
© Foto: Symbolbild von Xingye Jiang auf Unsplash
Xiaomi macht ernst. Der chinesische Tech-Riese greift gleichzeitig Apple im Smartphone-Geschäft an und BYD auf der Straße. Neue Falt-Handys, ein eigener 3-Nanometer-Chip und jetzt auch noch der Sprung nach Europa mit Elektroautos ab 2027. Das klingt nach viel auf einmal, doch reicht das, um die Anleger zu überzeugen und den Aktienkurs nach oben zu hieven? Der Kurs jedenfalls tut sich noch schwer. Wir schauen uns an, was hinter der Doppelstrategie steckt, wie der Chart aussieht und ob sich ein Einstieg gerade lohnt.
Xiaomi mischt mehrere Märkte auf
Auf der IFA in Berlin hat Xiaomi gleich mal Nägel mit Köpfen gemacht. Acht deutsche Autohändler haben unterschrieben. Sie sollen ab 2027 beim Verkauf und Service der Xiaomi-Elektroautos helfen. Der europäische Markt ist hart umkämpft, chinesische Hersteller wie BYD sind hier längst aktiv und legen kräftig zu. Xiaomi kommt später, dafür mit dickem Portemonnaie. Der Umsatz kletterte zuletzt auf 108,92 Milliarden Yuan, ein Plus von knapp 10 Prozent. Parallel dazu tobt der Kampf um die teuersten Smartphones der Welt, vor allem bei den Klapphandys. Mit dem neuen 18 Fold, einem faltbaren Flaggschiff für umgerechnet rund 1.500 Euro, will Xiaomi Huawei und Apple Konkurrenz machen. Eigens entwickelter Chip, Leica-Kamera, dicker Akku. Die Ausstattung ist top, aber nach Europa kommt das Gerät vorerst nicht. Und die Marge bleibt trotz Premiumpreis unter Druck, denn die Entwicklungskosten für Chips und Autos fressen ordentlich Geld. Genau da liegt der Knackpunkt für Investoren. Die Kosten sind hoch und gehen zu lasten der Marge und des Gewinns.

Charttechnik
Schauen wir auf den Chart, sieht es zumindest kurzfristig etwas freundlicher aus. Die Aktie hat sich über der Marke von 3 Euro eingependelt und damit erst mal Boden gefunden. Der 50er SMA wurde nach oben durchbrochen. Das ist ein positives Signal vielleicht sogar nicht nur für die kommenden Wochen. Der RSI notiert bei 48 und damit im neutralen Bereich, es ist also noch Luft nach oben und auch nach unten. Spannend wird es an dem 200er SMA, der bei 3,52 Euro notiert. Schafft Xiaomi diesen Sprung, könnte der Weg bis Richtung 5 Euro frei werden. Der Widerstand bei 3,52 Euro dürfte nicht so einfach ohne Kampf und Gegenwehr der Bären fallen. Wer die Aktie beobachtet, sollte aber genau auf diese Marke schauen, denn diese ist das Zünglein an der Waage.
Was tun?
Jetzt bleibt die Frage, wie man sich als Anleger jetzt positionieren sollte. Fundamental zeigt Xiaomi dass der Umsatz solide wächst, die Kassen sind gut gefüllt, und das Unternehmen traut sich gleich zwei kapitalintensive Großprojekte gleichzeitig zu. Aber die hohen Entwicklungskosten belasten und drücken auf die Gewinne. Im Auto-Geschäft schreibt Xiaomi laut Berichten noch immer über 5.600 Dollar Verlust pro Fahrzeug. Das ist happig und zeigt, wie früh man in dieser Wachstumsgeschichte eigentlich noch steht. Die jüngsten Nachrichten mit einem neuen Chip, neuem Falt-Handy, Europa-Pläne, Batteriegarantie (unter bestimmten Bedingungen) wirken für sich genommen jede recht positiv. Zusammengenommen ergeben sie aber auch ein Bild von einem Unternehmen, das an vielen Fronten gleichzeitig kämpft. Das ist schwierig und könnte dazu führen, dass sich Xiaomi verzettelt. Charttechnisch wäre die Stabilisierung über 3 Euro erstmal ein gutes Zeichen, doch der eigentliche Test kommt erst noch bei 3,52 Euro. Wer neu einsteigen will, sollte sich nicht von der Produktoffensive allein blenden lassen und lieber auf einen bestätigten Ausbruch über den 200er SMA warten, bevor er zugreift.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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