
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Gegenüber dem letzten Verlaufshoch hat die Adidas-Aktie inzwischen rund ein Viertel ihres Wertes verloren. Trotzdem könnte es jetzt sogar noch schlimmer kommen.
Adidas wächst gegen den Branchentrend und wird trotzdem nicht belohnt
Trotz einer für das Unternehmen erfolgreich verlaufenen Fußball-Weltmeisterschaft mit gleich zwei Finalmannschaften und starken Trikotverkäufen trotz des frühen Ausscheidens der DFB-Mannschaft kann von einem guten Börsenjahr für Adidas keine Rede sein. Verglichen mit dem Stand zum Jahresauftakt notiert die Aktie aktuell mit einem Minus von fast 16 Prozent. Gegenüber dem Stand vor einem Jahr sind es sogar über 20 Prozent. Und dass, obwohl der Konzern gegen einen schwachen Branchentrend weiter gewachsen ist und seine Erlöse steigern konnte.
Auch am Donnerstag stehen die Anteile unter Druck. Sie landen mit Verlusten von fast 3 Prozent am Ende des deutschen Leitindex DAX. Nur der Baudienstleister Hochtief kommt noch stärker unter die Räder. Neuigkeiten, welche die überdurchschnittlichen Kursverluste erklären könnte, gibt es keine. Im Gegenteil hatte sich am Mittwoch mit der Royal Bank of Canada (RBC) noch ein Analystenteam für den Kauf der Aktie ausgesprochen und Adidas mit einem Kursziel von 200 Euro versehen. Das spricht dafür, dass die anhaltenden Verluste vor allem technischer Natur sind.

Übergeordnet hält der Abwärtstrend schon seit Jahren an ...
Seit dem Erreichen von Allzeithochs im August 2021, als auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie und des sogenannten Athleisure-Trends, der Sportlichkeit mit Bequemlichkeit verbindet, handelt die Adidas-Aktie in einem übergeordneten Abwärtstrend. Zwar kam es ausgehend von 100 Euro, erzielt im Herbst 2022 zu einer zwischenzeitlich starken Erholung zurück auf über 250 Euro. Doch seit dem Jahreswechsel 2024/25 haben die Anteile ihren Abwärtstrend wieder aufgenommen, der sich in der ersten Jahreshälfte deutlich beschleunigt hatte.
So fiel die Adidas-Aktie im März mit rund 130 Euro auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2022. Solche Mehrjahrestiefs bedeuten in der technischen Analyse üblicherweise starke Verkaufssignale. Dem konnte sich Adidas dank bullisher Divergenzen und der Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft der Herrenmannschaften jedoch entziehen, wodurch es zu einer Erholungsrallye und einem Sprung über die Abwärtstrendlinie gekommen ist.
... jetzt könnte er sich nach einer Zwischenerholung erneut beschleunigen
Diese Erholung war jedoch nur von kurzer Dauer, inzwischen hat die Aktie ihren Abwärtstrend wieder aufgenommen. Im Bereich von 180 Euro ist es zuletzt zu einer Top-Bildung gekommen, nachdem der Relative-Stärke-Index (RSI) zunächst in den überkauften Bereich geklettert war und dann bearishe Divergenzen lieferte. So ist es zu einem Rounding-Top und einer Aufgabe der gleitenden Durchschnitt gekommen, die noch im Juni mit einem Golden Cross für ein Kaufsignal gesorgt hatten, welches jetzt wirkungslos verpufft ist.
Durch die hohen Verluste vom Donnerstag setzt die Adidas-Aktie auf dem Unterstützungsbereich zwischen 140,00 und 142,50 Euro auf. Sollte dieser ebenfalls aufgegeben werden, drohen die bisherigen Jahrestiefs erneut angelaufen zu werden, was für neue Verkaufssignale sorgen könnte. Solche liegen aktuell ohnehin schon zahlreich vor. Neben den unterschrittenen Durchschnittslinien zeigen vor allem der RSI im inzwischen überverkauften Bereich sowie der Trendstärkeindikator MACD an, der erneut unter seine Signallinie gefallen ist und damit auf einen an Dynamik gewinnenden Abwärtstrend der Aktie hindeutet.
Sollten selbst die Tiefs bei 130 Euro unterschritten werden, droht der Aktie ein Crash bis 100 Euro, denn belastbare Unterstützungen sind zwischen 100 und 130 Euro keine mehr zu finden. Selbst nach den jüngsten Verlusten von rund einem Viertel besteht also substanzielles Abwärtspotenzial, das von Anlegerinnen und Anlegern ernst genommen werden sollte, weil die technische Ausgangslage schlecht ist und gleichzeitig noch keine Anzeichen für eine mögliche Trendwende, wie zum Beispiel bullishe Divergenzen vorliegen. Ein Wochen-RSI von 38 demonstriert außerdem, dass die Aktie auf höheren Zeitebenen noch weiteren Platz nach unten hat, während neue Möglichkeiten zur Oberseite erst oberhalb der 50-Tage-Linie bei rund 165 Euro vorliegen würden.
Fazit: Günstig hilft nicht gegen einen schwachen Branchentrend
Neben dem schwachen Chart ist vor allem ein schlechtes Branchenumfeld als Erklärung für die anhaltenden Verluste heranzuziehen. Die Sportartikel- und Sportbekleidungsbranche leidet unter einer Wachstumskrise, die einerseits auf die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten und klamme Verbraucherinnen und Verbraucher sowie andererseits auf sich verändernde Modetrends zurückzuführen ist. Der Athleisure-Trend hat deutlich nachgelassen, während klassischere Outfits wieder bevorzugt werden. Außerdem sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue, erfolgreiche Marken in den Markt gedrängt, was zu einem harten Kampf um Marktanteile führt, welche eine Belastung auch für die Konzernmargen von Adidas darstellen.
Mit Blick auf die Bewertungsdaten steht Adidas im Branchenvergleich mit einem KGVe 2026 von 15,5 und von 12,5 für das kommende Jahr hervorragend dar. Auch das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis von unter 1,0 überzeugt. Die vergleichsweise günstige Bewertung könnte die Aktie zur Unterseite zwar absichern, das muss aber nicht gleichbedeutend mit einer Trendwende zur Oberseite sein. Ohne einen grundsätzlichen Stimmungswechsel in der Branche, die zuletzt unter den schwachen Quartalsergebnissen von JD Sports, Dick's Sporting Goods und Lululemon gelitten hat, dürfte auch für Adidas nur wenig zu holen sein. Die Aktie sollte von Anlegerinnen und Anlegern zunächst gemieden werden.
Gastautor: Max Gross
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