auftragslage beeindruckend, denn der Bestand liegt mittlerweile bei über 25 Milliarden Euro, getragen von neuen Fregatten-Aufträgen und dem aussichtsreichen U-Boot-Programm in Kanada. Die eigentliche Frage lautet aber, ob TKMS diesen Berg an Aufträgen auch rechtzeitig und profitabel abarbeiten kann?

Charttechnik
Der Chart zeigt, wie schnell sich das Bild drehen kann. Nach dem Ausbruch über die alte Widerstandszone lag die Aktie klar im Aufwärtstrend. Jetzt ist sie unter den 50er SMA gerutscht, hält sich aber noch knapp über dem 200er SMA. Eine wichtige Feinheit dazu: Der langfristige Trend ist also noch nicht gebrochen, kurzfristig sieht es dagegen angeschlagen aus. Der RSI sendet derzeit ein neutrales Signal mit einem Wert um die 50 herum. Setzt sich die Korrektur fort, wäre eine Bewegung der Aktie in Richtung 70 Euro keine Überraschung. Genau dort verläuft eine Zone, die sich in der Vergangenheit schon mehrfach als stabiler Boden erwiesen hat. Käme es dort zu einer Stabilisierung, wäre ein Rebound Richtung 100 Euro ein realistisches Szenario für geduldige Anleger.
Was tun?
Fundamental sieht bei TKMS vieles nach wie vor gut aus. Das Unternehmen hat seine Jahresprognose angehoben, der Auftragsbestand wächst weiter stark, und mit Fincantieri sowie Navantia laufen Kooperationen, die zusätzliches Potenzial bringen könnten. Gleichzeitig zeigt das Beispiel eines gescheiterten Fregatten-Projekts bei einem Konkurrenten/ Mitbewerber, wie schnell aus einem prall gefüllten Orderbuch ein Kostenproblem werden kann. Genau diese Umsetzung wird jetzt zum entscheidenden Prüfstein für TKMS. Charttechnisch bleibt die Lage weiter angespannt, aber nicht dramatisch. Der langfristige Aufwärtstrend steht noch, kurzfristig ist weiterer Druck aber möglich. Man sollte jetzt die Zone um 70 Euro im Blick behalten. Wer überlegt die Aktie zu kaufen, sollte abwägen: Ein Nachkauf, vielleicht auch gestaffelt, in der Schwäche kann sich lohnen, birgt aber das Risiko einer weiteren Delle. Insgesamt bleibt TKMS eine Aktie mit Chancen und Risiken zugleich. Daher keine klare Kauf- oder Verkaufsempfehlung, eher ein Fall für aufmerksames Beobachten in den kommenden Wochen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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